Sandhausen gegen Fürth: Jetzt kann fast nichts mehr schiefgehen
Von Claus Weber
Fürth. Zwischen Frust und Lust lagen nicht einmal drei Wochen. Nach der 1:3-Pleite in Aue am 16. Mai schien der SV Sandhausen im freien Fall Richtung Dritte Liga zu sein. Doch spätestens seit gestern Abend können die Kurpfälzer für ihre neunte Saison in der Zweiten Fußball-Bundesliga planen.
Mit dem 2:1 (2:0)-Sieg bei der SpVgg Greuther Fürth bauten die Sandhäuser ihr Konto auf 39 Punkte aus. Es müsste mit dem Teufel zugehen, sollte in den letzten vier Saisonpartien noch etwas schiefgehen. Zumal dem SVS in der derzeitigen Verfassung viel mehr zuzutrauen ist als nur der Klassenverbleib.
Zehn Punkte haben die Nordbadener in den letzten vier Partien geholt – und ihren ersten Sieg überhaupt am Fürther Ronhof gefeiert. "Ich denke, jetzt kann man vom Klassenverbleib reden", strahlte Präsident Jürgen Machmeier, "bei der Art und Weise, wie die Mannschaft im Moment auftritt, bin ich überzeugt, dass wir noch einige Punkte holen werden."
Mikayil Kabaca gab sich vorsichtiger. Vom Klassenverbleib wolle er noch nicht reden, meinte der Sportliche Leiter. "Aber es war ein Riesen-Schritt in die richtige Richtung", sagte er und lobte: "Ich bin stolz auf die Mannschaft, dass sie nach einer so langen Durststrecke so eine eindrucksvolle Serie aufgebaut hat."
Auch der Trainer hielt den Ball flach. "So lange du keine vier vorne stehen hast bei der Punktezahl, solltest du auf gar keinen Fall einen Haken unter die Saison machen", mahnte Uwe Koschinat. Der Coach gab aber auch zu: "Jetzt sind wir in einer Situation, in der wir zu 100 Prozent sagen können, dass wir es selbst in der Hand haben. Mit noch einem weiteren Sieg ist – glaube ich – auch rechnerisch alles eingetütet."
Der SVS bog früh auf die Siegerstraße ein. Kevin Behrens schoss David Raum im Strafraum an die Hand. Schiedsrichter Jöllenbeck zeigte auf den Punkt. Behrens selbst drosch den Hand-Elfmeter rechts oben ins Eck (15. Minute) – es war schon der zwölfte Treffer des besten Stürmers und das 20. Saisontor, das aus einem Standard resultierte.
Für Tore aus dem Spiel heraus ist mittlerweile Julius Biada zuständig. Sein Treffer zum 2:0 (39.) war ein echter Hingucker: Nach einer schwachen Abwehr von Marco Caligiuri steckte Behrens auf Biada durch. Der zentrale Offensivspieler schlug einen Haken und zog dann wuchtig ab. Es war sein fünfter Saisontreffer. Dabei hat er erst in den letzten sieben Spielen mit dem Toreschießen begonnen. Wegen einer Verletzung hatte er die Sommer-Vorbereitung verpasst. Doch jetzt ist der 27-Jährige auf der Höhe seiner Schaffenskraft.
Schade, dass die Gäste nicht nachlegten und sich damit eine Zitterpartie ersparten. Die Möglichkeiten dazu gab es. Leart Paqarada (40.), Marlon Frey (45.) und Julius Biada (50.) waren nah dran am 3:0. Stattdessen erzielte Daniel Keita-Ruel nach einer Flanke von Marco Meyerhöfer per Kopfball den Anschlusstreffer (71.). Die Franken drängten vehement auf den Ausgleich, doch die Sandhäuser verteidigten tapfer bis in die fast fünfminütige Nachspielzeit.
Nun haben sie eine Woche Pause, um sich auf den Hit gegen Spitzenreiter Bielefeld (Freitag, 18.30 Uhr) vorzubereiten. Koschinat freut sich: "Da wollen wir hervorragend aussehen und möglichst schon die 40 Punkte-Marke knacken."
Fürth: Sascha Burchert - Meyerhöfer, Jaeckel, Caligiuri, Raum (59. Maximilian Wittek) - Seguin - Ernst (89. Redondo), Green (46. Tillman) - Hrgota, Leweling (70. Stefaniak) - Keita-Ruel
Sandhausen: Fraisl - Nauber (83. Verlaat), Kister, Schirow - Diekmeier, Taffertshofer (76. Bouhaddouz), Linsmayer, Paqarada - Frey (83. Paurevic) - Biada (85. Türpitz), Behrens
Schiedsrichter: Jöllenbeck (Freiburg)
Tore: 0:1 Behrens (15., Handelfmeter), 0:2 Biada (39.), 1:2 Keita-Ruel (71.)