Monatelang sah es düster aus, für die Kultkneipe "Stadion". Doch die Schließung konnte abgewendet werden und es ist endlich wieder Zeit für Fußballgucken. Das Wohnzimmer der Münchner Fußballfans ist zurück: Seit Anfang August rollt über die Leinwände im "Stadion an der Schleißheimer Straße" wieder der Ball. Der Start der neuen Bundesliga-Saison am Freitag macht die Wiedereröffnung komplett. Für viele Fans dürfte die Rückkehr der Kultkneipe einem Befreiungsschlag gleichen: Monatelang war unklar, ob das "Stadion" jemals wieder regulär öffnen darf. Der Grund: Nach der Lärmbeschwerde eines Anwohners hatte das Kreisverwaltungsreferat (KVR) den Laden auf dem Kieker. Von der Beschwerde zur Schließungsdrohung Der Ärger begann mit einer einzelnen Beschwerde im vergangenen Jahr. Bis dahin war die Kneipe, die seit fast 20 Jahren als Kulttreff für Fußballfans aller Vereine gilt, laut Betreibern nie mit Auflagen oder Strafen aufgefallen. Doch plötzlich dokumentierte die Stadt Grenzwertüberschreitungen bei den Lärmmessungen. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) stellte die Konzession infrage und drohte mit radikalen Einschränkungen. Ende letzten Jahres galt dann zunächst: Ausschank nur noch bis 22 Uhr. Später wurde ein Kompromiss ausgehandelt – 23.15 Uhr Schankschluss, um 23.45 Uhr endgültig Feierabend. Für eine Fußballkneipe, die vor allem von späten Anstoßzeiten lebt, wäre das auf Dauer das Ende gewesen. Betreiber Holger Britzius erklärte damals im Gespräch mit t-online: "Viele Spiele beginnen um 20.30 Uhr. Da bleibt kaum Zeit für ein ganz normales Fußballerlebnis." Auch politisch schlug der Fall Wellen. Vertreter der CSU/FW-Fraktion im Stadtrat forderten die Verwaltung auf, den Erhalt der Kultkneipe sicherzustellen. Schließlich einigte man sich auf einen Weg: bauliche Maßnahmen zur Lärmreduzierung, geprüft durch ein Gutachten. Umbau dank großzügiger Spenden Im Juli war es so weit: Das "Stadion" wurde umgebaut. Dickere Wände für den Lärmschutz, eine neue Eingangstür und ein Teppichboden sollen dafür sorgen, dass sich Nachbarn nicht mehr gestört fühlen. Finanziert wurde das Projekt größtenteils durch Spenden. Fans aus der ganzen Stadt – darunter auch Anhänger von St. Pauli und sogar deren Hamburger Rivalen – beteiligten sich an der Aktion. Insgesamt kamen 40.000 Euro zusammen, mit denen die Umbaukosten abgedeckt werden konnten. Auf der Internetseite des Lokals dokumentieren die Betreiber den Umbau mit Fotos und einem Dankesvideo. "Stadion": Neues altes Zuhause der Fußballfans Anfang August war es dann vollbracht: Das Stadion konnte erstmals wieder seine Türen für die Fans öffnen. Die ersten Tage nach dem Neustart waren für die Betreiber dabei hochemotional. Wie Brizius t-online berichtet, standen am Eröffnungswochenende über 20 Mitglieder der Fanvereinigung "Isar-Raute" an der Theke – jene Gruppe, die mit einer Crowdfunding-Aktion den entscheidenden Beitrag zur Rettung geleistet hatte. "Nach dieser monatelangen emotionalen Achterbahnfahrt freuen wir uns einfach nur darauf, endlich wieder unseren Job machen zu können – Leinwände einschalten, Bier verkaufen und Gastgeber für unsere treuen Gäste sein." Programm zum Bundesliga-Start Zum Bundesliga-Auftakt am Freitag und Samstag zeigt das "Stadion" wie gewohnt alle Spiele live auf der Leinwand. Los geht es am Freitag direkt mit einem Kracher: Bayern gegen Leipzig, zur Primetime um 20.30 Uhr. Am Samstagabend gibt es zudem eine besondere Aktion: ein Spender-Freibier als Dankeschön an alle, die zum Erhalt beigetragen haben. Obwohl laut Betreibern einige kleinere Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind, zählt für die Fans vor allem eins: Das "Stadion" ist wieder da.