"Bergstraße Nord" Dossenheim: Anwohner der Schwabenheimer Straße wehren sich gegen Neubau
Von Doris Weber
Dossenheim. Die zunehmende Verkehrsbelastung ist ihre größte Sorge und geht alle an. Roland Döringer, Anwohner in der Schwabenheimer Straße, hatte schnell Menschen gleicher Meinung zusammen getrommelt. Sie kritisieren das Bauvorhaben "Quadriga" mit vier Mehrfamilienhäusern, das an der Zufahrtsstraße vom Ortszentrum an die Bundesstraße auf Höhe der Jet-Tankstelle beginnt und sich dann weiter nach Norden entlang des Fußwegs "Alte Gütertrasse" ausdehnt.
Es sollen insgesamt "circa" 36 Wohnungen mit im Durchschnitt 75 Quadratmetern Wohnfläche und eine Tiefgarage mit Platz für "circa" 37 Fahrzeuge entstehen. Deren Zufahrt befindet sich an der Schwabenheimer Straße. Gerade endete die Offenlage des Entwurfs der ersten Änderung des Bebauungsplans "Bergstraße-Nord", der auf das Bauvorhaben zugeschnitten wurde. Im Fachjargon heißt das "vorhabenbezogen". Viele Anlieger haben ihre Einwände geltend gemacht. Jetzt hoffen sie auf eine angemessene Berücksichtigung. Wie schon an anderer Stelle in der Gemeinde, wo sich Widerstand gegen Bauvorhaben regt, sind sie nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung. Es geht ihnen um das "Wie". Und das sehen sie nach den vorliegenden Plänen nicht in Einklang mit der derzeitigen Situation.
Gewichtiges Argument ist die Verkehrsbelastung. Schon jetzt kommt es an Werktagen durch die Verkehrsdichte auf der Bundesstraße regelmäßig zu Rückstaus auf der Schwabenheimer Straße. "Wir haben schon jetzt Probleme morgens hier rauszukommen", sagt Klaus-Dieter Hedderich, dessen Garage direkt an der Straße liegt. Kurz nach 6 Uhr ginge es gerade noch. Eine Stunde später bevorzugten manche den Umweg über den Lorscher Weg. Mit der Bebauung und mindestens 37 Fahrzeugen mehr würde sich die Blechlawine zu den Hauptverkehrszeiten weiter verdichten. Überdies sei nicht zu erwarten, dass die Stellplätze der Tiefgarage ausreichten, meinen die Anlieger. Ein Fahrzeug pro Wohnung sei wohl eher die Ausnahme, vermutet Hedderich.
Die Anwohner erwarten in Zusammenhang mit der Müllabfuhr echte Gefahr. Mangels Stellflächen seien die Tonnen auf den Gehweg zu stellen. Fußgänger müssten auf die Straße ausweichen. Insbesondere auf Barrierefreiheit angewiesene Verkehrsteilnehmer und Kinder würden gefährdet.
Insgesamt können die Anlieger nicht erkennen, wie sich insbesondere der Neubau an der Schwabenheimer Straße in die Ästhetik des gewachsenen Straßenbilds einfügt. "Durch die vorgesehene Bebauung mit 3,5 Stockwerken wird der das Ortsbild prägende Charakter in diesem Bereich erheblich gestört", meint Döringer. Der Wohnblock wäre zwar niedriger als die im Bautyp gleichen drei anderen weiter nördlich. Er ist aber immer noch höher als die Häuser im Bestand entlang der Straße. Dieter Mayer befürchtet, dass Anlieger beim nächsten Umbau ihr damit entstehendes Recht auf Aufstockung geltend machen. Er sieht die Umwandlung der "bisher ruhigen vor allem auch repräsentativen Wohnstraße ... in eine wenig attraktive Straßenschlucht eines städtischen Wohnorts". Übrigens hat kein Haus im Bestand seine Balkone zur Straßenseite hin. Für diesen Neubau will der Gemeinderat eine Ausnahme machen.
Uwe Edenharder wohnt direkt an der Bergstraße. Er fühlt sich durch das Bauvorhaben regelrecht "umzingelt". Die Abstände der Neubauten seien zu eng, die Gebäude zu hoch. Er sieht massive Beeinträchtigungen mangels Licht und Luft auf sich zukommen. Vom resultierenden Wertverlust der Immobilie, seit 100 Jahren in Familienbesitz, ganz zu schweigen. Das Grün im hinteren Bereich und der teilweise schon gerodete Grünstreifen entlang der Gütertrasse mit Eichhörnchen und Eichelhäher seien verloren.
Übrigens sticht selbst der Joker "Wohnraum schaffen" nach Meinung der Kritiker nicht. Es ginge bezahlbarer Wohnraum für Durchschnittsverdiener zugunsten von nur teuer zu bezahlendem verloren. Drei Häuser, eines noch bewohnt, müssen weichen.
Vorschläge, wie man der Situation gerechter wird, haben sie auch: Weniger hoch und größere Abstände für mehr Wohnqualität aller. Das mildere auch die Parkproblematik. Döringer hat eine weitere Idee: Würde man die neue Tiefgarage an die im Norden bereits bestehende anbinden, könnte auch die bestehende Zufahrt genutzt werden.
Der Beschluss im Gemeinderat zum Ergebnis der Offenlage steht noch aus.