S-Bahnhof St. Ilgen/Sandhausen: Die Arbeiten haben begonnen
Von Werner Popanda
Leimen/St. Ilgen-Sandhausen. Keine Frage, die Bürgerinformationsveranstaltung mit dem Titel "Zweite Baustufe S-Bahn Rhein-Neckar - Ausbau Haltepunkt St. Ilgen/Sandhausen" in der gut besuchten Aegidiushalle zeichnete sich durch eine wahre Fülle an feststehenden zeitlichen und baulichen Fakten aus.
Die Bahnsteige müssen von bisher 140 auf 210 Meter verlängert werden. Abgeschlossen sein sollen die bereits Anfang Januar begonnenen Bauarbeiten im kommenden Dezember. Danach soll der Haltepunkt St. Ilgen/ Sandhausen auch über ein neues Wegeleitungssystem verfügen, über einen "kontrastreichen Belag", einen barrierefreien Übergang sowie eine "überall gleichmäßige Beleuchtung und Beschilderung".
Dass besagte Bauarbeiten ausschließlich in der Nacht zwischen 23 und 5 Uhr in der Früh erfolgen, lasse außerhalb dieser sechs Stunden einen derart "völlig regulären Verkehr" zu, dass auf einen Schienenersatzverkehr verzichtet werden könne. Zwischen 23 und 5 Uhr werde es jedoch nur einen eingleisigen Verkehr geben. In der Hauptsache gearbeitet wird nach seinen Worten mit einem Zwei-Wege-Bagger, also mit einem "schienengebundenen Fahrzeug mit Presslufthammer". Diese Aussage veranlasste einen Anwohner prompt daran zu erinnern, dass bei den "letzten Bauarbeiten bis um Mitternacht 85 Dezibel" verzeichnet worden seien. Ihm versicherte Projektleiter Sven Schäfer, dass man versuchen werde, "Belästigungen während der Bauzeit zu vermeiden".
In einer Hinsicht hieß es Pustekuchen - nämlich beim Knackpunkt, wann es konkret zu einer Erweiterung der Park-and-Ride-Anlage an diesem Haltepunkt kommen könnte. Und damit aufs Engste verbunden: zur Errichtung einer von dort Wohnenden seit vielen Jahren geforderten Lärmschutzwand. Folglich sprach sich eine Anwohnerin unmissverständlich dafür aus, dass dies "bitte nicht erst in 20 Jahren" geschehen dürfe.
Oberbürgermeister Hans D. Reinwald antwortete, dass die Park-and-Ride-Anlage in Planung sei und deren Realisierung "keine 20 Jahre dauern" werde. Die weitere Frage aus dem Publikum, wer denn den "Lärmschutzwall" zu finanzieren habe, erntete diese knappe Replik des OB: "Wand und Stadt!" Sprich: Es handele sich erstens nicht um einen Wall, sondern um eine Wand. Und zweitens stehe die Stadt finanziell in der Pflicht.
Später ließ ein Fragesteller das Stadtoberhaupt noch wissen, dass rund um den Haltepunkt "chaotische Parkverhältnisse" herrschten und deshalb das "Ordnungsamt mal schauen sollte". In diese Kerbe hieb auch eine Dame, die Oberbürgermeister Reinwald mitteilte, dass es "immer mehr Leute gebe, die nicht wissen, wohin mit den Autos". Woraufhin er folgendes Fazit zog: "Es ist richtig, dass der Parkdruck steigt, es wäre schön, wenn die Bahn für die Parkplätze zuständig wäre". Das ist sie aber nicht, weshalb deren Gesamtprojektleiter Sven Schäfer und der Technische Projektleiter Kevin Brümmel sich dezent zurücklehnten.
Dass der Parkdruck steigt, ist ganz und gar darauf zurückzuführen, dass die S-Bahn Rhein-Neckar eine Erfolgsgeschichte sondergleichen schreibt. Zu entnehmen war das der von Sven Schäfer präsentierten Statistik der S-Bahn-Kunden, die den Haltepunkt St. Ilgen / Sandhausen nutzen. Im Jahr 2003 waren dies noch 1648, 2010 dann schon 4686 und im vergangenen Jahr 5039. Doch dürfte das Ende der Fahnenstange damit bei Weitem nicht erreicht sein. Denn während das aktuelle Streckennetz 395 Kilometer Länge und 105 Stationen aufweist, die werktags von durchschnittlich rund 80.000 Personen genutzt werden, wird das Streckennetz nach Vollendung der zweiten Baustufe 550 Kilometer Länge und 158 Stationen aufweisen. Laut Sven Schäfer ist es dann eines der größten Nahverkehrsnetze Deutschlands.
Zu diesem Projekt zählt auch der Ausbau des Haltepunkts St. Ilgen/Sandhausen. Dieser soll nach Angaben der Bahn "für den Betrieb der S-Bahn Rhein-Neckar mit Langzügen ertüchtigt werden soll, um Kapazitätsengpässe auf der Strecke zu beseitigen".