Ein Jahr nach seiner Rückkehr zu Manchester City ist İlkay Gündoğan aufs Abstellgleis geraten. Der Ex-DFB-Star könnte den Klub noch verlassen, womöglich nach Deutschland. Verletzt ist İlkay Gündoğan aktuell nicht. So verwunderte es am Samstag umso mehr, dass der 34-Jährige beim ersten Heimspiel der Premier-League-Saison gegen Tottenham Hotspur (0:2) nicht im Aufgebot seines Klubs Manchester City stand. Immerhin galt Gündoğan über Jahre hinweg als einer der beständigsten zentralen Mittelfeldspieler im europäischen Spitzenfußball, machte sich in insgesamt acht Profisaisons für City um den Verein mehr als verdient. Doch seine Zeit in Manchester ist offenbar abgelaufen. Erst vor einem Jahr war Gündoğan nach einem einjährigen Gastspiel für den FC Barcelona an die alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. "Die Möglichkeit zu haben, hierher zurückzukommen, bedeutet mir so viel", hatte Gündoğan damals in der offiziellen Vereinsmitteilung verkündet. Zudem lobte er seinen langjährigen Coach Pep Guardiola als "den besten Trainer der Welt". Er könne es "kaum erwarten, wieder mit ihm zu arbeiten", so der Fußballprofi. Olympia 2026: Favoritin Madeleine Egle für Winterspiele gesperrt Thomas Müller: Ex-Bayern-Star gelingt Siegtreffer für Vancouver Tatsächlich setzte der spanische Startrainer im ersten Jahr auch regelmäßig auf seinen ehemaligen Schützling. Zu wettbewerbsübergreifend 50 Pflichtspieleinsätzen (drei Tore, sieben Vorlagen) kam Gündoğan in der vergangenen Saison. Auch bei der Klub-WM spielte der ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft noch eine Rolle, stand bei allen vier Partien der "Cityzens" auf dem Feld (zwei Tore, eine Vorlage). Mittlerweile ist die Konkurrenz auf seiner Position jedoch anscheinend zu groß geworden und ein Abgang aus Manchester wird immer wahrscheinlicher. Neuzugänge haben Gündoğan verdrängt Im zentralen Mittelfeld hat Manchester City in diesem Sommer kräftig nachgerüstet. Von der AC Mailand wechselte Tijjani Reijnders nach Nordengland. 55 Millionen Euro investierte der Klub in die Dienste des Niederländers. Weitere 36,5 Millionen Euro flossen in die Verpflichtung von Rayan Cherki. Der Franzose ist eigentlich auf dem Flügel beheimatet, kann aber auch als Offensivkraft im Zentrum agieren. Bei der Pleite gegen Tottenham bot Guardiola beide Neuzugänge im 4-1-4-1-System dementsprechend auch in der Zentrale auf. Für Gündoğan war in der Startformation deshalb kein Platz, auch nicht auf der Position vor der Abwehr. Dort entschied sich der Trainer für Nico González. Den Spanier hatte City im Februar für 60 Millionen Euro vom FC Porto losgeeist. Als potenzielle Einwechseloption für einen der drei Akteure sah Guardiola Gündoğan aber offenbar auch nicht, denn für den Ex-DFB-Star fand sich gegen Tottenham nicht einmal auf der Bank ein Platz. Das dürfte wiederum zwei Gründe haben: das Überangebot an qualitativ hochwertigen Spielern auf der Gündoğan-Position sowie der Blick in die Zukunft. Die Konkurrenz ist deutlich jünger Neben Reijnders, Cherki und Nico tummeln sich in den Reihen von Citys Starensemble nämlich mehrere Profis von internationalem Spitzenformat, die allesamt im zentralen Mittelfeld auflaufen können. Da wäre beispielsweise Bernardo Silva, der eben nicht nur auf dem rechten Flügel wirbeln, sondern auch als Schaltzentrale in der Spielfeldmitte brillieren kann. Gegen die "Spurs" brachte Guardiola den Portugiesen deshalb nach 54 Minuten für Cherki. Einen absoluten Weltklassespieler konnte der Trainer dann eine Viertelstunde vor Schluss einwechseln. Für Nico kam kein Geringerer als Rodri in die Partie. Der spanische