Mannheim: Waldhof-Fan nach Prügelattacke im ICE verurteilt
Mannheim. (ger) Weil er vor knapp zwei Jahren mit anderen gewaltbereiten Fußball-Fans des SV Waldhof in einem ICE auf durchreisende Anhänger von Hannover 96 eingeprügelt haben soll, ist ein 28-Jähriger am Freitag vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt worden, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Laut Staatsanwaltschaft hatte sich der in Heidelberg geborene Angeklagte am Mannheimer Hauptbahnhof einer Gruppe von zehn Männern angeschlossen. Sie nahmen sich vor, Fans des niedersächsischen Fußball-Bundesligisten anzugreifen.
Die Hannoveraner befanden sich damals auf dem Nachhauseweg von einem Auswärtsspiel in Stuttgart. Als der ICE in Mannheim Station machte, hätten die Waldhof-Anhänger zum Teil vermummt auf Reisegäste eingeschlagen. Dabei, so führte die Staatsanwältin aus, sei es ihnen gleichgültig gewesen, ob es sich dabei tatsächlich um 96-Fans handelt. Bei der wilden Keilerei im Zug flogen die Fäuste und wurde auf Passagiere eingetreten. Ein Mann fiel zwischen Zug und Gleisbett und musste aus der gefährlichen Lage befreit werden.
Der Angriff dauerte nur vier Minuten, dann kam die Polizei. Sieben der Angreifer im Alter zwischen 22 und 54 Jahren konnten anschließend identifiziert werden. Wie Richter Holger Hamm erläuterte, seien die Strafverfahren gegen sechs Beteiligte bereits in abgetrennten Verfahren vor dem Amtsgericht verhandelt worden. Fünf Angeklagte hätten geringere Bewährungsstrafen erhalten. Ein anderer bekam wegen vorhandener Vorstrafen ein Jahr und neun Monate auf Bewährung aufgebrummt.
Die Videoüberwachung im Bahnhof überführte die Täter. Auch der 28-Jährige war auf den Kamerabildern in Aktion zu sehen. Im Gegensatz zu den anderen Beteiligten legte der gelernte Dachdecker jedoch kein Geständnis ab. Stattdessen behauptete er, in den Bahnhof nur mitgegangen zu sein, um zu verhindern, dass "einer eine Dummheit macht". Sein Mandant habe sich nur verteidigen wollen und in Notwehr gehandelt, ergänzte Rechtsanwalt Michael Glattfelder.
Schuld seien die Hannover-Fans gewesen, weil sie ausgestiegen seien. In seinem Urteil folgte das Gericht dieser Auffassung allerdings nicht und sah die Beteiligung des 28-jährigen an dem Angriff als erwiesen an. Mit der verhängten Freiheitsstrafe blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwältin. Sie hatte aufgrund vorheriger Vorstrafen, unter anderem wegen Beleidigung und versuchter Körperverletzung von Polizisten, auf ein Jahr und sechs Monate Haft zur Bewährung plädiert.