Heidelberg: Die Bahnstadt wächst weiter (plus Fotogalerie)
Von Timo Teufert
Bahnstadt. "Die Bahnstadt ist so groß wie die Hafencity in Hamburg, wir haben sie aber wesentlich schneller realisiert als die Norddeutschen." Mit solchen Vergleichen wirbt Oberbürgermeister Eckart Würzner gerne für die Bahnstadt, den Heidelberger "Zukunftsstadtteil". Denn hier habe man unter Beweis gestellt, dass man klimaneutral einen neuen Stadtteil schaffen könne. Vor zehn Jahren fand der erste Baggerbiss auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs statt, heute leben 4300 Menschen in der Bahnstadt. Wenn alles fertig ist, sollen es sogar 6800 Menschen sein - 1800 mehr, als zunächst angenommen.
"Vor zehn Jahren haben wir auf der Brachfläche des ehemaligen Güter- und Rangierbahnhofs den Startschuss gegeben - heute freuen wir uns über einen lebendigen Stadtteil", erklärt Würzner. Vor allem für junge Familien biete die Bahnstadt hochwertigen Wohnraum sowie hervorragende Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. "Bürger aus der gesamten Stadt kommen zum Arbeiten ins Quartier, besuchen kulturelle Einrichtungen wie das Kino, die Halle02 oder den Tankturm", so der Oberbürgermeister.
Zwei Drittel der Bahnstadt sind schon entwickelt, doch zentrale Projekte stehen noch aus: Etwa der Europaplatz, der das nördliche Eingangstor zur Bahnstadt werden wird. Der Querbahnsteig des Hauptbahnhofs wird direkt auf den Europaplatz verlängert, damit man direkt zur Straßenbahnhaltestelle oder zum Konferenzzentrum, das auf der anderen Seite des Czernyrings entsteht, gehen kann.
"Auf der Südseite wird der Bahnhof dadurch ein völlig neues Gesicht bekommen", sagt Würzner. Denn der neue Platz sei genauso groß wie der Universitätsplatz in der Altstadt. Die Gebäude rund um den Platz werden von der Gustav-Zech-Stiftung entwickelt, die Bauarbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen und im Herbst 2022 abgeschlossen sein.
Für das Ensemble investiert die Zech-Stiftung 300 Millionen Euro. Neben 105 Wohnungen entstehen auch Flächen für Büros, Dienstleistungen, Einzelhandel und Gastronomie. Außerdem ist ein Turm mit elf Stockwerken geplant, in dem ein Vier-Sterne-Plus-Hotel mit rund 300 Zimmern unterkommen soll. Unter dem Platz wird eine neue Tiefgarage mit Platz für 750 Fahrzeuge und 1900 Fahrräder gebaut. Die Fahrradgarage - laut Würzner "ein Stück gelebte Verkehrswende" - soll über eine Rampe auf dem Platz zu erreichen sein.
Das neue Konferenzzentrum soll zum Austragungsort für nationale und internationale Kongresse werden und seinen Betrieb ab Anfang 2023 aufnehmen. Der große Saal soll 1800, der kleinere 800 Sitzplätze bieten.
Bereits in der Schlussphase befindet sich das Nahversorgungszentrum "Westarkaden" zwischen Eppelheimer Straße und Grüner Meile, direkt gegenüber der Czernybrücke. Auf einer Gesamtfläche von 11.700 Quadratmetern entstehen dort ein Edeka "Scheck-In"-Center, der im Februar/März 2020 eröffnen soll, der Discounter "Aldi", der im Januar umziehen soll, der Drogeriemarkt "DM", eine Apotheke, ein Friseur und gastronomische Angebote. "Auf dem Gelände des ehemaligen US-Supermarktes ,PX’ entsteht nach dem Umzug von Aldi das Kopernikus-Quartier mit Büro- und Wohngebäuden", berichtet Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck.
Drei neue Wohnprojekte entstehen durch die Immobiliengesellschaft der Landesbank Baden-Württemberg am Langen Anger: "Urban Element" und "Urban View" mit jeweils fünf Gebäuden, Anfang 2020 ist der Baubeginn für "Urban Four" vorgesehen. Auch die letzte Baulücke am Langen Anger - zwischen Max-Jarecki-Straße und Robert-Koch-Straße - soll mit Wohnungen bebaut werden.