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Meinung: Erlöse mich vom Glauben – warum ich bis heute nicht aus der Kirche ausgetreten bin

Stern 

322.000 Menschen traten 2024 aus der katholischen Kirche aus. Unser Autor gehörte nicht dazu. Nur weiß er gar nicht, warum.

Als 2013 aus Jorge Mario Bergoglio Papst Franziskus wurde, war die Hoffnung groß. Vielleicht würde ja dieser im besten Sinne unscheinbare Mann ihn tatsächlich wagen, den Stolperschritt ins 21. Jahrhundert. Bescheiden, volksnah, ja sogar progressiv sollte der Argentinier sein. Das war er sicherlich auch – für einen Papst. 

Heute, zwölf Jahre später ist klar: Der Heilige Geist hat einen Bogen um den den Stellvertreter Christi gemacht. Wieder einmal. 

Und trotzdem zahle ich bis heute brav meinen Monatsbeitrag, bin auf dem Papier ein "vollwertiger" Katholik und glaube auch nicht, dass ich jemals aus der Kirche austreten werde. Nur weiß ich gar nicht, was mich davon abhält. Eine Findungssuche.

Der Papst als Brückenbauer?

In meiner Weltanschauung gibt es genauso wenig Platz für Zölibat und Schwulenhass wie bei jedem Menschen, dessen moralischer Kompass auch nur halbwegs geeicht ist. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass die katholische Kirche mitsamt ihres aktuellen Bodenpersonals noch reformierbar sei. Der Katholizismus ist nun einmal keine über 2000 Jahre vollgemüllte Dachkammer, bei der eine gründliche Entrümpelung alle Probleme löste. 

Wenn jemand wie Papst Franziskus im Vatikan tatsächlich als Speerspitze der Progressiven galt, ist aller Hoffnung Abend. Im Vatikan wird inzwischen häufiger gerechtfertigt als gebetet. Wer den Pontifex als erfolgreichen Brückenbauer sieht, der zählt auch Friedrich Merz zur Mittelschicht.

Schulgottesdienst: beten, singen, Hostie kauen

Ich glaube nicht an Gott, habe es vielleicht auch nie getan. Meine Familie hat sich an meiner Statt für das Katholizismus-Komplettabo entschieden. Quasi einmal alles, bitte: Taufe, Kommunion, Firmung. Trotzdem wurde ich nicht katholisch erzogen, höchstens katholisch geprägt.

Neun Jahre habe ich ein erzbischöfliches Gymnasium in Köln besucht. Nicht, dass meine Eltern großen Wert darauf gelegt hätten, dass mein Segenspegel auf Stand bleibt. Die Schule hatte einfach einen besseren Ruf als ihre unterfinanzierten städtischen Pendants. Und so war mein erstes Tattoo ein Aschenkreuz auf der Stirn. Für mich hieß es jahrelang, jeden Donnerstag vor Unterrichtsbeginn: beten, singen, Hostie kauen. Die Songtexte von klerikalen Chartstürmern wie "Laudato si" oder "Wenn du singst, sing nicht allein" werde ich nie wieder vergessen können. War einmal nicht Donnerstag, wurde trotzdem vor Unterrichtsbeginn artig gebetet.

Am Ende, da bin ich mir sicher, haben weniger Katholiken die Schule verlassen, als gekommen waren. Und trotzdem war es unser Schulpriester, der mir den Glauben zurückgegeben hat. Nicht an Gott, wohlgemerkt. Aber daran, dass es in dieser Kirche doch noch Geistliche gibt, die auf die Erde, statt in den Himmel schauen.

"Weil ich nicht vor die Tür gehen muss, um mit Gott zu reden"

Im Grunde genommen bin ich ein Katholik, weil es dort, wo ich aufgewachsen bin, die Werkseinstellung ist. Ich wurde getauft, "weil man das eben so macht". Zugegeben: Als Kind hat mir der Glaube einiges gegeben. Die Erstkommunion war ein wahrer Geldsegen. Auch um die wesentlich ertragärmere Firmung kam ich nicht herum. "Mach das doch für Oma, die freut sich", sagte damals meine Mutter.

Vielleicht liegt es also an meiner Großmutter, dass ich bis heute dabei geblieben bin? Solange ich mich erinnern kann, hat sie sonntags die Fernsehmesse geschaut. Doch selbst dieser genügsamen Frau, der ihr Glauben von Kindesbeinen an ein Anker war, der sie 1945 auf ihrer Flucht aus Schlesien sogar vor "dem Russen" beschützt hatte, platzte irgendwann der Kragen. Als die Missbrauchsfälle ans Licht kamen, hatte sie genug von der interaktiven Sonntagssendung. An den Himmel hat sie weiter geglaubt – nur eben an dessen Verkäufer nicht mehr. Das Argument "Mach das doch für Oma", zählt also nicht mehr.

