Herzstück der Regenbogenszene: Neues Queeres Zentrum in Mannheim geplant
Mannheim. (mpt) In einem Videoclip rollen sie schon einmal den Teppich aus. Schleppen eine große Ledercouch heran, richten eine kleine Lese-Ecke ein, und machen es sich gemütlich. So könnte es aussehen, im Queeren Zentrum, das in Mannheim entstehen soll. Eine Anlaufstelle für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen, mit Bar, Filmabenden, Büro und Co-Working-Space, aber vor allem mit Zeit und Raum für Begegnungen und Gespräche. Im Januar 2021 ist die Eröffnung geplant. Eine passende Immobilie muss allerdings erst noch gefunden werden.
Aktuell muss sich die Community aufgrund der Corona-Krise bei ihren Treffen auf Videokonferenzen beschränken. Die Arbeiten laufen jedoch weiter auf Hochtouren. Vor allem, seit im Dezember der Gemeinderat das lange erhoffte grüne Licht gab. Nun steht eine Fördersumme von knapp 300.000 Euro bereit. Der Startschuss für ein lange gehegtes Projekt, das letztlich dank einer Bürgerbeteiligung Gehör in der Stadtpolitik fand und im Beteiligungshaushalt auf Platz eins landete.
"Die Resonanz war unglaublich. Aktuell gibt es zwar einige kommerzielle Angebote für unsere Community, aber vieles existiert nur nebeneinander. Mit einem Queeren Zentrum können wir Gemeinschaft stiften und viele Gruppierungen bündeln", sagt Susanne Hun vom Projektteam QZM (Queeres Zentrum Mannheim). Rund 500 Quadratmeter, Innenstadtnähe und gute Verkehrsanbindungen: So lautet nun das Suchprofil für die Immobilie. Als Beratungsstelle und Informationszentrum soll das neue Herzstück der Regenbogenszene dienen, und neben der Orientierung für einzelne auch zur Stärkung, zur besseren Vernetzung queerer Selbstorganisationen beitragen. "Es ist ein niederschwelliger Zugang, um an Informationen zu kommen. Gerade Jugendliche fühlen sich in ihrem Coming-out oft unsicher und alleine", erklärt Hun.
Dank Flyern, Plakaten, aber auch festen Ansprechpersonen, erfahren sie etwas über das bestehende, aber gesellschaftlich immer noch eher unsichtbare Netzwerk. Das QZM soll selbst verwaltet betrieben werden und sich mit einem Café- und Barbetrieb sowie der Vermietung von Veranstaltungsräumen, Coworking- und Start-up-Arbeitsplätzen sowie Meeting-Räumen finanzieren. Vereinsbüro, Stammtische, Spiel- und Kinoabende sollen eingerichtet werden. Letztlich soll das Zentrum aber nicht nur nach innen wirken, sondern auch nach außen strahlen. "Je normaler das Thema, desto weniger braucht es Schutzräume", erklärt Susanne Hun.
Und zeigt auf, dass Mannheim mit seiner großen Demonstration zum Christopher-Street-Day zwar schon sehr bunt ist, durchaus aber noch etwas Nachholbedarf besteht. "Die Dringlichkeit ist groß: Es gibt aktuell keine Räume für über 30 queere Gruppen. Diese Situation muss sich schnellstmöglich ändern und verbessern", betont Hun.