Wiesloch/Rauenberg: Geflügelhalter bereiten sich wegen Vogelgrippe auf Stallpflicht vor
Von Anja Hammer
Wiesloch/Rauenberg. Die Hühnerhalter in der Region sind in Habachtstellung. Denn die Vogelgrippe ist inzwischen gefährlich nahe. Vier bestätigte Fälle gibt es seit dieser Woche im Heidelberger Zoo. Daher ist sich etwa Ralph Förster vom Wieslocher Dörrbachhof sicher: "Ich denke, bald wird es eine Stallpflicht geben." Und Holger Spannagel, der den mobilen Hühnerstall in Rauenberg nahe der Autobahn betreibt, berichtet, dass er bereits letztes Jahr Ende November Post vom Veterinäramt erhalten habe. Darin gab es Anweisungen, was zu tun ist, wenn die Vogelgrippe Einzug in die Region hält.
In diesem Winter grassiert die Vogelgrippe so stark wie noch nie in Deutschland und Europa. Dabei handelt es sich um eine Virusinfektion, die bei erkrankten Tieren oft tödlich endet; wobei Hühner und Puten laut Landwirtschaftsministerium meist stärker betroffen sind als Enten und Gänse. Weil die Krankheit so ansteckend ist, ist auch oft von Geflügelpest die Rede. Menschen infizieren sich sehr selten mit dem Virus und nur dann, wenn sie sehr engen Kontakt zu den Tieren haben.
Auch wenn Heidelberg nahe ist, so betont Ralph Förster, gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Zoo und seinem Hof: "Wir sind weit weg vom Wasser." Sicherlich sei der Familienbetrieb, der sich seit rund 20 Jahren auf Eier spezialisiert hat, am Leimbach gelegen. Doch der sei im Gegensatz zum Neckar völlig uninteressant für Zugvögel. Und eben diese werden als Überträger der Vogelgrippe vermutet. "Deswegen bin ich jetzt auch noch nicht in Panik", sagt Förster im RNZ-Gespräch. Auch vom Veterinäramt gebe es noch keine Anordnung, die Tiere "aufzustallen", wie es im Fachjargon heißt.
Wenn diese komme, sei man aber vorbereitet, so der 54-jährige Landwirt, der hauptberuflich als Einkäufer bei ABB arbeitet. Für nachts habe man ohnehin einen Stall für die 2200 Hühner. Deren Eier dürfen übrigens bei einer behördlich angeordneten Aufstallungspflicht noch zwölf Wochen lang als Freilandeier verkauft werden. Erst danach müssten sie als Eier aus Bodenhaltung deklariert werden. Als es 2016 zuletzt eine Stallpflicht wegen der Vogelgrippe gegeben habe, dauerte diese allerdings nur rund acht Wochen.
Damals hatte Holger Spannagel seinen mobilen Hühnerstall noch nicht. Diesen hat er erst seit 2017. Deswegen ist er noch am Überlegen, wie er es macht, wenn eine Stallpflicht kommen sollte. Der Stall selbst ist nicht das Problem. Seine zwei Wagen bieten genügend Platz für seine 440 Tiere. Doch würde er seinen Tieren auch weiterhin gerne den Gang an die frische Luft ermöglichen. Daher denkt er über eine Art Zelt nach. Denn ein Dach würde den Kot von Wildvögeln abhalten. Der Stall hat zudem ein Manko: "Meine Legenester liegen außerhalb", erklärt der 55-Jährige. Sprich: Will er die Eier einsammeln, besteht die Gefahr, dass ihm ein Huhn entwischt. Das Tier müsse er dann zum einen einfangen, zum anderen bestünde aber auch die Gefahr, dass es draußen mit den Viren in Kontakt kommt. "Und so kommt die Pest dann in meinen Stall", so Spannagel. Nicht nur deshalb hofft er, dass die Krankheit einen weiten Bogen um die Region macht.