Rauenberg/Malschenberg: Darum müssen die Großveranstaltungen abgesagt werden
Von Sebastian Lerche
Rauenberg/Malschenberg. Kann ein geselliges Fest unterm Zwangskorsett der Corona-Bestimmungen noch atmen? Das Malschenberger Portugieserfest und die Rauenberger Sommernacht wurden abgesagt, die drei Kerwen der Stadt, also auch die Rotenberger, hängen noch in der Schwebe: Traditionsfeste, die Hunderte, wenn nicht Tausende Besucher anlocken. Das wird wegen der Corona-Pandemie und den Einschränkungen zum Infektionsschutz zum Problem.
"Das wäre organisatorisch und finanziell nicht darstellbar": Im Gespräch mit der RNZ drückten Bürgermeister Peter Seithel, Ortsvorsteher Ludwig Schäffner und Christa Schäffner vom Musikverein Trachtenkapelle Harmonie Malschenberg das große Bedauern aus, das sie und alle Akteure der Stadt- und Ortsverwaltung sowie der beteiligten Vereine und Gruppen empfinden. Es sei eigentlich wichtig, die Menschen zusammenzubringen, die Gemeinschaft zu pflegen und Gäste von außerhalb zu begrüßen. Aber aktuell erscheinen ihnen Großveranstaltungen wie Sommernacht und Portugieserfest schlicht nicht vorstellbar: "Das, was das Fest ausmacht, das Liebenswerte, wäre fort", meint Christa Schäffner.
Bei der Sommernacht war die Lage klar: Bis Ende August sind laut Landesverordnung Großveranstaltungen mit über 500 Personen verboten, "selbst wenn es 1000 wären, hätte es die Sommernacht getroffen", so Seithel. Beim Portugieserfest haben alle Beteiligten länger gehadert. "Das wäre ein Wahnsinnsaufwand geworden": Die Ortsvereine haben sich laut Ludwig Schäffner in mehreren Sitzungen abgesprochen, wie sie vorgehen. Man sieht sich nicht in der Lage, die Corona-Vorschriften durchzusetzen, ob auf dem Festplatz oder beim Umzug: "Die Vereine haben einfach zu wenig Leute." Und die, die ehrenamtlich zupacken, sind schon älter oder gehören anderweitig zur Risikogruppe. "Unterschwellig schwingt Angst mit", so Christa Schäffner.
Was wäre, wenn Abstands- und Hygieneregeln durchgesetzt würden?, fragt man sich: "Wer will auf so ein Fest?" Statt der Menschenmassen ein paar traurige Gestalten in eigens aufgebrachten "Corona-Kreisen", die den nötigen Abstand markieren? Tanzen, Singen, Schunkeln oder Anstoßen untersagt? Erhöhter Aufwand seitens der Ehrenamtlichen, womöglich unterstützt von privater Security, um für Ordnung zu sorgen? Mehr Kosten, aber weniger Einnahmen: Wird es ein "Draufleg-Geschäft"?
Und wie sieht es mit der Haftung aus? Wenn gültige Verträge wegen der neu aufflammenden Coronakrise nicht eingehalten werden können: Muss man Regressforderungen fürchten? Und was, wenn es zu Ansteckungen kommt: Würde dann der ausrichtende Verein zur Rechenschaft gezogen? Christa Schäffner: "Unter diesen Voraussetzungen können wir uns kein Portugieserfest vorstellen."
Seithel verwies auf die jüngst berichteten hohen Ansteckungsraten bei Gottesdiensten und in einem Hochhauskomplex: Auch wenn es keine "zweite Welle" von Corona-Infektionen im Herbst gebe, müsse man mit derartigen Vorfällen rechnen – und damit, dass die Einschränkungen über den August hinaus gelten.
Eine Verschiebung des Portugieserfests erscheint auch nicht sinnvoll: Dann kollidierte es mit den Kerwen und anderen Veranstaltungen – und die dann in einem Dominoeffekt mit den Weihnachtsmärkten. Der Blick geht ins Jahr 2021, dann will man das Portugieserfest umso kräftiger feiern. Erfreulicherweise sei die amtierende Portugieserkönigin Hannah Reichenbach, 20 Jahre und ein echtes Malschenberger "Gewächs", gerne bereit, ihre Krone ein Jahr länger aufzubehalten, so Ludwig Schäffner. Und: "Eine neue Hoheit haben wir", auch wenn ihr Name noch nicht verraten werde, so Schäffner: "Sie ist auch bereit, erst im nächsten Jahr ihr Amt anzutreten."
Völlig unklar ist noch, wie man im Fall der Kerwen – die Rauenberger findet traditionell am zweiten Oktoberwochenende statt – vorgeht. "Wir dürfen keine falschen Erwartungen wecken": Laut Seithel können sich Corona-Verordnungen ja wöchentlich ändern und der Verlauf der Pandemie ist auch von Experten nicht vorhersehbar. Wird es nach der sommerlichen Urlaubszeit womöglich wieder schlimmer? Auch eine Kerwe unter einer strengen Corona-Verordnung ist eigentlich schwer vorstellbar, da liegen die Argumente wie beim Portugieserfest.
Man stehe in engem Kontakt mit den beteiligten Vereinen und Initiativen, betonte Bürgermeister Seithel. "Selbst, wenn die Kerwe irgendwie möglich wäre, wäre es dann noch ein Fest? Mit Stimmung? Was hätten die Gäste davon?" Der Bürgermeister will jetzt alle an den drei Kerwen Beteiligten kontaktieren und abstimmen, bis wann Zu- oder Absage erfolgen müssen. Zu früh wolle man nichts entscheiden, sondern alle aktuellen Entwicklungen berücksichtigen. "Es wäre schade, wenn sich kurz nach dem Nein plötzlich alles zum Besseren wendet". Aber irgendwann müssten die Akteure eben die Organisation angehen, Vorbereitungen starten, beispielsweise Bühnen bestellen oder Bands verpflichten.
Die Vereine können eventuell relativ kurzfristig auf die dann aktuell geltenden Bestimmungen reagieren. Die Schausteller – Ansprechpartner ist Willi Lowinger, der auch das Wieslocher Winzerfest beschickt – wiederum hätten teilweise schon fertige Verträge: Da müsse man viel klären und ein gegenseitiges Einvernehmen suchen, falls eine Absage drohe, "wir wollen gut miteinander umgehen, denn 2021 wollen wir ja wieder schöne Kerwen haben".