Deutschland-Takt: In Heidelberg wird die Bahn nicht schneller und pünktlicher
Von Klaus Welzel
Heidelberg/Berlin. Schwungvoll verkündete Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer im letzten Oktober den ehrgeizigen Plan, dass die Bahn in Zukunft schneller werde - und zwar bis spätestens 2030. "Der Deutschland-Takt macht das Bahnfahren pünktlicher, schneller und die Anschlüsse direkter und verlässlicher", prophezeite der CSU-Politiker. Auf die Kunden kämen damit kürzere Aufenthalte an Bahnhöfen und kürzere Fahrzeiten zu.
Was Scheuer nicht sagte: Davon ausgenommen bleibt Heidelberg. Und das obwohl der Deutschland-Takt allen Großstädten ab 100.000 Einwohner zugutekommen soll. Heidelberg hat 160.000. Doch trotz aller Baumaßnahmen in der Region wird die Neckarstadt in der Nord-Süd-Verbindung - Linie Darmstadt-Stuttgart - lediglich alle zwei Stunden angefahren. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor.
Matthias Gastel, Sprecher für Bahnpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, empört sich über die Antwort aus dem Verkehrsministerium, wonach "eine Großstadt wie Heidelberg dann optimal an den Fernverkehr angebunden" sei, "wenn zumindest eine Zugverbindung zur nächstgelegenen Stadt mit weiteren Umsteigemöglichkeiten besteht". Der Bundestagsabgeordnete aus Filderstadt bei Stuttgart entgegnet: "Für Heidelberg als Stadt überregionaler Bedeutung ist eine derartige Anbindung dürftig und ein ständiger Umstieg für Reisende unzumutbar".
Jetzt sind aber die Heidelberger spätestens seit der Milchkannen-Schmähung durch den früheren Bahnchef Hartmut Mehdorn Kummer gewohnt: Am Neckar hält ohnehin so gut wie kein ICE. Dabei bleibt es - trotz Deutschland-Takt.
Bundesregierung und Bahn weisen aber darauf hin, dass von Heidelberg aus achtmal pro Stunde Regionalexpresszüge oder S-Bahnen nach Mannheim führen. Damit sei die Stadt an "das dortige sehr dichte Fernverkehrsangebot angebunden". Reinhold Willing, Sprecher der DB Stuttgart, betonte gegenüber der RNZ, eine komplette Abkopplung Heidelbergs sei "nicht vorstellbar". Letztlich profitierten alle vom Deutschland-Takt - sei es mithilfe des Umsteigens.
Noch ein Wermutstropfen: Zwar priorisiert das Verkehrsministerium den vierspurigen Gleisausbau Heidelberg Hauptbahnhof-Heidelberg Wieblingen und investiert auch kräftig in Mannheim, um den dortigen Bahnknoten attraktiver zu machen. Dennoch werden Zugpassagiere auf der Nord-Süd-Route mit Wartezeiten von bis zu acht Minuten auf dem Mannheimer Hauptbahnhof leben müssen. Anders, so das Ministerium sei der ansonsten sehr schnelle Deutschland-Takt nicht zu gewährleisten.