Die Elektronik-Handelsketten MediaMarkt und Saturn sollen einen chinesischen Eigentümer bekommen. Der Tech-Gigant JD.com Der chinesische E-Commerce-Riese JD.com will die MediaMarkt-Saturn-Mutter Ceconomy schlucken. Dazu legte deren Tochter Jingdong Holding Germany GmbH ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot vor. Die Familie Kellerhals, die mit knapp 30 Prozent der Anteile größter Einzelaktionär ist, habe die Offerte ihrer Aktien akzeptiert, teilte die Ceconomy AG in einer Pflichtmitteilung in Düsseldorf mit. Damit werden die Elektronik-Handelsketten MediaMarkt und Saturn wohl einen chinesischen Eigentümer bekommen. Ceconomy hatte vor einer Woche fortgeschrittene Gespräche mit den Chinesen bestätigt, nachdem die Nachrichtenagentur Bloomberg darüber berichtet hatte. "Wir gehen eine Partnerschaft mit JD.com ein, um den europäischen Handel zu stärken, basierend auf komplementären Stärken und gemeinsamen Werten", sagte Ceconomy-Chef Kai-Ulrich Deissner laut einer ergänzenden Mitteilung. Demnach soll es im Rahmen der Transaktion keine betriebsbedingten Kündigungen oder Schließungen von Standorten geben. "JD.com wird außerdem die bestehenden Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge und die bestehende Unternehmensmitbestimmung im Aufsichtsrat wahren. Diese Zusagen gelten für drei Jahre." JD.com plane zudem keine wesentlichen Änderungen an der Unternehmensstruktur oder der Markenarchitektur. Aktienkapital mit mehr als 2,2 Milliarden Euro bewertet Die Ceconomy-Aktie schnellte zuletzt in Erwartung des Übernahmeangebots auf 4,35 Euro je Aktie nach oben. Seit Jahresbeginn hat sie im Zuge laufender Übernahmefantasien mehr als 60 Prozent zugelegt. Größter Aktionär der Düsseldorfer ist bisher die Mitgründerfamilie Kellerhals mit 29,2 Prozent. Dazu kommt die am Großhandelskonzern Metro beteiligte Meridian-Stiftung mit gut elf Prozent, der Familienkonzern Haniel mit 16,7 Prozent sowie Freenet mit 6,7 Prozent. Mit der Offerte wird das Aktienkapital von Ceconomy insgesamt mit etwas mehr als 2,2 Milliarden Euro bewertet. Die Familie Kellerhals bleibt mit einem Anteil von rund 25,35 Prozent in das Unternehmen investiert. Die Aktionäre Haniel, Beisheim, BC Equities und Freenet, die gemeinsam rund 27,9 Prozent der Anteile kontrollieren, wollen ihre Aktien an JD.com verkaufen. Somit haben die Chinesen knapp 32 Prozent an Ceconomy schon sicher. Rund 50.000 Beschäftigte bekommen chinesischen Eigentümer JD.com mit einem Jahresumsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar (2024) sieht sich als "ein weltweit führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit einer Lieferkette als Kernstück und Chinas größter Einzelhändler nach Umsatz". Seit mehr als zehn Jahren ist das Unternehmen an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert. Mit der Übernahme von MediaMarkt und Saturn würde sich JD.com Zugriff auf einen der größten Online-Shops für Elektronikartikel in Europa und ein Netz von etwa 1.000 Märkten in mehreren europäischen Ländern verschaffen. Ceconomy erzielte mit rund 50.000 Beschäftigten zuletzt einen Jahresumsatz von 22,4 Milliarden Euro – 5,1 Milliarden Euro davon fuhren die Online-Shops ein. Gerüchte um eine Übernahme durch JD.com hatten wiederholt die Runde gemacht. Nun machte der Tech-Riese Ernst. Die erste Saturn-Filiale wurde 1961 in Köln eröffnet, der erste Media Markt 1979 in München . Die Einzelhandelskette übernahm den Wettbewerber Saturn 1990. Einige Jahre später besaß die Metro AG die Mehrheit an beiden Marken. Das Handelsunternehmen Ceconomy, zu dem die MediaMarktSaturn Retail Group heute zählt, entstand 2017 als Abspaltung von Metro. Mit der Übernahme bekommt JD.com auch bei der französischen Elektronik-Handelskette Fnac Darty den Fuß in die Tür: Ceconomy hält über 23 Prozent der Aktien an dem Konzern.