Jeden Tag beantwortet ein Experte aus der t-online-Ratgeberredaktion eine Leserfrage rund ums Geld. Heute geht es um Aktienfonds und Dividenden. Wer in Aktien investiert, freut sich meist einmal im Jahr über Dividenden: Die Aktiengesellschaft schüttet einen Teil des Gewinns an ihre Aktionäre aus. Ein schöner Zuverdienst. Doch um Dividenden zu erhalten, müssen Sie nicht unbedingt einzelne Aktien besitzen – die Ausschüttungen gibt es auch bei börsengehandelten Indexfonds (ETFs). Sie bündeln viele Aktien. Halten Sie Anteile am Fonds, profitieren Sie von vielen einzelnen Dividenden, die zusammengefasst werden. Eine t-online-Leserin wollte dazu wissen: "Wie hoch kann die jährliche Ausschüttung eines Dividenden-ETFs sein? Wird die Dividende auf den anfangs in den Fonds investierten Betrag gewährt oder werden veränderte Kurse berücksichtigt?" Eine Dividende wird immer pro Aktie gezahlt . Die Aktiengesellschaft schaut also, wie viel Gewinn ihr in einem Geschäftsjahr verbleibt, und entscheidet dann auf der jährlichen Hauptversammlung, wie viel dieses Gewinns an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Nehmen wir an, die Aktiengesellschaft hat einen Gewinn von 1.000.000 Euro zu verteilen und hat 100.000 Aktien ausgegeben. In diesem Fall erhält jeder Aktionär eine Dividende von 10 Euro je Aktie. Sind 10 Euro nun aber viel oder wenig? Hier kommt es auf den Aktienkurs zum sogenannten Dividendenstichtag an. Dieser wird in der Regel als Referenz herangezogen, um die sogenannte Dividendenrendite zu berechnen . Bei einem angenommenen Wert einer Aktie von 500 Euro zum Stichtag beträgt die Rendite 2 Prozent (10 von 500). Dieser Wert lässt sich wiederum mit den Aktien anderer Unternehmen vergleichen. Dividendenrendite bei ETFs Bei einem ETF, in dem viele Aktien stecken, muss die Fondsgesellschaft pro Fondsanteil die Dividende aller enthaltenen Aktien anteilig berechnen, zusammenfassen und an die Anleger ausschütten. Ein Beispiel macht das deutlich: Nehmen wir vereinfachend an, im ETF stecken nur drei Aktien: Aktie A kostet zum Stichtag 100 Euro, Aktie B 500 Euro, Aktie C 1.000 Euro. Wir gehen in diesem Beispiel davon aus, dass ein Fondsanteil am Stichtag 150 Euro wert ist. Weil der Fonds in diesem Beispiel den Wert seines Anteils zu gleichen Teilen auf die drei Aktien verteilt, entfallen auf einen Fondsanteil jeweils 50 Euro Wertanteil an jeder Aktie. Das entspricht ½ Aktie A, ¹⁄₁₀ Aktie B und ¹⁄₂₀ Aktie C. Werden die Dividenden für die Aktien fällig, bekommen Sie die Hälfte der Dividende von Aktie A (1 Euro bei einer Dividendenrendite von 2 Prozent), ein Zehntel der Dividende von Aktie B (0,75 Euro bei einer Dividendenrendite von 1,5 Prozent) und ein Zwanzigstel der Dividende von Aktie C (0,50 Euro bei einer Dividendenrendite von 1 Prozent). Insgesamt schüttet die Fondsgesellschaft also 2,25 Euro Dividende an Sie aus. Bezogen auf den aktuellen Anteilspreis von 150 Euro entspricht das einer gewichteten Dividendenrendite von 1,5 Prozent. Das heißt auch: Wenn Sie mehr Fondsanteile besitzen, etwa 100 statt nur einen – und damit 15.000 statt 150 Euro investiert haben –, bekommen Sie auch die hundertfache Dividende, in unserem Fall 230 Euro. Das Verhältnis zwischen Ausschüttung und investiertem Betrag, also die Dividendenrendite, bleibt aber gleich. Wie viel Dividendenrendite bringt ein ETF? Bei ETFs wird die Dividendenrendite in der Regel als Summe aller Ausschüttungen der letzten zwölf Monate im Verhältnis zum aktuellen Anteilspreis angegeben. Auswertungen zeigen, dass die Dividendenrendite bei einem weltweit ausgelegten ETF wie dem MSCI World zwischen 1 und 1,3 Prozent pro Jahr liegt. Bei ETFs, die sich auf dividendenstarke Aktien spezialisiert haben, kann es deutlich mehr sein. So brachte der iShares Stoxx Global Select Dividend 100 (ISIN: DE000A0F5UH1) in den vergangenen fünf Jahren zunächst knapp 4 und zuletzt mehr als 5 Prozent Dividendenrendite ein. Auf Übersichtsseiten wie JustETF können Sie ETFs nach dieser Kennzahl vergleichen. Wichtig: Eine gute Dividendenrendite mag es auch geben, weil der Aktienkurs vorher an Wert verloren hat. Sie ist also nicht unbedingt gleichzusetzen mit Kursgewinnen im Fonds. Lesen Sie auch: Warum hohe Ausschüttungen trügerisch sein können Fazit Bei einem ETF kann man je nach Zusammensetzung mit unterschiedlich hoher Dividende rechnen. Wie hoch die Dividende in absoluten Beträgen ausfällt, kommt darauf an, wie viel Gewinn ein Unternehmen auf wie viele Aktien verteilt, wie der Fonds seine Aktien gewichtet und wie viele Fondsanteile Sie halten. Die eigentliche Vergleichsgröße ist aber die Dividendenrendite: Üblicherweise berechnen Fondsgesellschaften die Dividendenrendite eines ETFs, indem sie alle Ausschüttungen der vergangenen zwölf Monate durch den aktuellen Anteilspreis teilen. Zu welchem Kurs Sie die Fondsanteile ursprünglich einmal erworben haben, spielt für die Berechnung der Dividende beziehungsweise deren Rendite dagegen keine Rolle.