An meinem Vater kann es auch nicht liegen. Einer meiner lebendigsten Erinnerungen ist, wie ich ihn einmal auf seinen Glauben angesprochen habe.

"Papa, du glaubst doch an Gott, oder?"

"Ja."

"Warum gehst du dann nie in die Kirche?"

"Weil ich nicht vor die Tür gehen muss, um mit Gott zu reden."

Wenn es also weder an frühkindlicher, noch an pubertärer Prägung liegt: Warum zögere ich also dann noch auszutreten?

"Kritische Masse": wenn aus Aberglaube Glaube wird 

Dass ich Katholik bin, weil mich die Bibel fesselt, ist ebenfalls ausgeschlossen.

Vor einer Weile habe ich die Dokumentation "Going Clear" gesehen. Darin wird die Genesis nach Scientology-Gründer und Science-Fiction-Autor Ron Hubbard geschildert. Sie handelt vom galaktischen Herrscher Xenu, der vor 75 Millionen Jahren unzählige Menschen unter dem Vorwand einer "Einkommenssteuer-Inspektion" vorgeladen, in Tiefschlaf versetzt und mit Raumschiffen am Fuße von Vulkanen auf der Erde abgesetzt hat. Die ließ Xenu dann mit Atombomben sprengen.

Nun habe ich mich schon oft gefragt, wie man den christlichen Glauben einem völlig Weltfremden erklären würde. Neben dem rachsüchtigen, Kinder-mordenden Gott aus dem Alten Testament bekäme er auch von einem jungen Wanderprediger zu hören, der sich für den Sohn eben jenes Gottes hielt. "Ja, wirklich. Und wir haben überall auf der Welt riesige Gebäude hochgezogen, in denen wir gemeinsam das Fleisch und das Blut dieses vor 2000 Jahren gestorbenen Kerls verspeisen". So verrückt klingt der Alien-Imperator nicht mehr, oder?

Eigentlich ist die Gleichung ziemlich simpel: Aus Aberglaube wird Glaube, sobald eine "kritische Masse" erreicht ist – sprich: wenn sich ausreichend Anhänger finden, um ihren Glauben für andere potenzielle Mitglieder attraktiv zu machen.

Jetzt, wo ich so darüber nachdenke, reizt mich der Gedanke nicht sonderlich.

Der Zweifel als Glaubensbeweis

Womöglich denke ich zu kompliziert. Vielleicht ist die Antwort ja rein praktischer Natur.

Es könnte sein, dass ich die Kirchensteuer einfach als eine Art Erlösungsversicherung sehe. Ich meine, sollten mir für den monatlichen Preis eines Handyvertrags am Ende die Himmelspforten offen stehen, wäre das doch ein guter Deal?

Eher nicht. Vielleicht ist es am Ende ganz unromantisch und es liegt daran, dass ich zu gemütlich bin. Nach einer teils monatelangen Wartezeit müsste ich persönlich vor dem Amtsgericht erscheinen. Online fällt man nicht vom Glauben ab.

Oder es liegt am Heiraten? Wobei, nein. Nicht nur, dass meine Freundin als Heidin, pardon als Protestantin, längst ausgetreten und damit eine kirchliche Trauung ohnehin vom Altar ist. Ich habe und hatte einfach nie das fromme Bedürfnis in einer Kirche zu heiraten. Auch für meine letzte Etappe wünsche ich mir keinen geistlichen Beistand. Ich glaube nicht an Schrödingers Sarg. Wenn ich tot bin, bin ich tot.

Fahren wir zum Schluss die ganz schweren Geschütze auf.

Auch für Aristoteles war Gott logisch. Dessen Theorie des "unbewegten Bewegers" stibitze sich der katholische Star-Philosoph Thomas von Aquin, um aufzuzeigen, dass Gott und Vernunft keine Widersprüche sind. Der Gedanke: Irgendetwas muss den Stein ja ins Rollen gebracht haben. Mit dem Gedanken kann ich mich durchaus anfreunden. Nur ist der Weg von der Annahme, dass irgendwer oder irgendetwas den Startschuss gegeben hat, bis hin zu einer Organisation, die ihren Angestellten Sex verbietet, doch recht kurvig.

Natürlich ist das aller hier nur halb ernst gemeint. Aber ich spüre ihn ja wirklich, den Zweifel. Ich kann es nicht erklären. Ist vielleicht das die Antwort? Ist nicht dieser Zweifel auch eine Art von Glauben? Wie gut, dass in in der Theologie Wissen eine zu vernachlässigende Komponente ist. Vielleicht ist für mich also doch nicht alle Hoffnung verloren.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien ursprünglich im Juli 2022 und wurde aktualisiert. Im Gegensatz zur katholischen Kirche. 

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