Neckar-Odenwald-Kreis: RNZ-Weihnachtsaktion erzielt Rekordergebnis
Von Stephanie Kern
Neckar-Odenwald-Kreis. Einen kleinen Schlussspurt brauchte es, aber dann schaffte es die Weihnachtsaktion 2021 doch noch, ihre Vorgängerin zu überholen: 115.000 Euro spendeten die RNZ-Leser in dieser Weihnachtszeit für die eigenständige Hilfsaktion im Neckar-Odenwald-Kreis. 11.500 Euro legte zum Schluss noch die Sparkasse Neckartal-Odenwald drauf. Ergibt zusammen: 126.500 Euro und damit knapp 500 Euro mehr als im Vorjahr.
"Ich denke, das ist ein stolzer Betrag", sagte Sparkassendirektor Michael Krähmer beim Abschlusstermin, bei dem er und seine Vorstandskollegin Anja Herkert auch den Spendenscheck der Sparkasse übergaben. Zahlen liegen dem Sparkassendirektor natürlich – deshalb lieferte er auch gleich ein paar, die zur Aktion gehören: 1400 Zahlungseingänge wurden verbucht, die höchste Spendensumme (abgesehen von der Zuwendung der Sparkasse) belief sich auf 2500 Euro, im Schnitt wurden 80,50 Euro gespendet. "Daran sieht man, wie tief diese Aktion bei den Menschen in der Region verankert ist", meinte Krähmer. "Aus unserer Sicht ist die Aktion sehr gut gelaufen."
Guido Zilling, Leiter des Diakonischen Werks im Neckar-Odenwald-Kreis, war die Überraschung über die Höhe der Spendensumme anzusehen. "Es ist toll zu wissen, dass wir jetzt das ganze Jahr über helfen können", betonte er. Im Jahr 2021 zahlten die Mitarbeitenden im Diakonischen Werk 644-mal Geld aus der Aktion aus – eine Steigerung von 37,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Was mir wichtig ist, ist nicht nur der Dank an die Spender, sondern auch der an unsere Mitarbeiter. Wir machen es gerne und sind froh über die Möglichkeiten, aber natürlich bedeutet es einen gewissen Aufwand", so Zilling.
Denn die Spenden der RNZ-Weihnachtsaktion werden zu 100 Prozent an die Bedürftigen weitergegeben, die Partner (neben Diakonie sind das noch Caritas und Landratsamt) verwalten die Gelder, ohne dafür Verwaltungskosten zu berechnen. Dass das gut ist, zeigen seine Zahlen: Mit einer Auszahlung werden im Schnitt zweieinhalb Menschen erreicht und unterstützt – oftmals schon mit kleinen Beträgen unter 100 Euro. "Das Geld ist wichtig, aber die Botschaft, die damit einhergeht, ebenso: Die Not wird gesehen", sagte Zilling.
"Das ist eine steigende Zahl, vor der man keine Angst haben muss", fand Meinrad Edinger, Geschäftsführer des Caritasverbands. "Es gibt Gutes, und es gibt steigende Zahlen, die positiv sind", lautete seine Botschaft. "Das hier ist die größte positive Zahl, die ich in diesem Jahr bisher gehört habe."
Auch beim Caritasverband gab es mehr Auszahlungen als im Vorjahr, über 400. Die Spanne der Auszahlungen reichte von 30 bis 390 Euro. "Die Menschen dahinter, die haben vielleicht auch nicht mehr daran geglaubt." Nicht mehr daran geglaubt, dass das Essen bis zum Monatsersten reicht, dass die Stromsperre abgewendet wird, dass die Tochter einen Schulranzen bekommt. Edinger ist überzeugt: "Das, was im Alltag geschieht, das ist mit diesen Spenden zu lösen."
70 Prozent der Auszahlungen gingen an Alleinerziehende bzw. Familien. Und damit könne man auch Kindern Zuversicht geben. "Es steckt mehr in dieser Hilfe – vor allem in den vergangenen zwei Jahren", sagte Edinger. Der erneute Höchstbetrag spielt für den Caritas-Mann dabei zwar eine schöne, aber eher untergeordnete Rolle, denn seit vielen Jahren bewege sich die Spendensumme auf einem sehr hohen Niveau. "Dass wir diese Spendengelder nicht mehr haben, das kann ich mir gar nicht vorstellen", meinte Edinger. Oftmals werden die Hilfen auch benötigt, wenn staatliche Gelder zwar beantragt, aber noch nicht bewilligt sind.
Tobias Wanschura vom Fachbereich Jugend und Soziales des Landratsamtes vertrat beim Abschlusstermin Sozialdezernentin Renate Körber. "Die Weihnachtsaktion ist eine feste Hilfe, auf die man zählen kann", lautete sein Fazit. Auch das Landratsamt habe mehr Gelder ausgezahlt als in den Vorjahren. "Wir verwenden die Gelder für Grundlegendes, da wird kein Luxus gekauft."
Das Schöne an der Aktion sei auch für ihn und seine Kollegen das Unkomplizierte: Mit kleinen Beträgen und ohne bürokratischen Aufwand könne Hilfe ermöglicht und Sorgen genommen werden.
Der Mosbacher Redaktionsleiter der RNZ, Heiko Schattauer, betonte: "Ich war von Anfang an zuversichtlich." Er freue sich nicht nur über die Höhe der Spendensumme, sondern darüber, dass die Aktion inzwischen absolut angekommen, etabliert ist. "Die Menschen wollen die Aktion unterstützen, weil sie wissen, wie und wo geholfen wird. Für viele ist das schon fast eine Selbstverständlichkeit, das ist schön. Die Aktionen in dieser Weihnachtszeit haben gezeigt, dass die Spender sich selbst mit der Aktion identifizieren, sie durch eigene Ideen vorantreiben wollen. Das ist der Optimalfall." Sein Buchener Kollege, Rüdiger Busch, sagte: "Die Solidarität ist groß, vielen Dank an dieser Stelle an jeden einzelnen Spender!"
Die 126.500 Euro sind viel mehr als ein Betrag. Es steckt viel mehr in dieser Hilfe als nur Euro und Cent: Die Menschen in der Region helfen den Menschen in der Region, vielleicht ihren eigenen Nachbarn. Und diese Menschen wissen, dass es andere gibt, denen ihre Not nicht egal ist. Das ist dann wohl wirklich der genannte Optimalfall.