Die Debatte um höhere Steuern für Reiche geht weiter. Jetzt legt Klingbeil-Berater Jens Südekum nach: Er will vor allem eine Steuer grundlegend reformieren. Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im ZDF-"Sommerinterview" am Sonntag kategorisch Steuererhöhungen ausschließt , bringt der Chefberater von SPD-Finanzminister Lars Klingbeil genau die noch einmal ins Spiel. "Arbeit und Leistung werden zu hoch belastet, während leistungslos erhaltenes Vermögen praktisch nicht angetastet wird", sagt Jens Südekum im Gespräch mit dem "Tagesspiegel". Das sei weder gerecht noch ökonomisch vernünftig. Südekum spricht sich für eine aufkommensneutrale Steuerreform aus: Kleine und mittlere Einkommen sollen entlastet, Spitzenverdiener und große Vermögen stärker zur Kasse gebeten werden. "Natürlich könnte man den Spitzensteuersatz von 42 Prozent erhöhen", so der Ökonom, der als Professor für internationale Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf lehrt. "Der Reichensteuersatz steigt dann automatisch mit – aus meiner Sicht könnte er sogar noch etwas stärker angehoben werden." Steuertarif verstehen: So hoch fällt die Einkommensteuer 2025 für Sie aus Erbschaftsteuer als Schlüssel Am deutlichsten wird Südekum bei der Erbschaftsteuer: Sie sei in ihrer jetzigen Form ungerecht. "Auf Erbschaften zahlen heute praktisch nicht die wirklich Reichen, sondern die obere Mittelschicht Steuern", sagt er. "Das führt dazu, dass aktuell 14-Jährige ein Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe erben oder geschenkt bekommen, ohne auch nur einen Cent Steuer zu zahlen." Das liege an zu hohen Freibeträgen und Ausnahmen für Betriebsvermögen. Interview mit Steuerexpertin: "Dort liegen die offensichtlichsten Privilegien" Steuererhöhungen für Reiche: Schlachtet die Union eine weitere heilige Kuh? Zwar fließe die Erbschaftsteuer den Ländern zu, doch auch dafür sieht Südekum eine Lösung: "Ich will nicht wie Donald Trump klingen, aber da kann man sicherlich einen Deal machen. Länder könnten im Gegenzug zum Beispiel auf einen Anteil an der Umsatzsteuer verzichten." Haushaltslücke von 30 Milliarden Euro Hintergrund der Debatte ist das massive Haushaltsloch ab dem Jahr 2027. Allein für dieses Jahr klafft eine Lücke von über 30 Milliarden Euro. Klingbeil hatte deswegen vor Kurzem eine Debatte über Steuererhöhungen für Reiche entfacht , als er mitteilte, keine Option vom Tisch nehmen zu wollen. "Einen Handlungsbedarf dieser Größenordnung hat es noch nie gegeben", warnt auch Klingbeil-Berater Südekum. Alle Ressorts müssten sparen. Auch teure Projekte wie Mütterrente III , Agrardiesel-Subvention und die Gastro-Steuersenkung sieht er kritisch: "Ich persönlich teile einiges der Kritik daran. Diese Projekte stehen nur im Koalitionsvertrag , weil sich die CSU da durchgesetzt hat." Statt Kürzungen: Wachstum und mehr Erwerbsarbeit Neben Steuererhöhungen setzt Südekum auf eine höhere Erwerbsquote und Wachstum: "Wenn das zurückkommt, wovon alle Institute und Beobachter für 2026 ausgehen, dann wachsen die Steuereinnahmen und das Haushaltsloch wird kleiner." Gleichzeitig fordert er Reformen am Arbeitsmarkt, etwa bessere Bedingungen für ältere Arbeitnehmer und Frauen sowie qualifizierte Zuwanderung: "Das sind viel smartere Ansätze, als alle zu längerem Arbeiten zu verpflichten."