Heidelberg: Dietmar Hopp bringt Dievini komplett in die eigene Familie
Von Matthias Kros
Heidelberg. SAP-Mitgründer und Mäzen Dietmar Hopp baut seine Heidelberger Biotechnologie-Holding Dievini um und bringt sie vollständig in die eigene Familie ein. Das teilte das Unternehmen am Freitag mit. Die drei Dievini-Geschäftsführer – Friedrich von Bohlen, Christof Hettich und Mathias Hothum – geben deshalb ihre Anteile ab und erhalten dafür unter anderem Aktien der Dievini-Beteiligung Curevac. Nach Auskunft einer Sprecherin halten sie unterschiedlich hohe Anteile an Dievini, jeweils aber nur im einstelligen Prozentbereich. Künftig sollen neben Dietmar Hopp nur noch Mitglieder seiner Familie an der Holding beteiligt sein. Die Geschäftsführer würden ihre Tätigkeit aber unverändert fortsetzen und die Dievini-Investments betreuen. Aktuell ist die Holding an neun Biotechnologiefirmen beteiligt, nicht immer als Mehrheitsaktionär.
Mit dem Schritt bereite Hopp (81) sein Erbe vor, heißt es in der Mitteilung weiter. Der SAP-Mitgründer ist begeistert von den Möglichkeiten der Biotechnologie und hat mit seinem Geld schon zahlreiche Entwicklungen angestoßen. Ein großer Medikamenten-Erfolg blieb ihm allerdings bislang verwehrt.
Seine bislang größte Enttäuschung erlitt er mit der Tübinger Biotechnologiefirma Curevac, an der die Holding mehr als 40 Prozent der Anteile hält. Der Milliardär ist seit 2005 an Curevac beteiligt. Die Tübinger galten lange Zeit als großen Hoffnungsträger bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Im Sommer vergangenen Jahres erlitt das Unternehmen aber einen herben Rückschlag, weil das Vakzin nicht wie erhofft wirkte. Die Aktien der an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq gelisteten Curevac brachen daraufhin um fast 80 Prozent ein.
Auch der Bund war über die Staatsbank KfW kurz vor dem Börsengang im Sommer 2020 mit 300 Millionen Euro bei dem Biotechnologieunternehmen eingestiegen. Folgerichtig hat Dievini im Rahmen des jetzt angekündigten Umbaus der Holding auch den Investorenvertrag mit der KfW neu ausgehandelt. Das teilten Dievini und das Bundeswirtschaftsministerium gemeinsam mit. Laut einer Nachricht an die US-Börsenaufsicht SEC, aus der die Nachrichtenagentur Reuters zitiert, behält sich Hopp dabei das Recht vor, bis Mitte August Curevac-Aktien für bis zu 450 Millionen Euro zu verkaufen. Bisher waren es maximal 250 Millionen Euro gewesen.
Tatsächlich wolle Hopp aber nur so viele Curevac-Aktien verkaufen, dass er er damit den Umbau von Dievini zu einer reinen Familien-Holding finanzieren könne, hieß es. Darüber hinaus hätten derzeit weder Dievini noch die KfW Pläne, sich von Aktien des Tübinger Unternehmens zu trennen.
Zu Dievini gehören aber auch Firmen, die weniger im Rampenlicht stehen als Curevac. So zum Beispiel die Heidelberger Apogenix AG, die Millionen an Fördermitteln vom Bund erhielt, um ein Corona-Medikament zu entwickeln. Größter Anteilseigner ist Dievini zudem bei dem Tübinger Biotech-Unternehmen Immatics, das gerade einen knapp eine Milliarde Dollar schweren Vertrag mit dem US-Pharmakonzern Bristol Myers Squibb (BMS) abgeschlossen hat. Dabei geht es um eine Entwicklungs- und Vermarktungsvereinbarung für eine neuartige Krebstherapie.