Zuletzt hatte es Kritik an Julian Nagelsmann und seiner Mannschaft gegeben. Jetzt reagiert der Bundestrainer. Julian Nagelsmann hat auf die Kritik von Matthias Sammer am Spielstil der deutschen Mannschaft reagiert. Im Rahmen der Kadernominierung für die kommenden WM-Qualifikationsspiele sagte der Bundestrainer: "Generell bin ich immer offen für Kritik. Ich bin aber immer ein großer Freund davon, dass man das immer erstmal persönlich macht, wenn es einen persönlich betrifft." Vorausgegangen war ein Interview von Matthias Sammer mit dem "Kicker" im vergangenen Sommer. Darin hatte Sammer unter anderem kritisiert, dass das DFB-Team verlernt habe, zu verteidigen und seiner Meinung nach mittelmäßige Ergebnisse, wie das Viertelfinal-Aus bei der Heim-EM schöngeredet würden. "Wir Deutschen sind, wie man an unserer Fußballgeschichte sieht, immer mannschaftlich geschlossen, robust und kompakt aufgetreten", hatte Sammer gesagt. "Wir hatten Einzelspieler, die Genies waren; aber als Mannschaft waren wir eine Maschine. Heute sind wir noch maximal ein Maschinchen." Zudem wünschte er sich wieder mehr kritischere Betrachtung. Nagelsmann kritisierte Sammer zwar nicht inhaltlich, aber die Art und Weise, wie er die Kritik vorgebracht hat: "Mit dem Bewusstsein, ein Interview zu haben, kann man ja die Person, die man kritisieren möchte, innerhalb des Interviews, vorher informieren", bemängelte er. Inhaltlich dürfe natürlich jeder seine Meinung haben und auch äußern. Kritik hatte es auch an Nagelsmanns selbstbewusster Ansage gegeben, 2026 Weltmeister zu werden. Dies kann der Bundestrainer nicht nachvollziehen: "Ich finde, das Ziel auszurufen, dass wir Weltmeister werden wollen, ist jetzt nicht arrogant oder nicht demütig genug, sondern ich glaube, das ist ganz normal", sagte er. Bei der internationalen Trainerkonferenz vor einigen Wochen sei Nagelsmann auf Ex-Freiburg-Coach Christian Streich getroffen, der ihn in dieser Ansicht bestätigt habe. "Bei Christian habe ich schon das Gefühl, dass er ein bodenständiger Typ ist, der versteht, auf was es im Leben ankommt", so der 38-Jährige. "Er hat mich auch gefragt: Was wäre denn die Alternative, was ich den Spielern sagen soll? Schauen wir mal, dass wir die Gruppenphase überstehen? Meinen Sie, dass die dann motivierter da anreisen? Ich weiß es nicht." "Nicht persönlich genommen" Generell habe Sammer viele gute Dinge gesagt, die er für sich auch schon reflektiert habe, ließ Nagelsmann wissen. "Ich habe das, was Matthias gesagt hat, nicht persönlich genommen, deshalb muss er mich auch nicht anrufen. Wir haben kurz miteinander gesprochen, auch darüber. Das ist aber auch ein super komplexes Thema", sagte er über die Diskussion um die DNA des deutschen Fußballs. Die deutsche Gesellschaft sei glücklicherweise sehr bunt. "Da ist es ja nie ganz einfach, diese eine DNA zu finden, sondern man muss dann versuchen, ein Commitment zu kriegen von allen Beteiligten", erklärte Nagelsmann seine Überlegungen. Der deutsche Fußball habe immer für eine gute Defensive gestanden. Die anderen Kulturen im Land, die mit einer anderen Art Fußball ausgewachsen seien, fänden sich nun auch im Spielstil des DFB wieder. "Deshalb ändert sich der deutsche Fußball auch ein bisschen", so Nagelsmann. Speziell zuletzt in der Nations League habe man aber zu viele Torchancen zugelassen, gab er zu. "Wir dürfen nicht den Fehler machen, Spanien 2.0 sein zu wollen, sondern wir müssen schon immer noch versuchen, über gute deutsche Tugenden trotzdem hin zu einem guten offensiven und attraktiven Fußball zu kommen", so sein Ansatz.