Sinsheim: Von zehn Toten waren acht nicht geimpft
Sinsheim. (cbe) Die Corona-Zahlen steigen seit einigen Tagen in Sinsheim wieder deutlich, die Omikron-Variante ist längst in Deutschland angekommen. Zur Lage am Sinsheimer Krankenhaus sprach die RNZ mit Dr. Johannes Berentelg, Kardiologe und Intensivmediziner sowie Ärztlicher Direktor der Klinik.
"Ja, es gab und gibt bei uns Patienten mit der Omikron-Variante. In letzter Zeit stellen wir zunehmend diese Variante fest", berichtet Berentelg. Doch er hat erfreuliche Nachrichten: "Nach der bisherigen kurzen Beobachtungszeit hat die Variante aber einen milderen Krankheitsverlauf." Dementsprechend gebe es vermutlich weniger Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Die Wissenschaft gehe momentan davon aus, dass der Schutz davor, sich mit Omikron zu infizieren, zwei bis drei Monate nach der jüngsten Impfung abnimmt, erklärt Berentelg. Die Gefahr, einen schweren Verlauf zu erleiden und die Krankheit zu übertragen, sei aber auch danach deutlich reduziert. "Das zeigt uns, dass die Drittimpfung auf jeden Fall auch bei Omikron nützt."
Apropos Impfung: In den vergangen zwei Monaten sind zehn Patienten in Zusammenhang mit einer Covid-Infektion im Sinsheimer Krankenhaus gestorben, berichtet der Ärztliche Direktor. "Acht von diesen waren ungeimpft. Die beiden anderen Patienten waren nicht geboostert, die zweite Impfung lag schon einen längeren Zeitraum zurück."
Aktuell werden in der Klinik fünf Covid-Patienten auf der Isolierstation behandelt, berichtet Berentelg. Ein weiterer Covid-Patient sei auf der Intensivstation in Behandlung, er werde nicht-invasiv beatmet, ist also nicht intubiert. "Wir sehen, dass nach den Feiertagen und den Weihnachtsferien die Infektionszahlen stark ansteigen", berichtet der Ärztliche Direktor und führt weiter aus. "Bisher schlägt sich dieser Anstieg noch nicht bei uns im Krankenhaus nieder." Aufgrund der zeitliche Verzögerung wegen der Inkubationszeit müsse man aber noch die nächsten Tage abwarten. "Aufgrund der beobachteten milderen Verläufe der Omikron-Variante hoffen wir aber, dass die Krankenhäuser nicht so stark belastet werden", sagt Berentelg.
Da im Sinsheimer Krankenhaus aktuell relativ wenig Covid-Patienten in Behandlung sind, binde dies wenig räumliche Kapazitäten, sodass es momentan keine Einschränkungen bei der Behandlung von Nicht-Covid-Patienten gebe. Und auch die damit verbundene Arbeitsbelastung sei zurückgegangen. "Die Situation ist jedoch aufgrund des sonstigen Krankenhausbetriebes angespannt, da es bei uns, wie überall sonst auch, vermehrte Krankheitsausfälle gibt", erklärt der Ärztliche Direktor. Er begrüßt deshalb die neue Verordnung, die beispielsweise Kontaktpersonen, die drei Corona-Schutzimpfungen erhalten haben, von der Quarantänepflicht entbindet.
Was verheißt der Blick in die Zukunft? Die Situation sei momentan nicht so einfach einzuschätzen, meint Berentelg. "Omikron ist bei uns in der Region angekommen und damit auch stark steigende Infektionszahlen. Aber die Beobachtungen über mildere Krankheitsverläufe und die strengeren Corona-Maßnahmen von Bund und Land geben Anlass zur Hoffnung, dass das Gesundheitssystem dieser Welle standhalten wird." Mit Sicherheit können man das aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Berentelg geht jedoch davon aus, dass eher die Notaufnahme und die Isolierstation als die Intensivstation betroffen sein werden.
Die Zahl Ungeimpfter macht ihm immer noch Sorgen: "Auch wenn Omikron scheinbar milder verläuft, sollten vor allem Ungeimpfte die Gefahr nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich nicht bewusst in unsichere Situationen begeben."
Abschließend sagt Berentelg: "Ich gehe davon aus, dass wir mit Corona leben müssen." Er geht aber ebenso davon aus, dass die Infektionswelle abflaut, wenn eine Grundimmunisierung der Bevölkerung erreicht wird. Fälle werden voraussichtlich immer wieder auftreten, das Gesundheitssystem werde damit aber hoffentlich gut zurechtkommen. Und an noch etwas werde man sich wohl gewöhnen müssen: "Vermutlich werden regelmäßige Impfungen nötig sein."