In Myanmar soll das Militär mit einem Paraglider ein buddhistisches Fest angegriffen haben. Lokale Medien melden Dutzende Tote. Der Angriff könnte Teil eines "verstörenden Trends" sein. Bei einem Angriff des myanmarischen Militärs auf eine friedliche Kundgebung in der Region Sagaing sind nach Angaben der Exilregierung mindestens 24 Menschen getötet und 47 weitere verletzt worden. Die Tat ereignete sich am Montagabend im Ort Chaung-U im Zentrum Myanmars. Wie BBC unter Berufung auf lokale Quellen berichtet, war ein motorisierter Paraglider über der Menge aufgetaucht und hatte zwei Bomben abgeworfen. Die Veranstaltung war Teil einer landesweiten Mahnwache zum buddhistischen Lichterfest Thadingyut – und zugleich ein stiller Protest gegen die Militärherrschaft. Die Teilnehmer forderten die Freilassung politischer Gefangener, darunter die frühere Regierungschefin Aung San Suu Kyi, und wandten sich gegen die geplante Wehrpflicht sowie die von der Junta für Dezember angesetzte Wahl. Friedensgespräche in Ägypten : Ihm könnte ein historischer Durchbruch gelingen Lage an der Front: Russlands Streitkräfte sind auf dem Vormarsch "Kinder waren völlig zerfetzt" Laut Augenzeugen dauerte der Angriff nur wenige Minuten. "Kinder waren völlig zerfetzt", zitierte die BBC eine Frau, die an der Organisation der Veranstaltung beteiligt war. Rettungskräfte berichteten, dass viele Opfer nicht mehr identifiziert werden konnten. Sagaing ist eine der am heißesten umkämpften Regionen Myanmars. Große Teile befinden sich unter Kontrolle von Milizen. Eine dieser Gruppen, die People's Defence Force (PDF), sagte der BBC, dass sie Informationen über einen anstehenden Luftangriff am Montag erhalten habe, der Protest sei jedoch nicht schnell genug abgebrochen worden. Paraglider-Angriffe: Ein "verstörender Trend" Auch Amnesty International berichtet von Bomben, die von motorisierten Gleitschirmen abgeworfen wurden. Solche Angriffe mit improvisierten Luftfahrzeugen hätten in den vergangenen Monaten stark zugenommen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation, in der von einem "verstörenden Trend" die Rede ist. Joe Freeman, Myanmar-Forscher bei Amnesty, sprach von einem "grausamen Weckruf, dass Zivilisten in Myanmar dringend Schutz brauchen". Die Berichte aus der Region seien "erschütternd". Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hatte bereits im September vor der neuen Taktik der Junta gewarnt: Bei ähnlichen Angriffen würden häufig 120-Millimeter-Mörsergranaten aus der Luft abgeworfen – eine Form des Beschusses, die wahllos töte. Laut Amnesty ereignete sich der erste Angriff gegen 20 Uhr, ein weiterer kurz vor Mitternacht. Unter den Toten soll mindestens ein Kind unter fünf Jahren sein. Dutzende Verletzte befinden sich demnach in kritischem Zustand. Internationale Beobachter sehen den Angriff als weiteres Zeichen dafür, dass die Militärführung ihre Luftangriffe intensiviert, um Gebiete zurückzuerobern, die von Widerstandsgruppen kontrolliert werden. Der Einsatz von Paraglidern könnte darauf hindeuten, dass Flugzeuge und Helikopter oder der dafür nötige Treibstoff fehlten. Seit dem Putsch 2021 hat das Militär die Kontrolle über große Teile des Landes verloren.