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Russische Roma: nicht nur Sinti

Tänze, Lieder, Gitarren: eine Szene aus dem Stück „Wir sind Roma“ im Theater „Romen“ (Foto: Jaroslaw Tschingajew/AGN Moskwa)
Das Erste, was deutsche Leser schockieren dürfte, ist das Wort „Zigeuner“. In Deutschland ist dieser Begriff tabuisiert. Warum ist das in Russland anders? Und warum nennt man hier das Volk nicht Sinti und Roma, wie es in Deutschland der Fall ist?

„Zigeuner“ ist ein Exonym, also eine Fremdbezeichnung; „Roma“ ist der Eigenname des Volkes. Die Selbstbezeichnung „Roma“ (im Plural) entstand im Oströmischen Reich, das wir gewöhnlich als Byzanz bezeichnen. Damals nannten sich die Einwohner „Romei“ – also Römer. In Deutschland wird der Begriff „Zigeuner“ heute nicht mehr verwendet, vor allem aufgrund der Erinnerung an die Segregation und den Völkermord in den Jahren von 1935 bis 1945. Dort werden stets Sinti und Roma getrennt genannt, obwohl die Sinti tatsächlich eine Untergruppe der Roma bilden.

In Russland hingegen trägt der Begriff „Zigeuner“ keine negative Konnotation – er ist die offizielle Bezeichnung des Volkes. Die Sowjetunion war das erste Land, das die Roma offiziell als Volk anerkannte. Bis 1991 wurde diese Nationalität in den Pässen vermerkt, genauso wie alle anderen. In Russland leben zahlreiche Subethnien der Roma.

Das heißt, es gibt nicht nur Sinti. Welche Gruppen gibt es noch?

Die ersten Roma kamen im 17. Jahrhundert nach Russland – nach der Eingliederung des Polnisch-Litauischen Commonwealth ins Russische Reich. Es handelte sich dabei um eine Gruppe, die von den deutschen Sinti und polnischen Roma abstammte; heute bezeichnet man sie als „Russka Roma“ (russische Roma).

Insgesamt stellen die Roma in Russland ein Konglomerat vieler subethnischer Gruppen dar, deren Geschichte in unterschiedlichen Ländern verwurzelt ist: Kalderara, Lovara, Vlachen, Chișinăuer, Serven kamen über Bessarabien aus Ungarn und Rumänien nach Südrussland. Die Lotven, also Roma aus den baltischen Ländern, sind eng mit den russischen Roma verwandt und stammen ebenfalls von den deutschen Sinti ab. Die Krimy,  (Krim-Roma), sprechen einen stark turkisierten Dialekt und bekennen sich traditionell zum Islam. Und in Zentralasien leben die Lyuli – ebenfalls überwiegend muslimisch, mit einem Dialekt, der stark vom Persischen beeinflusst ist.

Was ist bei den Russka Roma von ihren sinto-deutschen Wurzeln geblieben?

Vieles! Erstens enthält der Dialekt der Russka Roma bis heute zahlreiche Lehnwörter aus dem Deutschen: berga (Berg), felda (Feld), fenštra (Fenster), šteto (Ort), štuba (Stube), šlyta (Schlitten). Zweitens finden sich auch in der Alltagskultur noch Spuren ihrer germanischen Herkunft – etwa in traditionellen Speisen wie Strudel oder dicken Suppen, die an den deutschen Eintopf erinnern.

Pjotr Zarkow beteiligt sich am gesellschaftlichen Leben der Roma.
(Foto: Aus dem Archiv von Pjotr Zarkow)
Wo leben Roma in Russland? Gibt es kompakte Siedlungsgebiete oder noch Nomaden?

Das traditionelle Nomadentum diente vor allem der Suche nach Absatzmärkten – etwa für metallverarbeitende Erzeugnisse. Die Russka Roma lebten bereits Ende des 19. Jahrhunderts überwiegend sesshaft oder halb-sesshaft. Mit dem Beschluss Nr. 685 des Ministerrats der Sowjetunion vom 20. Oktober 1956 „Über die Eingliederung vagabundierender Roma in die Arbeit“ endete der Nomadismus. Heute wohnen sie oft in gewöhnlichen Wohnungen in großen Städten.

Die sogenannten Zigeunerdörfer, die um 1956 an früheren Lagerplätzen entstanden, werden meist von der Gruppe der Kalderara (auch Kotljare genannt) bewohnt. Solche Siedlungen finden sich – bis auf die arktischen Regionen – in nahezu allen Landesteilen Russlands, allerdings meist abseits der regionalen Zentren.

Laut der letzten Volkszählung von 2020/2021 leben in Russland rund 173.000 Roma. Ist das viel oder wenig? Viele Forscher bezweifeln die Ergebnisse dieser Volkszählung.

