Downhill World Cup 2025 – Lake Placid: 250 $ für den Top-Speed – Blog von Andi Kolb
Auch nach der Insolvenz des Team-Sponsors YT geht es für unseren Blogger Andreas Kolb weiter. In den USA stand der vorletzte World Cup der Saison an und der Österreicher zeigte sich trotz der Turbulenzen unbeeindruckt und in Bestform. Hier sein packender Rennbericht!
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World Cup Nummer 9 in Amerika – ein kleines Unterfangen mit einem Team, das eigentlich keinen Support mehr hat. Von dem her waren wir ganz happy, dass die Unterkünfte schon gebucht waren für die USA und das folgende Rennen in Kanada. Bei den Flügen wieder hat meines Wissens nach mein Teammanager noch ein bisschen nachgeholfen.
Daher war ich echt froh, dass wir zwar mit kleiner Crew, aber trotzdem mit Mechaniker, Teammanager und Line-Coach angereist sind und diesen Support weiterhin haben. Auf Rennen in den USA freue ich mich immer mit am meisten: Es gibt immer richtig coole Zuschauer, die Strecken sind meistens top – und eine neue Strecke ist sowieso immer aufregend.
Mittwoch – Trackwalk
Von Anfang an war ich von der Strecke ziemlich angetan: technisch im oberen Teil, richtig schnell, High-Speed-Sektionen unten, dabei aber nicht gefährlich gebaut. Also „safe-schnell”, was ich immer cool finde. Dazu trockene Verhältnisse – genau meins. Hut ab vor Aaron Gwin und der Trail-Crew von Whiteface: Im ersten Jahr gleich so eine gute Strecke zu präsentieren, ist nicht einfach.
Donnerstag – Training
Beim ersten Training wurde es gleich interessant – die Strecke ist schon nach ein paar Runs ziemlich zerbröselt. Es gab extrem viele Linien, viele kleine Doubles, viele große Doubles und haufenweise wichtige Kurven mit Exit-Speed. Generell gab es einfach extrem viele Stellen, bei denen man genau nach der Linie schauen musste. Persönlich bin ich ein Riesenfan von so Strecken – wenn man wirklich was zu tun hat und nicht nur einen Bikepark-Anlieger nach dem anderen herunter heizt. Das kann bei manchen Strecken schon langweilen.
Bike-Setup-mäßig habe ich mich von Anfang an so ok wohlgefühlt – also habe ich das Bikesetup stehen lassen und das ganze Wochenende nicht mehr darüber nachdenken, sondern mich einfach auf mich konzentrieren. Wenn ein Problem auftritt, wollte ich das über meine Linienwahl lösen.
Es hat so ganz solide angefangen. Im Timed Practice bin ich leider einmal zu kurz gesprungen und habe dabei ziemlich was am Rad kaputt gemacht und entsprechend ein paar Ersatzteile gebraucht. Aber die Pace war überall da.
Freitag – Quali
Die Quali war vom Ergebnis her mit Platz 7 akzeptabel. Der Lauf selbst war aber eher so … naja! Ich habe viele Fehler im oberen Teil gemacht, war aber dort sogar noch schnell. Die wichtigste Kurve vor der längsten Geraden habe ich richtig versemmelt. Bei der Speedtrap war ich entsprechend 5 km/h langsamer als die Schnellsten: 58 km/h zu 63 km/h auf 300 Meter Gerade – das kostet ordentlich Zeit.
Von dem her war ich mit Platz 7 dann doch sehr happy. Danach habe ich einen Trackwalk absolviert und bei Q2 zugeschaut. Das war definitiv besser als in Lenzerheide, wo ich selbst fahren musste. Dabei habe ich noch ein paar Sachen gelernt und war dann ready für den Finaltag!
Samstag – Finale
Am Finaltag ist die Strecke nochmal mehr zerbröselt. Es war richtig schwer, die Linien auf Speed zu halten. Ich hatte einen kleinen Sturz, war aber fast happy drüber. Für mich ist das fast schon ein gutes Omen: ein kurzer Bodenkontakt vorm Finale. Ich war entsprechend motiviert und wusste, die Pace ist da. Es war schwer, sauber zu fahren, aber vor Fehlern darf man auf dieser Strecke keine Angst haben – die passieren jedem! Mit dem Mindset bin ich ins Finale gegangen.
Der Finallauf war oben weg ganz gut – nur in der zweiten Kurve habe ich fast mein Vorderrad verloren, was ein sehr unangenehmer Moment war. Ich konnte wieder gut reinfinden, aber etwa 20 s später ging es los: Ich bin 2–3 mal ausgeklickt, von der Linie runter und im Staub unterwegs gewesen. Da habe ich einiges verloren und war kurzzeitig frustriert, habe den Speed runtergedreht und mich wieder gesammelt.
Trotzdem war ich in den oberen Splits ganz gut. Die Kurve, die ich in der Quali so versemmelt habe mit der Speedtrap danach, habe ich perfekt erwischt und hatte die schnellste Speedtrap. Dafür gab’s von Eddie Masters 250 $ nach dem Rennen! Dort habe ich gut Zeit auf den Henri Kiefer aufgeholt, dessen Zeit ich vor dem Start wusste. Bei 3:06 min war mir bewusst, dass ich richtig Gas geben muss!
Es wurde dann richtig knapp, aber ich habe unten nochmal einiges verloren. Da hat man gesehen, dass die Fahrer mit RockShox-Lockout oder auch Asa Vermette mit dem Fox-Lockout einiges an Zeit gutmachen konnten. So bin ich dann auf Platz 3 ins Ziel. Die beiden letzten Fahrer, Luke Meier-Smith und Luca Shaw haben mich dann noch auf Platz 5 verdrängt.
Video: POV-Rennlauf von Andi Kolb
Mit einer besseren oberen Split wäre noch einiges drin gewesen, aber im Großen und Ganzen kann ich damit happy sein und habe das Beste aus der Situation gemacht. In der Gesamtwertung bin ich auf Platz 8 nach vorne gerutscht, was cool ist. Generell bin ich mit meinem Fahren zurzeit happy und auch damit, den Henri vorne zu sehen. Es ist mega krass, was der abliefert und sehr gut für die deutsche Szene.
Schade, dass es kein Top-5-Podium mehr gibt, sonst wäre ich sicherlich etwas zufriedener. Es ist aber auf jeden Fall eine Motivation fürs nächste Rennen in Mont-Sainte-Anne. Das ist eine geile Strecke, auf die ich mich sehr freue. Dort möchte ich die Saison stark und glücklich abschließen. Bis dahin!
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