Ladenburg: Bürgermeister Schmutz ist alarmiert vom Mangel an Ehrenamtlichen
Von Axel Sturm
Ladenburg. Ladenburg ist auf das Engagement der Bürger angewiesen. Dies war die zentrale Botschaft der Neujahrsrede von Bürgermeister Stefan Schmutz beim Neujahrsempfang, der stets am Antoniustag stattfindet. Was der Stadtpatron der Ladenburger im Mittelalter vorlebte, ist bis heute aktuell. Antonius setzte sich für die Schwachen in der Gesellschaft ein. Und er leistete seinen Beitrag, damit die Gemeinschaft funktionierte.
"Unsere Stadt und unsere Demokratie leben vom Mitmachen", so Bürgermeister Schmutz im voll besetzten Foyer der Martinsschule. Die Schulband "Crazy Schülers" gab dem Bürgermeister mit rockigen Tönen die passende Vorlage, um in seiner Neujahrsansprache für mehr Engagement zu "trommeln".
Halle als "Lebensversicherung"
"Die besten Ideen entstehen im Dialog. Ich möchte 2019 einen Bürgerbeteiligungs-Prozess anstoßen, um einen Kompass zu erarbeiten für künftige Ziele und Themen." Gemeinsam anpacken, Verantwortung nicht delegieren, sondern selbst übernehmen, diese Tugend sei die Basis für einen erfolgreichen Stadtentwicklung-Prozess, so Schmutz.
Er finde es alarmierend, wenn die Vereine unisono bekunden, dass die Zahl derer drastisch zurückgehe, die regelmäßig Verantwortung übernehmen. Nicht zuletzt Vorstandsämter bleiben immer häufiger unbesetzt. Die Stadt könne die Vereine unterstützen; aber die Bereitschaft, sich einzubringen, kann sie nicht ersetzen. "Es muss ein Ruck durch die Vereinswelt gehen", bemühte Schmutz ein Zitat von Alt-Bundespräsident Roman Herzog. Dann widmete er sich den Themen, die Ladenburg verändern.
Denn die Prognosen des Statistischen Landesamts gelten für Ladenburg nicht. Statt zu schrumpfen wird die Stadt deutlich wachsen, sodass man an die Marke von 14.000 Einwohnern herankommt. Die Entwicklungen seien greifbar, die Bauaktivitäten enorm. In den Gebieten Hockenwiese und Martinsgärten sowie in der Nordstadt werden Familien eine Heimat finden. Schmutz freut sich, dass Ladenburg eine attraktive Adresse ist; aber die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt stimme ihn nachdenklich.
"Die Stadt wächst - aber zugleich steigen Baupreise und Mieten", sagte er. Eine intakte Stadtgesellschaft sei auch auf Bürger mit mittleren oder niedrigeren Einkommen angewiesen. Man wolle dem Markt entgegentreten und städtische Grundstücke nicht an den Höchstbietenden, sondern an denjenigen mit dem besten Konzept veräußern. Als wachsende Stadt stehe Ladenburg vor Herausforderungen. Daher würden in den nächsten Jahren rund 20 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert. Auch die Zahl der Ganztagesplätze in der Kinderbetreuung müsse weiter wachsen.
Die Astrid-Lindgren-Schule werde ausgebaut, das Thema "Barrierefreiheit" vorangetrieben. Von einer verbesserten Infrastruktur sollen auch die Vereine profitieren. Ein Schritt in diese Richtung ist der Neubau einer Dreifeld-Sporthalle im Römerstadion. "Dies ist kein Luxus - vielmehr die Lebensversicherung für den Schul- und Vereinssport", sagte Schmutz. "Große Themen" sind für ihn der Verkehr im Allgemeinen und Rücksichtnahme im Besonderen. Er appellierte an Grundstückseigentümer, Garagen und Stellplätze wirklich fürs Parken zu nutzen. Als Beitrag für die Mobilität der Zukunft betrachtet er die Stärkung der Fahrradinfrastruktur. Ladenburg sei eine Stadt der kurzen Wege. Er hoffe auf die Anbindung an den Radschnellweg Heidelberg-Mannheim. Zwar fällt das Musikfestival dieses Jahr wohl aus; aber mit dem Triathlon-, dem Drachenboot- und dem neuen Filmfestival sowie den Literaturtagen gebe es Veranstaltungen, die keine andere Kleinstadt im Kreis hat. Mit einem Antikmarkt beim Lobdengau-Museum komme eine weitere hinzu. Dies trage dazu bei, dass das Hashtag "Ladenburg" 2018 über 17.000 Mal auf Instagram geteilt wurde. "Damit zählt Ladenburg zu den Kleinstädten mit den häufigsten Nennungen", so Schmutz.