Europameister wurde im vergangenen Jahr als Weltfußballer ausgezeichnet. Dass City in der vergangenen Spielzeit die erste titellose Saison seit 2017 absolvierte, lag auch an der schwerwiegenden Verletzung des Führungsspielers. Aufgrund eines Kreuzbandrisses war Rodri monatelang ausgefallen. Gar nicht zum Einsatz gegen Tottenham kamen Matheus Nunes, der im vergangenen Sommer für 62 Millionen Euro aus Wolverhampton verpflichtet wurde, sowie Eigengewächs und Top-Talent Nico O'Reilly. Auch dieser Umstand verdeutlicht den offensichtlich gnadenlosen Konkurrenzkampf in Manchester und damit auch die sportlich prekäre Lage für İlkay Gündoğan. Was zudem auffällt: Der ehemalige BVB-Profi, der im Oktober seinen 35. Geburtstag feiert, ist der mit Abstand älteste Spieler, der sich um einen der zentralen Mittelfeldplätze bewirbt. Bernardo Silva ist gerade erst 31 geworden und Gündoğan damit vom Alter her noch am nächsten. Rodri ist wiederum 29 Jahre alt, Reijnders 27 und Nunes 26. Cherki und O'Reilly haben sogar noch ihre gesamte Karriere vor sich. Der Neuzugang aus Lyon hat jüngst das 22. Lebensjahr erreicht, der englische U21-Nationalspieler ist gerade einmal 20 Jahre jung. Dass Guardiola diese Profis Gündoğan vorzieht, ist ein eindeutiger Fingerzeig: Sie sind die Zukunft des Vereins, anders als der gebürtige Gelsenkirchener. Italien, Türkei oder doch zurück nach Deutschland? Die Zeichen verdichten sich also, dass sich die Wege von Gündoğan und Manchester City trennen werden – dieses Mal endgültig. Wohin es den Spieler ziehen könnte, wird aktuell noch spekuliert. Gerüchte über verschiedene potenzielle Abnehmer sind bereits im Umlauf. Die italienische "Tuttosport" berichtete jüngst von einem Interesse von Juventus Turin an Gündoğan. Zudem sei er Inter Mailand angeboten worden, schreibt die Sportzeitung. Im Sommer wollte der türkische Spitzenklub Galatasaray ihn nach Istanbul lotsen. Laut "Bild" wird dieser Deal aber nicht zustande kommen. Möglicherweise zieht es Gündoğan aber zurück nach Deutschland. Dem "Bild"-Bericht zufolge könne er sich eine Rückkehr in seine Heimat vorstellen. Ein konkreter Klub wird zwar nicht genannt, doch der Pool an möglichen Arbeitgebern in der Bundesliga dürfte aufgrund von Gehalt und Qualität des Spielers limitiert sein. Der auf den ersten Blick naheliegendste Abnehmer wäre mit Sicherheit Borussia Dortmund . Mit den "Schwarz-Gelben" gewann Gündoğan 2012 die deutsche Meisterschaft, stand mit dem Klub 2013 im Champions-League-Finale. Doch Fakt ist, dass sich auch im Zentrum des BVB mehrere Spieler um die vorhandenen Plätze streiten. Neben Neuzugang Jobe Bellingham sind das Felix Nmecha, Salih Özcan, Pascal Groß und Marcel Sabitzer. Auch Emre Can kann im Mittelfeld agieren. Zudem steht der Transfer von Carney Chukwuemeka kurz bevor. Der Engländer vom FC Chelsea ist ebenfalls in der Mittelfeldzentrale beheimatet. Der italienische Transferjournalist Nicolò Schira bringt derweil einen anderen deutschen Klub in der Causa Gündoğan ins Spiel. Demnach soll angeblich Bayer Leverkusen Informationen über den City-Profi eingeholt haben. Ob sich der Doublesieger von 2024 tatsächlich mit Gündoğan beschäftigt, ist zwar nicht weiter belegt. Fakt ist aber: Nach dem großen Umbruch im Sommer, bei dem Stars wie Florian Wirtz und Granit Xhaka dem Klub den Rücken kehrten, misslang der "Werkself" unter dem neuen Trainer Erik ten Hag der Bundesliga-Start. Gegen die TSG Hoffenheim setzte es am Samstag zu Hause eine 1:2-Niederlage. Mit Gündoğan und dessen Führungsqualitäten könnte der runderneuerte Kader an Stabilität gewinnen und eine Win-win-Situation für beide Seiten entstehen.