"Rythm of the Dance": Eberbach meets Irish-Folk
Von Hajo Eckert
Eberbach. Seit 20 Jahren fungiert die Show "Rhythm of the Dance" weltweit als Botschafter für keltisch-irische Folklore, mit den bereits vor über 2000 Jahre erwähnten, traditionellen und teils rituellen Tänzen, die auch nach der Christianisierung fortbestanden. In atemberaubender Geschwindigkeit vibrieren Beine und Füße der ca. 16 Tänzerinnen und Tänzer über die Bühne. Mit den speziellen "harten Schuhen" erzeugen sie ein rhythmisches Fortissimo und schnelle tonale Akzente. Die Dynamik und das Klangvolumen, erzeugt durch die Tanzschritte, erinnert an den andalusischen Flamenco. Gleich dem Flamenco, lässt die enorme körperliche Spannkraft die Tänzer leicht wie eine Feder über die Bühne schweben. Diese konzentrierte Anspannung öffnet dem Körper den Weg zur "Schwerelosigkeit", ermöglicht die Schnelligkeit der Bewegungen und die Grazie in der Haltung. Fast zu einer Ekstase treiben die kraftvollen, dynamischen irischen Melodien die Tänzer durch die schnelle Schrittfolge. Die archaisch wirkenden Klänge dringen ohne Umwege in die Seele der Zuhörer und entfalten einen eigenartigen Zauber, der kaum ein Entrinnen zulässt. Das Eberbacher Publikum in der voll besetzten Stadthalle ist begeistert. "Die Musik, der Tanz, es ist toll", schwärmt Helen Jung in der Pause. Es sei, wie sie es in Irland erlebt habe, und wie man sich irische Folklore vorstelle.
Die Show ist abwechslungsreich. Mit Tanz, Gesang und instrumentalen Folk-Stücken hält sie die Spannung von Anfang bis Ende aufrecht, bleibt in allen Programmteilen lebendig und dynamisch. Und sie spannt einen musikalischen und tänzerischen Bogen von den keltischen Ursprüngen, über Tänze aus dem Mittelalter bis zur Moderne. Sowohl "Circle Dances" aus dem 11. Jahrhundert, als auch die seit ca. 1750 entstandenen Solo- und Stepp-Tänze sind Teil des Programms. Musikalisch und choreografisch erinnert die Show auch an die irischen Emigranten, die Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika ihr Glück suchten. In einigen Choreografien gibt die historische Bodhran den Takt vor. Eine Trommel, unter deren Klängen die Iren um 1600 in den Krieg gegen die Engländer zogen. Musikalisch begleiten vier Musiker die Tanzshow auf typisch irischen Folk-Instrumenten: Geige, Flöte, Gitarre und Ziehharmonika. Im zweiten Programmteil unterhält das Quartett mit einem Reigen irisch-keltischer Melodien. Schwungvoll, kraftvoll, ein bisschen wild: wie die Seele der grünen Insel eben ist. Mit einer Standing-Ovation bedankt sich ein begeistertes Publikum für einen Abend, der die Zeit vergessen ließ. "Es hat mir richtig in den Füssen gejuckt", sagt eine Besucherin beim Verlassen des Saals.
Gestartet habe die Tour in Russland, erzählt der Tourbus-Fahrer. Danach sei das Ensemble durch die Niederlande getourt und nun durch Deutschland. Teils absolvieren die Künstler sechs Veranstaltungen pro Woche, das sei Hochleistungssport.