Heidelberg: Will GGH Teufelsstatue im Quartier Höllenstein errichten?
Von Julia Lauer
Heidelberg. Der Findling steht schon, die entscheidende Frage lautet: Was kommt noch? Weil es noch nicht vollendet ist, bringt ein Monument im Kirchheimer Höllenstein-Quartier die Gerüchteküche zum Brodeln. So wandte sich ein Mann an die Rhein-Neckar-Zeitung, er gehört zu den rund 1000 Menschen, die in dem Quartier ein Zuhause fanden. Die Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz (GGH) hatte es entwickelt und dort 335 Wohnungen in vier Abschnitten gebaut.
Dem Mann, dessen Name der Redaktion bekannt ist, gefällt es dort im Grunde genommen gut. Aber jetzt treibt ihn ein Monument um, dessen Gestalt er selbst noch nicht kennt. "Als glückliche Mieter der GGH sind wir aus allen Wolken gefallen: Die GGH will zum Abschluss des vierten Bauabschnittes auf dem zentralen Platz im Quartier ,Höllenstein’ eine freistehende Teufelsstatue errichten – und dies ohne vorheriges Mitspracherecht der dort lebenden Mieter", erklärt er. Die Information, es handele sich um einen Teufel, soll aus Ortsbegehungen stammen und durchgesickert sein.
Gewissheit besteht in dieser Frage nicht. Denn die GGH äußert sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht dazu, ob künftig ein Teufel das Quartier beglückt. Die Skulptur werde von dem Salemer Künstler Oliver Ritter angefertigt, heißt es dort. Der Künstler verrät aber auch nicht, was im Höllenstein geplant ist. Auf seiner Webseite finden sich Skulpturen aus Bronze und Stahl, deren Titel nicht wirklich auf dunkle Mächte verweisen. Sie heißen beispielsweise "Güte", "Zuversicht", "Aufbruch" oder auch "Der göttliche Funke". Einzig bei der Skulptur mit dem Titel "Drachin" schwingt ein Hauch des Unheimlichen mit.
Ist die Befürchtung des Quartiersbewohners also aus der Luft gegriffen? Die GGH bestätigt, dass sich die geplante Skulptur an die Sage vom Höllenstein anlehnt. Und darin kommt tatsächlich ein Teufel vor. Die Sage erzählt von Ortsansässigen, die im 17. Jahrhundert vertrieben wurden, nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges kehrten sie zurück. Dann aber waren die Grenzsteine zwischen den Gemeinden verschwunden, was Konflikte zwischen diesen hervorrief.
Ein Rohrbacher Steinhauer – er war ein starker Mann – sollte einen Grenzstein von Rohrbach nach Kirchheim tragen. Dort, wo er ihn absetzen würde, sollte die Grenze zwischen den Gemeinden verlaufen. Der Mann, er hieß Peterhans, brach jedoch unter der Last des Steins tot zusammen, kaum hatte er die ersten Kirchheimer Häuser erreicht. Später hieß es, es sei nicht mit rechten Dingen zugegangen, Peterhans habe zu Lebzeiten einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Deshalb finde er bis heute keine Ruhe in seinem Grab. Stattdessen streife er noch immer nachts durch die Felder.
Dass der Teufel der Sage nach an der Entstehung des Höllenstein-Quartiers beteiligt war, sei kein Argument, ihm ein Denkmal zu errichten, findet der Bewohner. In Zeiten der Black-Lives-Matter-Bewegung, in deren Folge Demonstranten Statuen von Staatsmännern zum Sturz brachten, gelte es zu fragen: Was für ein Zeichen will man setzen? Ein Teufel sei doch sehr unsensibel, argumentiert der Mann. "Wie bitte sollen wir denn unseren dort spielenden Kindern erklären, dass in unserer Mitte der Teufel wohnen soll?", fragt er sich. Angesichts von Corona und dem Klimawandel sei eine solche Symbolik erst recht deprimierend. Er habe sich deshalb mit ein paar anderen Familien zusammengetan und damit begonnen, Unterschriften gegen eine Teufelsstatue zu sammeln. Wie viele schon zusammengekommen sind, will er nicht sagen. Auch an die Kirchen sei man in dieser Angelegenheit bereits herangetreten.
Das Fundament für eine Skulptur wurde bereits im Herbst gelegt, der Findling wurde dort wenige Tage vor Weihnachten installiert. Über die weiteren Schritte wolle man die Mieter im Quartier informieren, erklärt die GGH: Die Einweihung des Quartiers sei für Frühjahr 2022 vorgesehen. Dazu sei auch eine Feier mit den Bewohnern geplant.