Schulleitermangel im Südwesten: Rektoren sollen mehr verdienen
Von Axel Habermehl, RNZ Stuttgart
Stuttgart. Die Position an der Spitze der Lehrerkollegien gilt als entscheidend für die Qualität von Schulen. Doch viele Rektoren klagen über hohe Arbeitsbelastung, oft finden sich keine Bewerber mehr. Zuletzt waren im Land 203 Schulleiterstellen vakant, davon 132 an Grundschulen. Seit Monaten arbeitet die Landesregierung an einem Konzept, den Job attraktiver zu machen. Es gilt als eines der wichtigsten schulpolitischen Projekte der Legislatur. Nun hakt es. Ein Überblick:
Worum geht es? Um ein Konzept zur Stärkung und Entlastung von Schulleitern. Es wurde in monatelanger Arbeit im Ressort der Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) vorbereitet. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte sich eingeschaltet. Im September waren die Pläne fertig, nun gibt es eine Kabinettsvorlage, über die die Regierungs-Landtagsfraktionen verhandeln.
Was steht in dem Papier? Es listet Ziele und Pläne auf und nennt die Kosten. Wörtlich heißt es da, das Papier enthalte "mehrere strukturelle Maßnahmen, die das Ziel verfolgen, Schulleiter zu stärken, von Verwaltungsaufgaben zu entlasten sowie zielgenauer zu qualifizieren." Kern des Ganzen ist die Anhebung der Besoldung der Leiter von kleinen Grundschulen sowie von Haupt- und Werkrealschulen. Das Gehalt unterscheidet sich je nach Schülerzahl. Bisher werden Rektoren, die für mehr als 80 Kinder verantwortlich sind, nach der Besoldungsstufe A12 bezahlt, und sie bekommen eine Zulage. Künftig sollen fast alle Grundschulleiter A13 bekommen, bei mehr als 100 Kindern plus Zulage. Rektoren großer Grundschulen ab 180 Kindern sollen nach A14 aufsteigen, teils auch mit Zulage. In A12 plus Zulage verblieben nur Leiter von Mini-Grundschulen mit bis 40 Kindern. An Haupt- und Werkrealschulen sowie Verbundschulen in diesem Bereich soll es ähnliche Gehaltsaufstiege geben.
Geht es nur um Geld? Nein, man will auch die "pädagogischen Assistenzsysteme" ausbauen. Geplant sind mehr Funktionsstellen, wie stellvertretende Schulleiter, zweite Konrektoren oder Abteilungsleiter. Außerdem soll es mehr Beratung und Fortbildungen geben. Zudem will das Land über eine Arbeitsgruppe Druck auf die kommunalen Schulträger erzeugen, den Schulen ausreichend Sekretariatsmitarbeiter und Hausmeister zur Verfügung zu stellen.
Was kostet das alles? Rechnet das Ministerium für das laufende Jahr noch mit Zusatzausgaben von 170.000 Euro, sind es 2020 schon 24,9 Millionen - allein 17,2 Millionen für die Gehaltserhöhungen. 2021 steigt es weiter, auf dann zusätzlich 49,6 Millionen und im Endausbau, ab 2023 auf rund 101,6 Millionen Euro.
Wann kommt die Reform? Das bisher Genannte soll schon ab nächstem Schuljahr in Kraft treten, andere Punkte - wie die Erhöhung der Leitungszeit, oder eine Ausweitung des allgemeinen Entlastungskontingents - ist wegen des Lehrermangels erst ab 2021/22 vorgesehen.
Ist sonst alles geklärt? Noch nicht. Grüne und CDU sind bei der Besoldungsanhebung für Rektoren von Kleinst-Grundschulen unterschiedlicher Ansicht. Das Konzept sieht als Mindestgröße 40 Schüler vor. Die CDU-Fraktion aber will, dass alle Schulleiter mehr verdienen. Kleine Grundschulen stehen immer wieder in der Kritik, etwa wegen der Unterrichtsqualität. Doch am Grundsatz "Kurze Beine, kurze Wege" rührt niemand offen. Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser wagt vorsichtige Kritik: "Wir können in den Bildungsdebatten nicht immer nur von Qualität sprechen. Wir müssen auch konsequent danach handeln", sagt sie. Dazu gehöre, Anreize zu setzen, um Schulen so zu gestalten, dass für alle Kinder bestmögliche Lernvoraussetzungen herrschten.