"Alla-Hopp-Anlage" Abtsteinach: 400 kleine und große Demonstranten wollen nur spielen
Von Karin Katzenberger-Ruf
Abtsteinach. "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns den Spielplatz klaut - pro alla hopp!" tönt es aus Dutzenden Kinderkehlen. Den Spruch haben die Mütter den Kleinen für die Kundgebung in Unter-Abtsteinach beigebracht, ihnen vor dem Abmarsch am Parkplatz oberhalb der "alla hopp!"-Anlage bunte Luftballons und selbst gebastelte Fähnchen mit entsprechender Aufschrift in die Hand gedrückt. Bei strahlendem Sonnenschein werden sich schließlich rund 400 Menschen in den Demonstrationszug einreihen, um am Sonntag ein friedliches Zeichen zur Erhalt der Anlage im Ortskern zu setzen. Diese ist in die Schlagzeilen geraten, weil sich vier Anwohner über zuviel Lärm an Sonn- und Feiertagen beklagten und rechtliche Schritte einleiteten.
Tatsächlich konnten die zulässigen Dezibelzahlen in der gesetzlichen Ruhezeit zwischen 13 und 15 Uhr nicht eingehalten werden, wie Messungen ergaben. Die Konsequenz: Seit Dezember ist die Anlage sonntags dicht. "Nun befinden wir uns in einem Widerspruchsverfahren", sagt Bürgermeisterin Angelika Beckenbach.
Es habe Gespräche mit besagten Anwohnern gegeben, doch ein Kompromiss sei nicht in Sicht. Namen will sie nicht nennen. Anders als die Frau am Straßenrand, die auf den Balkon eines Hauses deutet und meint: "Da oben steht einer der Übeltäter." Indessen betont Julia Schmitt als eine der sechs Mütter, die zur Demo aufgerufen haben: "Wir demonstrieren nicht gegen etwas, sondern für etwas und damit auch nicht gegen irgendwelche Personen."
Die Anlage, ein Spielplatz nach sportpädagogischem Konzept und auch für Erwachsene geeignet, wurde als zweite ihrer Art im September 2015 eingeweiht. Insgesamt schenkte Dietmar Hopp der Region 19 Stück. "Wieso dieser Streit um so ein tolles Geschenk", fragt ein Plakat. "Lasst uns doch spielen", heißt es auf einem anderen. Mit einer Tröte marschiert die zehnjährige Linn zum Treffpunkt. Ihr und ihrer Freundin Jasmin gefallen auf dem Spielplatz die "Mikado-Stangen" am besten. An denen kann man hochklettern.
Ärger um die Anlage gab es schon kurz nach der Eröffnung. Damals waren noch die falsch geparkten Autos das Problem. Also richtete die Gemeinde Abtsteinach Parkplätze am westlichen Ortsrand ein. Von dort führt ein schmaler Fußweg auf das Gelände. Das ist auch in etwa die Route des Demonstrationszugs. Rund 15 Polizisten begleiten diesen. Für die Demonstration ist die Ortsdurchfahrt zeitweise gesperrt.
"Wir sind überwältigt", so die Veranstalterinnen zum Abschluss auf der Anlage, die zur Kundgebung nun ausnahmsweise an einem Sonntag geöffnet ist und an dem Nachmittag auch noch "bespielt" werden darf. "Kinderlärm ist Zukunftsmusik", lautet die Botschaft auf einem der selbst gemalten Plakate. Das heißt aber nicht, dass die "Lärmgeplagten" nicht ernst genommen werden. Die Bürgermeisterin hofft nach wie vor auf einen Kompromiss.