Neckargemünd: Ist Tempo 30 am Tag gar nicht notwendig?
Von Christoph Moll
Neckargemünd. In der Stadt am Neckar ist es zu laut. Insbesondere an den Bundesstraßen sind die Lärm-Grenzwerte überschritten, sodass Handlungsbedarf besteht. Das wurde schon vor über einem Jahr deutlich, als sich der Gemeinderat mit dem sogenannten Lärmaktionsplan beschäftigte. Als Maßnahme befürwortete das Gremium damals Tempo 30 statt 50 für die komplette Ortsdurchfahrt zwischen dem Stadteingang von Neckarsteinach kommend und dem Stadtausgang Richtung Schlierbach - und das nicht nur nachts, sondern auch tagsüber. Umsetzen muss dieses neue Tempolimit das Karlsruher Regierungspräsidium, das für die Bundesstraße zuständig ist. Doch bisher hat sich nichts getan, was auch Petra Groesser stutzig machte. Deshalb fragte die Grünen-Stadträtin bei einer Sitzung des Gemeinderates nach.
Bürgermeister Frank Volk berichtete, dass ein Termin mit dem beauftragten Ingenieurbüro anstehe. Hintergrund sei, dass die Bahn "falsch rechne", wie er sagte. Neben dem Straßenverkehr gelten die Züge als Hauptursache des Lärms. Volk berichtete, dass er sich mit den Bürgermeistern der Kommunen im Neckartal treffen werde, um gemeinsam Druck auf die Bahn auszuüben. Denn diese müsse sich ab 30.000 Zugbewegungen auf einer Strecke im Jahr an Lärmschutzmaßnahmen beteiligen. Auf der Elsenztalstrecke seien laut Bahn zwischen 27.000 und 28.000 Züge im Jahr unterwegs, was auch hinkomme, so Volk. Aber auch auf der insbesondere mit Güterzügen stark befahrenen Neckartalstrecke sollen es angeblich unter 30.000 Züge im Jahr sein. "Es sind aber mit den Güterzügen eher 35.000", meint Volk. Das lasse sich aus Fahrplänen ableiten.
"Eventuell tun wir uns mit Bürgermeistern von Kommunen der Rheinschiene zusammen, um den Druck auf die Bahn weiter zu erhöhen", so Volk. "Die Bahn soll einfach nur das tun, was jedes andere Unternehmen tun muss." Bisher könne sie machen, was sie wolle. "Und das sage ich auch als Eisenbahner-Kind", betonte der Bürgermeister. Der meiste Lärm am Abend und in der Nacht gehe von der Bahn aus, so Volk weiter.
Auf Nachfrage von Petra Groesser, was dies mit dem neuen Tempolimit für die Bundesstraße zu tun habe, erklärte Volk, dass davon die Tempo-30-Regelung am Tag abhänge. Möglicherweise sei diese mit Lärmschutzmaßnahmen der Bahn nicht mehr notwendig. An Tempo 30 in der Nacht führe allerdings kein Weg vorbei. Der Rathauschef machte jedoch deutlich, dass die Vertreter des öffentlichen Nahverkehrs ein Tempo-30-Limit vor allem tagsüber kritisch sehen: "Es gibt Bedenken, dass der Fahrplan nicht mehr eingehalten werden kann."
Hermino Katzenstein (Grüne) bezweifelte, dass die Bahn in Kleingemünd für Lärm sorge - und erntete prompt Widerspruch von Räten aus dem Ortsteil. Katzenstein korrigierte sich anschließend auf den Bereich um die Friedensbrücke. "Wir hatten Tempo 30 einstimmig beschlossen", erinnerte er und berichtete von einem rechtskräftigen Urteil. Dieses besage: Wenn eine Stadt das Tempolimit beschließe und es keine Rechtsfehler gebe, dann könne es die Straßenverkehrsbehörde nicht ablehnen. "Ich habe das Gefühl, dass das eine Verzögerungstaktik ist", so Katzenstein. Dem widersprach Bürgermeister Volk vehement.