Ich halte die Statistik für grundsätzlich plausibel. Damit gehören die Roma nicht zu den „kleinen Völkern“ – ihre Zahl entspricht etwa der der Kalmücken, die in Russland eine eigene Republik haben. Allerdings erfasst die Statistik nur diejenigen, die sich bei der Zählung ausdrücklich als Roma deklariert haben. Sie berücksichtigt weder Nachkommen aus gemischten Ehen, die sich im Rahmen der Volkszählung nicht als Roma identifizieren, noch die in Russland lebenden zentralasiatischen Roma-Gruppen – etwa die Lyuli, die oft unsichtbar im Strom der Arbeitsmigranten aus Usbekistan oder Tadschikistan untergehen.

Mit welchen Problemen sehen sich russische Roma heute konfrontiert? Und wo stoßen Sie bei der Arbeit Ihrer Stiftung „My – Zyganе“ („Wir sind Roma“) auf Schwierigkeiten?

Zunächst einmal die starke räumliche Zersplitterung der Siedlungen – sie erschwert kulturelle Vernetzung. Hinzu kommt das Thema Bildung, insbesondere in den abgelegenen Siedlungen. Viele Kinder beherrschen Russisch nur unzureichend – was durch die immense Dialektvielfalt des Romanes zusätzlich erschwert wird. Die Dialekte sind so unterschiedlich, dass Roma aus verschiedenen Gruppen einander oft kaum verstehen.

Von 1927 bis 1938 erlebte die Roma-Kultur in der Sowjetunion eine „goldene Ära“: Es entstand eine überdialektale literarische Roma-Sprache, in der Zeitschriften, Belletristik und Schulbücher erschienen. Diese Entwicklung brach aus historischen Gründen jahrzehntelang ab. Heute erscheinen nur noch vereinzelt Bücher – meist in kleiner Auflage und oft in Form von Bibelübersetzungen.

Für die kulturelle Integration und Stärkung der Identität ist heute vor allem die Förderung beider Sprachen entscheidend: des Russischen als gesellschaftlicher Schlüsselkompetenz und des literarischen Romanes als Kulturerbe. Gleichzeitig muss bei Kindern und Jugendlichen das Lesen als kulturelle Praxis gestärkt werden.

Was unsere Stiftung angeht: Unsere jüngste Ausstellung im „Haus der Völker Russlands“ hat gezeigt, dass viele Menschen – entgegen gängigen Stereotypen – mit großer Offenheit, Wärme und Interesse auf die Roma-Kultur zugehen.

Welchen Platz nimmt die Roma-Kultur in Russland ein? Was haben Roma der russischen Kultur gegeben?

Vor allem im Bereich Musik und Kunst ist ihr Beitrag unübersehbar. Die sogenannten Zigeunerromanzen sind längst fester Bestandteil der russischen musikalischen Tradition. Schon im 18. Jahrhundert gründete Graf Orlow in Puschkin den ersten Chor russischer Roma unter der Leitung von Iwan Sokolow. Sie sangen im russischen Stil, aber mit charakteristischer Improvisation und Melismatik, begleitet von Gitarre. Diese Richtung entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einer eigenständigen Bühnenkunst – verkörpert durch das legendäre Theater „Romen“, das 1931 gegründet wurde.

Auch in der Literatur und Malerei hinterließen Roma tiefe Spuren: Werke von Puschkin, Tjuttschew, Rachmaninow und Tschaikowski wurden von der Roma-Kultur inspiriert.

Sie haben Stereotypen erwähnt. Es gibt traditionelle Vorstellungen über Zigeuner: „Zigeunerin mit Karten“, Wahrsagerei, Betrug in der einen oder anderen Form. In letzter Zeit gibt es auch schwerwiegendere Vorwürfe: zum Beispiel den Handel mit Drogen. Was halten Sie davon: Wahrheit oder Vorurteil?

Kriminalität gibt es in jeder Gesellschaft – bei Roma wie bei anderen Völkern. Doch die Stereotype sind tief verwurzelt. Viele gehen auf pseudowissenschaftliche Schriften des Indologen Alexej Barannikow zurück. Er war von 1938 bis 1940 Direktor des Instituts für Orientalistik der Akademie der Wissenschaften der UdSSR und Schüler des österreichisch-ungarischen Anthropologen Friedrich Knorre. Seine Methodik entstammte der rassenanthropologischen Schule, die heute als diskreditiert gilt.

Sein 1931 erschienener Artikel „Zigeunerische Elemente im russischen Gaunerslang“ gilt als besonders folgenreich. Laut dem Linguisten Viktor Schapowal beruht der behauptete Zusammenhang zwischen dem russischen Diebesjargon und der Roma-Sprache auf einer Fälschung. Von den 113 von Barannikow angeführten Wörtern und Wendungen habe fast ein Viertel nichts mit der Roma-Sprache zu tun. Zudem gibt es keinerlei Belege für eine Roma-Folklore, die kriminelle Handlungen verherrlicht – jene „Beweise“, die Barannikow angeführt hat, existieren schlicht nicht.

Die Idee einer „erblich oder kulturell bedingten Kriminalität“ der Roma wird von heutigen Wissenschaftlern als Mythos entlarvt.

Das Gespräch führte Igor Beresin.

Запись Russische Roma: nicht nur Sinti впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.

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