28.06.1969: Stonewall-Unruhen prägen den Christopher Street Day
Und draußen tobt bereits ein Kampf, von dem nicht klar ist, wer genau ihn begonnen hat. Aber in dieser Nacht entlädt sich eine lange aufgestaute Wut. Steine und Flaschen fliegen auf Polizisten und es gelingt den Demonstrierenden, Gefangene aus den Polizeitransportern zu befreien. Es sind vor allem queere Latinos und Schwarze, die genug haben von den oft rassistischen, schwulenfeindlichen Drangsalierungen der Polizei.
Die Unruhen in der Christopher Street ziehen sich über mehrere Tage hin, immer mehr Menschen schließen sich den Protesten an. Es ist die Geburtsstunde für eine weltweite LGBTQ+-Bewegung für Gleichberechtigung und Akzeptanz – ein Kampf, der bis heute anhält.
In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:
- von der Verfolgung der Schwulen im Nationalsozialismus, die nach Kriegsende anhält,
- über den Paragraf 175 im bundesdeutschen Strafgesetzbuch, der Homosexualität bis 1969 unter Strafe stellt und erst 1994 endgültig abgeschafft wird,
- vom Versteckspiel und dem damit verbundenen Leid vieler Homosexueller, weil sie sich nicht outen konnten,
- warum heute weltweit der CSD, der Christopher Street Day, als buntes Protest-Fest begangen wird,
- dass die Gewalt gegen queere Menschen zuletzt wieder zugenommen hat.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
- Heiner Schulze (Sozialwissenschaftler, Schwules Museum Berlin)
- Reinhard Schmidt (Düsseldorf, Aktivist, Mitbegründer der ersten deutschen Schwulengruppe)
- Reinhard Schmidt (Hrsg.): HAG Homosexuelle Aktionsgruppe Bochum: Beginn der homosexuellen Emanzipation im Jahr 1970. 2021
- Linus Giese (Hrsg.): Pride! Eine kurze Geschichte der LGBTQ+-Bewegung. München. 2022
- Erinnerung, Sichtbarkeit und Emanzipation: Christopher Street Days (Regenbogenportal)
Weiterführende Links:
- Deutschlands erste Schwulen-Demo in Münster
- "Schwulen-Paragraph" wird abgeschafft
- Ehe für alle wird eingeführt
- Unterzeichnung des Lebenspartnerschaftsgesetz
- Geburtstag Judy Garland
Audiothek-Tipp:
Zeitreise in die Münchner Disco-Ära der 80er Jahre. Plötzlich ist von einem neuen Virus die Rede. Die queere Szene erlebt Angst, Unwissenheit und Ausgrenzung. Der Podcast "I will survive" erzählt den Kampf gegen die AIDS-Krise und was heute daraus geworden ist.
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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Christiane Kopka
Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins
Technik: Theo Kramer ]]>