Der Bürgerkrieg im Sudan spitzt sich erneut zu. Die RSF-Miliz soll die Großstadt El Fascher eingenommen haben – und dort laut Beobachtern Zivilisten umbringen. Nach der mutmaßlichen Einnahme der sudanesischen Großstadt El Fascher durch die Rapid Support Forces (RSF) verschärft sich die humanitäre Lage in dem afrikanischen Staat erneut. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind etwa 300.000 Zivilisten in der zehntgrößten Stadt des Landes eingeschlossen. Laut einem bisher unbestätigten Bericht des Sudan Doctors Network sollen die RSF-Milizionäre Dutzende Menschen hingerichtet und medizinische Einrichtungen geplündert haben. Wie Tom Fletcher, Leiter des UN-Nothilfebüros (Ocha), erklärte, hätten die anhaltenden Kämpfe die Versorgungslage dramatisch verschärft. "Hunderttausende Menschen können die Stadt nicht verlassen, sie haben keinen Zugang zu Nahrungsmitteln oder medizinischer Hilfe", sagte Fletcher. Berichte über intensiven Artilleriebeschuss und Gefechte am Boden seien "sehr besorgniserregend". Berichte über Massaker an Zivilisten Mit Blick auf frühere Eroberungen der RSF äußern Menschenrechtsorganisationen und Beobachter große Sorge über mögliche Gräueltaten. Nach Angaben des Sudan Doctors Network sollen RSF-Kämpfer gezielt Bewohner El Faschers, die zur Volksgruppe der Nuba gehören, getötet haben. Bürgerkrieg im Sudan: Miliz soll Großstadt El Fascher eingenommen haben Gastbeitrag zum sudanesischen Bürgerkrieg: Die Drahtzieher sitzen wohl im Ausland Zwar lassen sich diese Berichte derzeit nicht unabhängig überprüfen, für die Darstellung sprechen allerdings von RSF-Kämpfern veröffentlichte Videos. Sie zeigen die Angehörigen der Miliz auf Jeeps sitzend, wie sie aus El Fascher fliehende Zivilisten verfolgen. "Sie schießen auf Zivilisten und rufen 'Tötet die Nuba', schreibt der Journalist Thomas van Linge auf X, der die Lage im Sudan seit Jahren beobachtet. Die Nuba sind die größte nicht-arabische Volksgruppe im Sudan. In einem weiteren Video machen sich die Angehörigen der Miliz über eine gerade von ihnen getötete Frau lustig. Mehrfach stößt ein Kämpfer sie mit dem Lauf seiner Kalaschnikow an. "Steh doch auf, steh auf wenn du kannst", ruft er lachend. Journalist wohl in Gewalt der RSF Sorge gibt es außerdem um den Journalisten Muammar Ibrahim, der für Al Jazeera und weitere Fernsehsender arbeitet und während der Belagerung El Faschers aus der Stadt berichtete. Ein Video zeigt den Journalisten umringt von Milizionären. "Die RSF-Miliz ist vollumfänglich für seine Sicherheit verantwortlich", schreibt der freie türkische Journalist Umut Çağrı Sarı auf X. "Ich rufe die internationale Gemeinschaft und Menschenrechtsorganisationen dazu auf, sich für die sofortige Freilassung Muammars einzusetzen". Das Sudan Doctors Network schreibt außerdem, dass durch unterbrochene Kommunikationsverbindungen der tatsächliche Umfang der Ereignisse womöglich noch nicht erfasst sei. In der Vergangenheit waren aus anderen von der RSF eroberten Gebieten Berichte über Folter, sexuelle Gewalt und ethnisch motivierte Vertreibungen bekannt geworden. Vereinte Nationen fordern Waffenruhe Die Vereinten Nationen fordern eine sofortige Waffenruhe in El Fascher, freien Abzug für fliehende Zivilisten sowie ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe. "Wir stehen mit überlebenswichtigen Vorräten bereit, aber die Kämpfe machen es derzeit unmöglich, diese in die Stadt zu bringen", erklärte Fletcher weiter. Am Sonntag meldete die RSF-Miliz, die Stadt vollständig eingenommen zu haben. Die sudanesische Armee dementierte den Bericht, derzeit werde noch immer um die Stadt gekämpft. El Fascher war die letzte größere Stadt in der Region Darfur, die noch unter Kontrolle der sudanesischen Regierung stand. Sollte sich die vollständige Einnahme bestätigen, wäre dies ein bedeutender militärischer Erfolg für die RSF – und ein möglicher Wendepunkt im seit April 2023 andauernden Bürgerkrieg. UN: Die größte humanitäre Katastrophe der Welt Der Sudan wird seit über 18 Monaten von einem bewaffneten Machtkampf zwischen dem De-facto-Staatschef Abdel-Fattah al-Burhan und seinem ehemaligen Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo, dem Kommandeur der RSF, erschüttert. Während sich die Armee in der Hauptstadt Khartum zuletzt behaupten konnte, hat die RSF ihre Positionen insbesondere in Darfur ausgebaut. Die Vereinten Nationen bezeichnen den Konflikt im Sudan als derzeit größte humanitäre Krise weltweit. Rund 12 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht, über 26 Millionen – rund die Hälfte der Bevölkerung – sind von Hunger betroffen.