Walldorfer "Nacht der Ausbildung": "Es gibt so viele Chancen wie nie zuvor"
Walldorf. (rö) "Ich wusste gar nicht, dass manche Berufe existieren." - "Ich kannte zwar vieles, dachte aber, dass es ganz anders ist." - "Es war vor allem cool, mit Azubis reden zu können." - "Vieles war interessant, entscheiden würde ich mich jetzt aber nicht wollen." Teresa (14), Lynn (15) und Meline (14), die sich von der RNZ bei der Walldorfer "Nacht der Ausbildung" begleiten lassen, sind nach gut vier Stunden und vielen, vielen Gesprächen positiv überrascht von dem, was sie erlebt haben, und wirklich zufrieden mit einem für sie spannenden Abend. Der Traumberuf war zwar für alle drei (noch) nicht dabei, trotzdem war einiges "voll cool", "interessant" oder "echt nett".
Los geht es am Marktplatz, wo der ungarische Food-Truck noch auf Kundschaft wartet, während Olina Pöllmann und ihre Kollegen nicht nur einen Teil des Ikea-Möbelsortiments dabei haben, Kekse und eine Fotoaktion anbieten, sondern auch über die vier Berufe informieren, in denen das Unternehmen am Standort Walldorf ausbildet - den "Gestalter für visuelles Marketing" hätte man hier vielleicht nicht unbedingt erwartet. Direkt nebenan hat Dirk Axtmann (IHK Rhein-Neckar) Infos über 180 Ausbildungsberufe dabei. "Denkt in die Breite", sagt er den Jugendlichen, die oft über die große Vielfalt an Berufen nicht informiert seien. "Im Moment gibt es so viele Chancen wie nie zuvor", erklärt er auch und wirbt für eine Ausbildung als Alternative zum Studium: "Man lernt arbeiten und hat immer ein Fallnetz."
Was ein Immobilienmakler macht, erfahren die Jugendlichen zeitgleich mit Bürgermeisterin Christiane Staab sowie Susanne Nisius und Sandra Högerich von der städtischen Wirtschaftsförderung bei Ernst-Werner Bruder. Der verteilt Schaumküsse und verdeutlicht, mit welchen Zahlen beim Hauskauf jongliert wird - nämlich sechs- oder gar siebenstelligen Summen. Ein paar Meter weiter in der Stadt-Apotheke lässt Dietmar Sommer seine jungen Besucher Arzneipflanzen erraten: Lavendel, Kamille, Pfefferminz. "Die Berufschancen sind bestens", sagt er, während seine Mitarbeiterin Susanne Kraus das Rühren einer Salbe anleitet. "Das haben sie gut gemacht, die Mädels", stellt sie fest. Die Handcreme darf mitgenommen werden.
Bei den Zipfelmützen in der Schulstraße geht es um die Ausbildung in der Kinderbetreuung und den Alltag pädagogischer Fachkräfte. Nicole Keller ist vom hohen Zuspruch "positiv überrascht" und freut sich über das Interesse: "Der Bedarf ist da, zumal wir nächstes Jahr unser neues Haus eröffnen." Mit dem Bus, den die SWEG im Zehn-Minuten-Takt auf die Rundreise zu den Betrieben schickt, geht es in die "Arbeitsstadt", und hier zu SAP. Vor der Tür des Schulungszentrums wartet der Caravan der Personalabteilung, in dem Karin Fellhauer und ihr Team die Besucher mit VR-Brillen auf einen virtuellen Rundgang durch die Zukunft der Arbeit schicken. Noch mehr ist im Gebäude los, auch der Finanzdienstleister MLP ist hier vertreten: Es wird gegrillt, ein DJ legt auf, die Popcorn-Maschine läuft und wenn man sich mit einer Tafel Schokolade fotografieren lässt, wird dafür ein Baum gepflanzt. Das ist aber nur das Beiwerk zum großen Programm rund um Studium und Ausbildung, von Rundgängen über Workshops bis hin zu Bewerbungsgesprächen - es ist jede Menge los und nicht einfach, den Überblick zu behalten.
Nach einem Cocktail geht’s wieder zum Bus. Bernhard Gröner (Schreinerei und Bettenfachgeschäft) und seine Azubis führen das Verleimen von Schraubenkisten vor, lassen die Besucher Zirbenholz hobeln und machen später vor der Haustür Stockbrot. Wenig Besuch habe man anfangs gehabt, erzählt Annemarie Gröner, das habe sich dann aber gebessert: "Jetzt waren schon einige da." Im Luxor-Filmpalast gibt es eine Führung ins Herz des Kinos: Hinter den Kulissen lassen die Technik, alte Plakate und viele Figuren aus Filmen die jungen Besucher staunen. Im Rathaus informieren Stadt, Aqwa und Astor-Stift über eine breite Palette. "Jeder Beruf musste Auskunft geben", berichtet Stefan Pahlen (Stadtverwaltung). Thorsten Antritter (Astor-Stift) freut sich über "sehr konkrete, sehr gezielte Nachfragen" zum Pflegeberuf. "Die jungen Leute waren gut vorbereitet", stellt er fest.
Zum Abschluss der Tour durch Walldorfs Betriebe geht es bei der Volksbank Kraichgau vorbei. Die Azubis Leon Hessenauer und Steven Knopf berichten anschaulich über die Praxis, Stephan Fontaine (Leiter Personalentwicklung und Ausbildung) macht deutlich, dass der Banker nicht nur im Büro sitzt, sondern viel mit Menschen zu tun hat und auch mit neuen Medien arbeitet. Erster Schritt sei immer ein Praktikum. Zum Abschied gibt’s für die drei Besucherinnen ein gemeinsames Foto. Die sind dann ebenso zufrieden wie nach der Veranstaltung Wirtschaftsförderin Susanne Nisius: Die "Nacht der Ausbildung"habe "viele interessierte Jugendliche" nach Walldorf gelockt, die gezielt ihre Wunschbetriebe angesteuert hätten, oft von den Eltern begleitet, was auch von den einzelnen Firmen begrüßt werde. "Ein voller Erfolg", so Susanne Nisius.