Die t-online-Formtabelle zur Fußball-WM liefert einige Überraschungen – denn sie betont die aktuelle Stärke viel mehr als die behäbige Weltrangliste. Deutschland schneidet deutlich besser ab als im offiziellen Fifa-Ranking – während bei Marokko und Japan deutlich wird, warum sie längst keine Geheimtipps mehr sind. Frankreich vor Spanien, dahinter Deutschland: Auf den ersten Blick wirkt die Spitze der WM-Formtabelle noch vertraut. Doch schon der dritte Platz der DFB-Elf ist ein Ausrufezeichen. Denn in der Fifa-Weltrangliste steht Deutschland nur auf Rang zehn – in der Formbewertung aber lässt das Team gleich mehrere große Namen hinter sich. Die Tabelle basiert auf einer Berechnung mit drei Faktoren: den letzten zehn Länderspielen (60 Prozent), den Ergebnissen der WM-Qualifikation (30 Prozent) und für eine aktuelle Markteinschätzung den Wettquoten (10 Prozent). Die Formel berücksichtigt außerdem die Stärke der Gegner und die Höhe der Ergebnisse – je länger ein Spiel her ist, desto niedriger wird es gewichtet. Auch sind Pflichtspiele mehr wert als Freundschaftsspiele. Deutschland macht sieben Plätze gut In der Fifa-Weltrangliste ist Deutschland aktuell nur die Nummer zehn unter den 48 WM-Teilnehmern. In der Formtabelle reicht es aber zu Platz drei. Nur Frankreich und Spanien liegen davor. Der Grund: Die DFB-Elf hat den besten Wert aller Teams bei den letzten zehn Spielen. Mit einem Last10-Index von 86,8 liegt Deutschland sogar vor Frankreich, Spanien, England und Argentinien. Dazu kommt ein starker Qualifikationsindex von 79,0. Der schwächere Wettquotenindex verhindert zwar den Sprung ganz nach vorn – insgesamt steht aber ein bemerkenswert stabiler Wert von 79,6. Das ist vor allem deshalb brisant, weil Deutschland in den vergangenen WM-Turnieren früh scheiterte. In dieser Formrechnung sieht das Bild anders aus: Deutschland ist kein Wackelkandidat, sondern ein ernsthafter Titelanwärter. Marokko ist kein Außenseiter mehr Besonders auffällig ist Marokko. Das Team landet auf Platz fünf – vor Argentinien, Japan, Belgien, den Niederlanden, Portugal und Brasilien. Dabei ist der Wettquotenindex der Marokkaner schwach. Der Markt traut ihnen also weniger zu als den klassischen Schwergewichten. In der sportlichen Bewertung sieht es anders aus: Marokko kommt auf einen Last10-Wert von 75,2 und einen herausragenden Qualiindex von 90,1. Das bedeutet: Die jüngsten Ergebnisse stimmen, die Qualifikation war stark – der Halbfinalist von 2022 könnte dieses Mal noch weiter kommen. Noch größer ist der Sprung bei Japan. In der Fifa-Weltrangliste steht das Team auf Platz 18. In der Formtabelle reicht es aber zu Rang sieben. Der Grund ist ähnlich wie bei Marokko: Japan punktet kaum über die Titelquoten, aber stark über Leistung. Der Last10-Wert liegt bei 76,1, der Qualiindex bei 81,0. Damit landet Japan vor vielen prominenteren Teams. Brasilien fällt ganz weit zurück Zu den Verlierern der Berechnung gehört Brasilien. Der fünfmalige Weltmeister steht in der Fifa-Weltrangliste auf Platz sechs, in der Formtabelle aber nur auf Platz 20. Der Markt sieht Brasilien weiterhin recht stark, der Quotenindex liegt bei 60,4. Doch die sportlichen Werte drücken das Team nach unten: 58,6 bei den letzten zehn Spielen, 56,4 in der Qualifikation. Für den fünfmaligen Weltmeister ist das fast peinlich. Neben Marokko und Japan stechen auch zwei europäische Teams hervor: Norwegen sowie Österreich. Norwegen steht in der Fifa-Rangliste nur auf Platz 44, schafft es in der Formtabelle aber auf Rang neun. Der entscheidende Wert ist die Qualifikation: 93,7 – der höchste Wert in den Top Ten. Österreich landet direkt dahinter auf Platz zehn und bestätigt mit starken Last10- und Qualiwerten seine Außenseiterrolle mit echter Substanz. In der Fifa-Rangliste steht Österreich nur auf Rang 24. Das Fazit Die Formtabelle stellt die bekannte WM-Hierarchie nicht komplett auf den Kopf – Frankreich und Spanien bleiben vorn. Doch dahinter wird es spannend. Deutschland wirkt deutlich stärker, als es der Weltranglistenplatz vermuten lässt. Marokko und Japan sind keine Geheimtipps mehr, sondern rechnerisch echte Kandidaten für einen tiefen Turnierlauf. Und Brasilien? Der große Name allein zählt in dieser Bewertung nicht. Gerade deshalb ist die Tabelle so reizvoll: Sie zeigt nicht, wer historisch groß ist – sondern wer aktuell den stärksten Eindruck macht.