Eppingen: Bürgerbus-Verein informierte über die Routenplanung durch das Stadtgebiet
Von Angela Portner
Eppingen. "Bitte einsteigen" hieß es am Kerwesonntag. In der Brettener Straße lud ein Bürgerbus aus Bad Wimpfen zum Probesitzen ein. Die Mitglieder des hiesigen Bürgerbus-Vereins informierten über die vorgesehene Route, die den gesamten Stadtbereich abdecken wird. Start ist jeweils der Bahnhof, wobei die Fahrzeiten auf die der Stadtbahn abgestimmt werden. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, sich einen Überblick über den Stand des Projektes und die geplanten Haltestellen zu verschaffen. An einer Pinnwand konnten Punkte auf den Routenplan geklebt werden, um individuelle Stopps anzuregen.
Doch bis die Räder des Bürgerbusses über den Asphalt rollen, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Das liege daran, dass der Antrag auf die Fördergelder jeweils nur im Oktober gestellt werden kann. Erst wenn die Genehmigung dafür vorliegt, darf der Bus bestellt werden. "Dann wird es Frühjahr", erklärt Vereinsvorsitzender Reinhard Ihle. Für 107.000 Euro rollt der Bus voraussichtlich in einem Jahr vom Band. 35.000 Euro schießt das Land für die Anschaffung zu. Den Rest der Kosten sowie das wirtschaftliche Risiko trägt die Stadt. Der Gemeinderat hat dem bereits im März nach einer kontrovers geführten Diskussion zugestimmt. Daraufhin wurde am 3. Juni der Bürgerbus-Verein aus der Taufe gehoben.
Geplant ist, dass der Bus jeweils montags bis freitags und samstagvormittags im Stundentakt fährt. Vorgesehen ist dafür eine Nord- und eine Südroute. Erstere führt mit 15 Haltestellen vom Bahnhof über die Scheuerlesstraße, Geranienstraße und Pfaffenberg bis Diakonie, Tagespflege und ASB-Pflegeheim bis zum Endpunkt Edeka-Markt. Die Südroute tourt mit zwölf Stopps über Seniorenstift, Vogelsberg, Friedhof und Hallenbad bis zur Stadthalle und zurück über die Weinbrennerstraße.
Eine Fahrkarte wird voraussichtlich einen Euro kosten, Kinder unter sechs und Senioren über 80 Jahren dürfen kostenlos mitfahren. Ziel ist es, dass man irgendwann mit einem weiteren Fahrzeug auch die Stadtteile anbindet. "Doch das ist noch Zukunftsmusik", sagt Ihle bedauernd.
In Baden-Württemberg sind derzeit bereits 50 Bürgerbusse unterwegs. Mit dem Bad Wimpfener Bus, der dort auch für Stadtrundfahrten genutzt wird, kam auch Markus Weyhing, Vizepräsident des Landesverbands "pro Bürgerbus". Für ihn ist es ein Erfolgsprojekt. Über 100.000 Bürger haben die beiden Busse der alten Kaiserstadt in den acht Jahren des Bestehens bereits befördert. Für die große Akzeptanz ist auch die barrierefreie Ausstattung der Busse verantwortlich.
Auf der Freifläche im Innenraum ist genug Platz für einen Rollator und andere Gehhilfen oder einem Kinderwagen. Es gibt hochwertig gepolsterte Sitzgelegenheiten für bis zu acht Personen. "Für mehr bräuchten wir einen größeren Bus", erklärt Ihle. Die Fahrer müssen einen gültigen Führerschein Klasse III besitzen. Die Kosten für Personenbeförderungsschein und Führungszeugnis werden vom Verein getragen.
Derzeit haben sich bereits 25 Ehrenamtliche bereit erklärt, mit hinterm Lenkrad zu sitzen. Die Werbeaktion auf der Kerwe hat weitere zehn Anmeldungen gebracht. Trotzdem: "Wir können noch Fahrer gebrauchen", sagt Rudolf Eyer. Umso weniger Dienste müssen die einzelnen Ehrenamtlichen schieben. Bei 40 Fahrern langt dann ein halber Fahrtag im Monat aus.