Mannheim: Fans bringen Spiegelfabrik für neues Waldhof-Stadion ins Spiel
Von Alexander Albrecht
Mannheim. Viele Anhänger des SV Waldhof Mannheim haben sich den 17. Februar wahrscheinlich schon dick im Terminkalender angestrichen. An diesem Donnerstag sollen im Sportausschuss des Gemeinderats erste Ergebnisse eines Gutachtens vorgestellt, das den Modernisierungsbedarf im Carl-Benz-Stadion klären und die voraussichtlichen Kosten beziffern soll. Es geht für die Fans also um nicht weniger als die Zukunft ihres Wohnzimmers.
Schon heute steht fest, dass die Stadt einen Millionenbetrag in das Stadion investieren muss, um es für die Dritte Fußballliga fitzuhalten oder bei einem Aufstieg zweitligatauglich zu machen. Waldhof-Geschäftsführer Markus Kompp hält vor allem die Stromleitungen und die Beleuchtung für problematisch. Und er zeigt sich offen für einen neuen Standort, zu dem er mittelfristig keine Alternative sieht.
Gegenüber der örtlichen SPD rechnete er bei einem Vor-Ort-Termin im August vergangenen Jahres mit notwendigen Investitionen für das Benz-Stadion in Höhe von 20 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund machte sich die CDU für einen Neubau im Bösfeld in der Nachbarschaft zur SAP-Arena stark. Prompt erteilte die Stadt dem Wunsch eine Absage. Ein Stadion im Bösfeld wäre naturschutzrechtlich unzulässig, argumentierte Katharina Rensing, Fachbereichsleiterin Klima, Natur, Umwelt, und verwies unter anderem auf die Feldhamster-Population.
Am Freitag mischte sich überraschend der Fandachverband "Pro Waldhof" in die Debatte ein. Dieser befürwortet – wie bisher – einen Verbleib des Stadions in Neuostheim. Aber: Für den Fall, dass die Ergebnisse des Gutachtens auf einen Neubau hinwiesen, spricht sich Pro Waldhof dafür aus, den Standorts der stillgelegten Spiegelfabrik auf dem Luzenberg ernsthaft zu prüfen.
"Ein Stadion auf dem Gelände der ,Spiggl’ wäre gleichbedeutend damit, dass der SV Waldhof nach Hause käme, denn hier liegen seine Wurzeln", schreibt Sören Runke, der Vorsitzende des Dachverbands in einer Mitteilung. Nicht nur für die Mitglieder und Fans des Clubs würde sich damit ein Kreis in der Historie der Blau-Schwarzen schließen, sondern auch Identität und Markenkern der "Buwe" als Arbeiterverein ("Working class football since 1907") weiter stärken. Mit der Schließung des Werks des französischen Konzerns Saint Gobain endete 2020 die 168-jährige Geschichte die Glasproduktion.
Auf dem Luzenberg führt Günther "Fritz" Hoffmann eine urige Kneipe direkt gegenüber von Sepp Herbergers einstiger Wohnung. Seit der Schließung der Glashütte gibt es Überlegungen, die ehemalige Werkskantine in ein Arbeiter- und Fußballmuseum zu verwandeln. Schaut man sich in dem Lokal um, stechen einem die vielen Bilder, alte Lederbälle und Fußball-Exponate von Original-Schuhen aus den 1930er-Jahren bis zu Klaus Schlappners legendärem Pepitahut ins Auge.
Ganz so nostalgisch ist "Pro Waldhof" nicht unterwegs. Die ehemalige Spiegelfabrik sei über die Vereinsinteressen hinaus vor allem aus ökologischen und städtebaulichen Gründen für einen Stadionneubau geeignet. "Mannheim als dicht besiedelte Industriestadt würde unter einer weiteren Flächenversiegelung und dem Zubauen von Frischluftschneisen leiden. Das brächte ein Neubau auf der grünen Wiese zwangsläufig mit sich, aber nicht auf dem Areal der Spiegelfabrik", erklärt Selina Ballhaus vom "Pro Waldhof"-Vorstand und lehnt damit indirekt auch das Bösfeld ab.
"Eine vielfältige Infrastruktur – mehrere ÖPNV-Anschlüsse und zahlreiche Parkplätze in unmittelbarer Nähe – ist bereits vorhanden, der Baumbestand rund um die heutige Fabrik könnte weitestgehend erhalten bleiben, die Wege zwischen einem Stadion bei der Spiegelfabrik und dem Vereinsgelände am Alsenweg wären kurz", macht sie für das umzäunte, 40 Hektar große Industriegelände am Altrhein Werbung. Der Vorstoß kommt auch deshalb überraschend, weil die Gedankenspiele für die Nachnutzung bislang in Richtung eines neuen Quartiers zum Wohnen, Arbeiten und Erholen gingen.