Mit Stefanie Reinsperger verabschiedet sich der nächste Star aus dem ARD-Krimi. Damit zerfällt das Dortmunder Team weiter und offenbart sein größtes Problem. Was einst als düsterer Großstadtkrimi mit klarer Handschrift galt, ist heute ein Ensemble auf Abruf: der Dortmunder "Tatort". Jetzt hat auch Stefanie Reinsperger ihren Abschied verkündet. Sie selbst sagt, sie freue sich auf "neue Projekte, Rollen und Arbeitsbegegnungen" – was auch heißen könnte: Die Lust am "Tatort"-Chaos war erschöpft. Überraschend wäre das nicht. Denn dem vom WDR verantworteten Krimi fehlt es an Kontinuität, er manövriert sich mehr und mehr in eine Sackgasse aus Selbstbezogenheit und Personaldebatten. Was in anderen Städten als Ausnahme gilt, scheint in Dortmund Prinzip zu haben: das ständige Durchwechseln der Ermittlerinnen und Ermittler. Seit 2020 haben gleich mehrere Hauptfiguren das Team verlassen: Rick Okon, Anna Schudt, Aylin Tezel und nun auch Stefanie Reinsperger. Die Zuschauer sehen nicht ein eingespieltes Team, sondern einen Pendelverkehr aus Abschieden, Rücktritten und Comebacks. Jüngstes Beispiel: Daniel Kossik, gespielt von Stefan Konarske, kehrte 2025 nach acht Jahren Pause überraschend zurück, als wäre nie etwas gewesen. Welche Folgen dieses "Bäumchen wechsel dich"-Prinzip hat, zeigte zuletzt die Folge "Abstellgleis": Der Krimi erzählte hauptsächlich vom eigenen Kommissariat – mit internen Machtspielen, privaten Anspielungen und viel interner Symbolik. Wer die früheren Folgen nicht kannte, hatte kaum eine Chance, dem Fall zu folgen. Der Dortmunder "Tatort" ist längst kein offener Fernsehkrimi mehr, sondern wirkt viel mehr wie eine geschlossene Veranstaltung. Nabelschau statt neuer Ideen Statt sich mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinanderzusetzen, beschäftigt sich der Dortmunder "Tatort" mit sich selbst. Alte Konflikte werden neu aufgewärmt, persönliche Verstrickungen aufgebauscht, interne Dynamiken zum Hauptthema gemacht. Natürlich hat auch der "Tatort" ein Publikum, das Figurenentwicklung zu schätzen weiß. Doch was in anderen Teams zur Tiefe beiträgt, wirkt in Dortmund wie eine Flucht vor der eigentlichen Aufgabe: dem Erzählen eines spannenden Krimis. Jörg Hartmann: Das ist die berühmte Ex-Frau des "Tatort"-Stars Die Nächste, bitte: "Tatort"-Star verabschiedet sich nach fünf Jahren Beziehungen zwischen ehemaligen Ermittlern wie Kossik und Faber, persönliche Hintergrundgeschichten – etwa von Rosa Herzog – werden vorausgesetzt, ohne je erklärt zu werden. Wer nicht mitgeschrieben hat, verliert schnell den Überblick. Ein Krimi, der sich anfühlt wie ein Nachbarschaftsstreit, den man nur verstehen kann, wenn man stets zufällig zur richtigen Zeit im Vorgarten den Rasen gewässert hat. Mit dem angekündigten Ausstieg von Stefanie Reinsperger bleibt im Dortmunder "Tatort"-Team kaum noch jemand, der länger als zwei Jahre durchgehend dabei war. Jörg Hartmanns Figur Peter Faber steht in dieser Hinsicht allein auf weiter "Tatort"-Flur. Alessija Lause, die als neue Chefin Ira Klasnić eingeführt wurde, war gerade einmal in zwei Filmen zu sehen. Die ARD sollte das Team grundlegend infrage stellen Von Kontinuität kann keine Rede sein. Auch nicht von Aufbruch. Vielmehr wirkt das Dortmunder Modell inzwischen wie ein riskanter Selbstversuch: Was passiert, wenn man einen "Tatort" komplett entkernt – aber trotzdem weitersendet? Die Antwort: Er verliert sich. In sich selbst, in beliebigen Geschichten, in einem Format, das sich einst durch Wucht und Konsequenz auszeichnete. Dass Stefanie Reinsperger als Hauptkommissarin Rosa Herzog so schnell wieder von Bord geht, ist keine Randnotiz, sondern ein weiteres Signal: Die kreative Führung des Dortmunder "Tatorts" scheint nicht in der Lage zu sein, ein tragfähiges Ensemble zu formen – oder sie will es nicht. Statt Struktur herrscht Unruhe, statt Fortschritt vor allem Rückgriff. Vielleicht ist es an der Zeit, das Dortmunder Kapitel zu beenden – oder ganz neu zu denken. Aber noch ein weiterer Wechsel, noch ein neuer Charakter, noch eine Rückkehr aus dem Off? Das wird kaum reichen. Denn ein Krimi lebt nicht nur von Spannung, sondern auch von Verlässlichkeit. Und genau daran fehlt es hier schon viel zu lange.