Die Automobilbranche befindet sich in einer anhaltenden Krise. Der Zulieferer Bosch erlebt einen deutlichen Gewinneinbruch. Der Technologiekonzern Bosch hat im vergangenen Jahr erneut erheblich weniger Gewinn gemacht. Nach vorläufigen Zahlen ging das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um gut 45 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück, wie das Unternehmen in Gerlingen bei Stuttgart mitteilte. Dabei schlugen auch Rückstellungen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro für den laufenden Abbau Tausender Arbeitsplätze zu Buche. Ohne diesen Posten wäre der operative Gewinn um mehr als eine Milliarde Euro gestiegen. So schrumpfte die Marge bei einem leicht erhöhten Umsatz von 91 Milliarden Euro um gut anderthalb Prozentpunkte auf 1,9 Prozent. In der Kernsparte Autozulieferung (Mobility) lag der Umsatz mit 56 Milliarden Euro etwas über dem Vorjahr. Eine Traditionsmarke in Not: Wie konnte es so weit kommen? Scharfe Kritik: IG-Metall-Chefin wirft Bosch Verrat an Unternehmenswerten vor "Die wirtschaftliche Realität spiegelt sich auch in unseren Ergebnissen wider - 2025 war ein schwieriges, teils auch schmerzhaftes Jahr für Bosch", sagte Konzernchef Stefan Hartung. Da es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt, trennt sich Bosch von Mitarbeitenden über Abfindungen. "Der Wettbewerbs- und Preisdruck dürfte nochmal zunehmen und die gestiegenen Zölle sich erstmals im vollen Umfang auswirken", sagte Finanzchef Markus Forschner am Donnerstagabend in Stuttgart mit Blick auf 2026. Die Weltwirtschaft werde langsamer wachsen, geopolitische Spannungen wie die US-Zollpolitik, der starke Euro und steigende Metallpreise gehörten zu vielen Faktoren, die weiterhin für Gegenwind sorgten. Eine genauere Prognose nennt Bosch zur Bilanzvorlage im Frühjahr. Beschäftigungslage bleibt unsicher – Kritik an der EU Bosch hatte im Herbst die Streichung von weiteren 13.000 Arbeitsplätzen in der Autozuliefersparte in Deutschland angekündigt. Die Verhandlungen mit Betriebsräten sind noch nicht überall abgeschlossen. Der Abbau soll zu jährlichen Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro beitragen. Kostensenkungen sollen sich bemerkbar machen und 2026 eine höhere Marge ermöglichen. Weitere Stellenstreichungen in dieser Größenordnung seien hoffentlich nicht notwendig, doch garantieren könne er das nicht, sagte Hartung. "Ich kann Ihnen keine langfristige Zukunftsprognose geben zu den notwendigen Kapazitätsanpassungen der Industrie." Auch die anderen großen Zulieferer und viele kleine Betriebe bauen massiv Personal ab, weil sich die konjunkturelle Krise der Autoindustrie mit den starken US-Importzollerhöhungen verschärfte. Die Zulieferer haben viel in die Elektromobilität investiert, der Umschwung zum E-Auto kam in Europa aber nicht so voran wie erhofft. Als einen Risikofaktor betrachtet der Bosch-Chef die Vorgaben der Europäischen Union (EU) zum Ausstieg aus Neuwagen mit Verbrennungsmotoren 2035. Diese sollten nach einer Ankündigung der EU vom Dezember zwar gelockert werden, doch bei näherer Betrachtung ändere sich nichts an dem harten Schnitt. Dieser wird nach Befürchtung der deutschen Autoindustrie zu einem Absatzeinbruch in den 2030er-Jahren führen. Die Sorge ist, dass die bisher noch sehr mangelhafte Ladeinfrastruktur in großen Teilen Europas nicht aufgebaut wird. Die Verbraucher würden dann lieber länger alte Verbrenner fahren als Elektroautos zu kaufen. "Die bisherigen Vorschläge reichen in keiner Weise aus, um dieses Risiko abzuwenden", betonte Hartung. Chip-Krise nicht ausgestanden Ein weiteres Thema, das auch Bosch zu schaffen machte, war die Krise um den niederländisch-chinesischen Chip-Hersteller Nexperia. China und die Niederlande hatten sich über die Kontrolle des Unternehmens gestritten, was zu Lieferengpässen und Produktionsausfällen auch bei Bosch führte. Hartung zufolge war die Panik über die ausbleibenden Halbleiter groß. Doch der Engpass sei bewältigt worden, ohne dass es zu Ausfällen bei Kunden gekommen sei. Das habe "richtig viel Geld" gekostet – denn eine Taskforce arbeitete mit Hochdruck an der Beschaffung, und die Preise für die Chips schossen in die Höhe. Die Krise sei noch nicht vorbei. Denn es werde mindestens noch ein halbes Jahr dauern, bis die zerstrittenen Firmenteile von Nexperia wieder reibungslos arbeiten könnten oder andere Hersteller, die jetzt angefragt würden, die Chipproduktion hochgefahren hätten. Bosch werde wie die gesamte Industrie jetzt mehrere Lieferanten für die Bauteile suchen, erklärte Mobility-Chef Markus Heyn. "Strategisch sind wir da auf einem vernünftigen Weg", sagte er.