Sanierung der Salierbrücke: Rettungskräfte können Ampeln per Knopfdruck bedienen
Altlußheim. (sbl) Eine der am stärksten betroffenen Gemeinden auf badischer Seite bei der Sperrung der Salierbrücke ist Altlußheim. Dort sind viele Pendler auf ein gutes Verkehrskonzept angewiesen. Der Bürgermeister der Gemeinde, Uwe Grempels, ist trotz langer Vorbereitung und umfassender Öffentlichkeitsarbeit seitens des Regierungspräsidiums nicht zufrieden. "Ich bin nicht guter Dinge, sondern angespannt", sagte er der RNZ.
Der Rathauschef befürchtet nicht nur Probleme für Rettungsfahrzeuge, die die Brücke passieren. "Ich sorge mich um unsere Kinder in den Kindergärten", führt er aus. "Viele Erzieherinnen, die in Altlußheim in den kirchlichen Kindergärten arbeiten, kommen aus der Pfalz. Ich hoffe nicht, dass sie abspringen, weil die Belastung mit den Umfahrungen zu groß wird."
Kündigungen befürchtet er auch bei Pflegekräften in Speyerer Krankenhäusern, von denen umgekehrt viele aus den badischen Gemeinden jeden Tag über die Salierbrücke kommen. "Die Entwicklung müssen wir beobachten. Man muss ja bedenken: Diese Maßnahme haben wir nicht bestellt." Der schlechte Zustand der Brücke ist aufgrund einer neuen Nachrechnungsrichtlinie des Bundes festgestellt worden. Die Kosten für den notwendigen Shuttleverkehr tragen die Gemeinden und der Rhein-Neckar-Kreis aber allein.
"Altlußheim muss auf die 26 Monate 72.000 Euro für das Verkehrskonzept zahlen", ärgert sich der Rathauschef. Der alternative Verkehrsplan für den öffentlichen Nahverkehr schlägt mit insgesamt 906.000 Euro zu Buche. "Speyer zahlt 95.000 Euro, der Rhein-Neckar-Kreis übernimmt knapp die Hälfte des verbleibenden Betrags", erklärt Grempels. Den Rest tragen die badischen Gemeinden, verteilt auf die Gemarkungskilometer, die die Busse der Linie 717 zurücklegen.
Das Land beteiligt sich nicht an den Kosten - für Grempels unverständlich. "Es zeigt, dass das Land die Bedeutung der Brücke nicht wahrnimmt." Dass sie überhaupt teilweise für Verkehr offen bleibt, habe man den Kommunen zu verdanken. "Ohne den Schulterschluss zwischen Speyer, den badischen Gemeinden und dem Rhein-Neckar-Kreis wäre die Brücke vollgesperrt." Nachdem die Sanierung feststand, hatte sich ein Projektbegleitkreis gebildet, unter anderem mit Vertretern aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik. "Wir haben Vorteile erreicht." Etwa, dass Rettungskräfte durchfahren dürfen.
Ralf Dussinger vom Deutschen Roten Kreuz Kreisverband Rhein-Neckar/Heidelberg ist froh darüber. "Unsere Einsatzfahrer haben einen Drücker, mit dem sie in die Ampelsteuerung eingreifen können", lobte er gute Absprachen mit dem RP. "Ich hätte Bauchschmerzen gehabt, wäre die Brücke ganz gesperrt." Betroffen von Fahrten aus badischer Seite über den Rhein sei vor allem das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer. "Für Notfälle fahren wir eher selten in die Pfalz. Patienten, die von uns rüber gebracht werden, sind in der Regel erstversorgt." Und: Feuerwehren aus badischen Gemeinden würden nur in "extremen Fällen" eine der Rheinbrücken passieren, erklärte Matthias Splett aus dem Landratsamt des Kreises.