Die niederländische Regierung hat die Kontrolle über einen chinesischen Chiphersteller übernommen. Das hat wohl drastische Konsequenzen auch für Volkswagen. Der Autobauer Volkswagen bereitet sich laut einem Bericht der "Bild" auf einen Produktionsstopp wichtiger Modelle vor. Grund seien Engpässe bei der Lieferung von Halbleitern infolge des Streits um den niederländischen Chiphersteller Nexperia. Dem Bericht zufolge könnten schon in der kommenden Woche die Bänder für den Golf im Stammwerk Wolfsburg stillstehen, kurz darauf auch für den SUV Tiguan. Wie die Zeitung unter Berufung auf Kreise der Zulieferindustrie berichtet, habe VW für diese Woche noch ausreichend Material, um die Produktion fortzusetzen. Ab der nächsten Woche sei das jedoch unsicher. Vertreter des Konzerns hätten bereits Kontakt zur Arbeitsagentur aufgenommen, um Kurzarbeit für Teile der Belegschaft zu beantragen. Betroffen wären zunächst einige Tausend, später womöglich Zehntausende Beschäftigte. "Alarmierende Lage" : Autobauer schlagen wegen Chipmangel Alarm Überraschender Erfolg : Dieses VW-Produkt verkauft sich besser als der Golf Volkswagen bestätigte auf Anfrage von t-online einen geplanten Produktionsstopp, führte diesen aber auf andere Gründe zurück. Nach Angaben eines Sprechers soll am Freitag, 24. Oktober, die Produktion der Modelle Golf und Tiguan im Werk Wolfsburg im Rahmen einer vorgesehenen Inventurmaßnahme vorübergehend ruhen. Anfang der darauffolgenden Woche solle der Regelbetrieb jedoch wieder aufgenommen werden. Der Sprecher betonte, dieser Stopp stehe nicht im Zusammenhang mit einem möglichen Engpass bei der Verfügbarkeit von Bauteilen. Zudem erklärte der Sprecher, Nexperia sei kein direkter Lieferant des Volkswagen-Konzerns. Einige Bauteile des niederländischen Unternehmens würden jedoch in Komponenten verwendet, die VW über Zulieferer beziehe. Die Produktion laufe derzeit unbeeinträchtigt weiter. Streit um Nexperia legt Lieferketten lahm Der Hintergrund der Probleme ist ein Handelskonflikt zwischen China und den Niederlanden. Die niederländische Regierung hatte Ende September die Kontrolle über Nexperia übernommen , das dem chinesischen Technologiekonzern Wingtech gehört. Den Haag hatte auf niederländische und europäische Sicherheitsinteressen verwiesen und ein Gesetz aus der Zeit des Kalten Krieges angewandt, das zuvor noch nie zum Einsatz gekommen war. Der Schritt erfolgte wohl auch auf Druck aus den USA . Als Reaktion verhängte die chinesische Regierung Anfang Oktober ein Exportverbot für bestimmte Nexperia-Produkte. Seither ist die Produktion in Teilen unterbrochen. Die Folgen sind weitreichend: Nexperia gilt als einer der größten Anbieter sogenannter Leistungshalbleiter, die in vielen elektronischen Steuergeräten von Fahrzeugen stecken. Diese Chips werden nicht direkt an Autohersteller geliefert, sondern von Zulieferern in Bauteile integriert. Fällt dieser Baustein aus, gerät die gesamte Lieferkette ins Stocken. Neben Volkswagen sind auch andere große Autohersteller und Zulieferer betroffen. BMW erklärte, die Produktion verlaufe weiterhin planmäßig, man stehe aber in engem Austausch mit Lieferanten, um Risiken frühzeitig zu erkennen. Der Zulieferer ZF richtete eine eigene Taskforce ein, um die Situation zu bewältigen und alternative Lieferanten zu prüfen. Auch Bosch sprach von erheblichen Herausforderungen und hoffte auf eine schnelle Lösung des Konflikts. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) zeigte sich besorgt. VDA-Präsidentin Hildegard Müller erklärte am Dienstag: "Die Situation könnte schon in naher Zukunft zu erheblichen Produktionseinschränkungen, gegebenenfalls sogar zu Produktionsstopps führen, falls die Lieferunterbrechung von Nexperia-Chips nicht kurzfristig behoben werden kann." Nexperia als Schlüsselakteur der Chipindustrie Nexperia produziert keine hochkomplexen Chips für Künstliche Intelligenz oder Supercomputer, sondern sogenannte Standard-Halbleiter für den Massenmarkt. Dazu zählen Transistoren, Dioden und integrierte Schaltkreise, die in nahezu allen modernen Elektronikanwendungen stecken. Die Produkte sind unscheinbar, aber unverzichtbar. Sie regeln Stromflüsse, schützen Schaltungen und stellen die Energieeffizienz in Autos, Industrieanlagen und Alltagsgeräten sicher. Das Unternehmen gilt als weltweit führend in der Großserienfertigung solcher Basischips und liefert jährlich mehr als 100 Milliarden Komponenten. Der Hauptsitz liegt in Nijmegen in den Niederlanden. Das Unternehmen betreibt Werke in Hamburg sowie in England, China, Malaysia und auf den Philippinen . Weltweit beschäftigt Nexperia mehr als 14.000 Mitarbeitende. Laut dem europäischen Automobilverband ACEA reichen die Lagerbestände der Hersteller derzeit nur für wenige Wochen. Auch US-Autohersteller wie General Motors und Ford prüfen ihre Lieferketten. Sollte sich die Lage nicht bald entspannen, droht in der weltweiten Produktion ein Dominoeffekt.