Edingen-Neckarhausen: Viel Wirbel um den Spielplatz Lilienstraße
Von Katharina Schröder
Edingen-Neckarhausen. Dass die Einwohner der Doppelgemeinde gerne in der Kommunalpolitik mitmischen, haben sie längst unter Beweis gestellt. Bürgerinitiativen oder auch der Jugendgemeinderat seien nur als Stichworte genannt. Jetzt hat sich offenbar eine Siebenjährige eingeschaltet. Annie will ihren Spielplatz am Ende der Lilienstraße in Neu-Edingen behalten und hat Bürgermeister Simon Michler deswegen einen Brief geschrieben. Unterstützung bekommt sie von ihrer Mutter Jenny Elster. Sie hat eine Petition zum Erhalt des Spielplatzes in seiner aktuellen Form gestartet. Einen Beschluss gibt es noch nicht, aber die Gemeinderäte denken über eine teilweise Bebauung der Fläche nach. Annies Brief sorgt nun für Aufsehen in Edingen-Neckarhausen.
"Wir sind eine engagierte Gemeinde, da engagieren sich eben auch die Kinder – und das ist okay", sagt Michler auf Anfrage der RNZ. Mancher Gemeinderat sieht das anders. "Eine sehr fragwürdige Methode in unseren Augen, Kinder für politische Zwecke zu instrumentalisieren", formulierte CDU-Fraktionssprecher Markus Schläfer. Doch worum geht es eigentlich?
Eher trist mutet der Platz mit nur zwei Spielgeräten und einer Wiese an. Direkt daneben liegt die Friedrichsfelder Straße. Der Bebauungsplan, der im vergangenen Jahr verabschiedet wurde und ebenfalls für Diskussionen sorgte, ließe eine teilweise Bebauung zu. "Rhein theoretisch gibt es die Möglichkeit, dort zwei Doppelhaushälften zu errichten und die kleinere Spielplatzfläche aufzuhübschen", sagt Michler. "Und es gibt Überlegungen, dort zwei Familien glücklich zu machen, das kann man ganz offen sagen." Von einer Streichung des Spielplatzes sei nicht die Rede.
Mit der siebenjährigen Annie war Michler in Kontakt. "Sie wollte unbedingt mit mir sprechen, und dann haben wir telefoniert", erzählt er. Trotz seiner Erklärung sei sie ein bisschen anderer Meinung gewesen, erzählt er und lacht.
Unterstützung bekommt die Siebenjährige von ihrer Mutter. Elster kandidierte bei der vergangenen Gemeinderatswahl für die Offene Grüne Liste (OGL) und setzte nun die Petition auf. "Wir haben schon 67 Unterschriften", erzählt sie. Ihre Tochter sei begeistert. "Viele meinen, sie wäre angestachelt worden, aber das stimmt nicht, den Brief wollte wirklich sie schreiben", betont Elster. Ihr geht es bei der Petition um mehr als nur einen Spielplatz. "Mein Eindruck ist, dass Neu-Edingen manchmal etwas verloren geht", meint sie. "Es gibt im ganzen Ortsteil einfach keinen Treffpunkt." Der Spielplatz mit seiner großen freien Fläche könnte genau so etwas – auch für Erwachsene – sein.
Und was sagen die Fraktionen zu dem Thema? "Jeder schreit nach Innenverdichtung, aber ,nur nicht bei mir’", meint SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Zachler. "Die SPD kann sich gut vorstellen, dass dort unter Reduzierung der Spielfläche gebaut wird." Da sind die Räte einig, streichen will den Spielplatz niemand.
Markus Schläfer sieht in der teilweisen Bebauung eine mögliche Win-win-Situation für alle Beteiligten unter Abwägung unterschiedlicher Interessen. Betont aber, dass die Voraussetzung für all das eine Diskussion im Gemeinderat ist. "Ich glaube, Kinder zählen keine Quadratmeter", sagt Marion Miltz-Savidis (Linke). Sie findet die Qualität des Spielplatzes wichtiger als die Größe. Gegenüber einer Bebauung wäre sie offen. "Wir brauchen einfach Wohnraum in der Gemeinde." Klaus Merkle von der Unabhängigen Bürgerliste FDP/FFW schließt sich seinen Ratskollegen an: Spielplatz und Bebauung schließen sich nicht aus, auch mit Blick auf die Finanzen: "Die Gemeinde muss gucken, wie sie ihre Projekte finanziert." Auch Einzelgemeinderat Ulf Wacker meint: "Die Finanzsituation und die Knappheit an Bauland spricht sehr für Verwertung."
Gegenwind kommt von der OGL. Thomas Hoffmann sagt: "Wir fänden es schade, wenn der Spielplatz zur Bebauung zur Verfügung steht." Der OGL wäre eine Aufwertung ohne Flächenreduzierung lieber. "Wenn eine Gemeinde kinderfreundlich sein will, muss sie investieren." Außerdem kündigt er an: "Es ist durchaus denkbar, dass sich eine Interessengemeinschaft bildet."