Weinheim: Mit Treppenlift barrierefrei ins Trauzimmer des Schlosses
Weinheim. (web) Wie ist ein Zugang ohne Barrieren für die Sitzungssäle und das Trauzimmer im ersten Stock des Weinheimer Schlosses zu schaffen? Bereits im Juni hatte sich der Ausschuss für Technik, Umwelt und Stadtentwicklung (ATUS) mit der Thematik befasst. Die Experten eines Büros für Baukonstruktion hatten damals für den Bau eines Aufzugsschachts im kleinen Schlosshof plädiert. Doch dies war mit weiten Teilen der Stadtgesellschaft nicht zu machen. Dasselbe galt für eine Umnutzung des nahe gelegenen Schlossparkrestaurants von einer Gastronomie in eine reine Veranstaltungsstätte, in der Barrierefreiheit einfacher möglich wäre.
So blieb der Verwaltung beim zweiten Anlauf am Mittwoch noch zwei Optionen: ein Aufzugsschacht im Treppenauge des Saaltrakts – oder ein Plattformlift am Innengeländer des knapp 40 Stufen zählenden Treppenhauses selbst. Denn Barrierefreiheit wollen hier alle. Die Verwaltung empfahl den Plattformlift. Darunter kann man sich einen Treppenlift vorstellen, der den Bedürfnissen stärker gehandicapter Menschen gerecht wird. Dieser schaffe in dem denkmalgeschützten Schloss keine bleibenden Änderungen, da er jederzeit rückgebaut werden kann. Außerdem komme er die Stadt günstiger als auf Aufzug – und sei für die zumeist eher überschaubare Zahl an gehandicapten Veranstaltungsteilnehmern auch ausreichend, so OB Manuel Just gegenüber den Fraktionen.
Deren Rückendeckung war dem OB wichtig. Denn er muss beim Landesamt für Denkmalpflege (LAD) für den Treppenlift werben. Die Behörde hat sich gegen bauliche Veränderungen an dem historischen Treppenhaus gestellt. Das gilt allerdings auch für den Aufzugsschacht im kleinen Schlosshof. Die Denkmalschützer hätten am ehesten mit einem Aufzugsschacht leben können, der ebenfalls außerhalb der historischen Mauern steht, aber direkt an den Trausaal andockt. Diese Lösung aber hatten die Weinheimer Lokalpolitiker verworfen: Hochzeitsfeiern sollten ja nicht durch Nutzer des Aufzugs gestört werden.
Lediglich FDP-Vertreter Wolfgang Wetzel enthielt sich am Mittwoch seiner Stimme. Er monierte, dass es müßig sei, über einen Treppenlift zu diskutieren – solange es im Saaltrakt des Schlosses keine behindertengerechte Toilette gibt. Das WC im Treppenhaus ist entgegen anderslautenden Annahmen nicht behindertengerecht. Ein entsprechender Umbau kommt aus bautechnischen Gründen wohl nicht infrage. Dies war auch anderen Ausschussmitgliedern aufgefallen. Die sahen den Lift jedoch eher als ersten Schritt in Richtung Barrierefreiheit, dem weitere folgen müssten. Just nahm das fast einstimmige Votum des Ausschusses gern an. Er gehe davon aus, dass es auf die Dauer nicht möglich sei, einen penibel ausgelegten Denkmalschutz über die Bedürfnisse von Menschen zu stellen, so sein Fazit.
Interessanter Nebenschauplatz: Im Zuge der Debatte war die Frage aufgekommen, ob die Ratsgremien nicht dauerhaft raus sollten aus dem Schloss. Hier ist keine parlamentarische Sitzordnung möglich, viele fühlen sich in der Stadthalle oder im Engelbrechthaus wohler – wo seit Pandemiebeginn getagt wird. Die Idee habe der Überprüfung leider nicht standgehalten, so Just. Es sei ein großer Aufwand, die großen Säle wieder und wieder neuzuordnen, sobald der Gemeinderat kommt. Außerdem seien sie für andere Formate da. Ab und an könne es aber Sitzungen in den Ortsteilen geben.