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Canyon Spectral 6 im Test: Günstige Alu-Trailrakete mit erstklassiger Performance

Canyon Spectral 6 im Test: Das Trail-Bike aus dem Hause Canyon hat sich seit der letzten Version ein wenig verändert, die DNA bleibt aber dieselbe – und für unter 3.000 € will das Canyon Spectral 6 aus Aluminium sehr viel Leistung für einen vergleichsweise günstigen Kurs bieten. Wie das gute Stück sich auf dem Trail schlägt, erfahrt ihr hier im Test.

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Steckbrief: Canyon Spectral 6

EinsatzbereichTrail
Federweg150 mm/140 mm
Laufradgröße29ʺ, Mullet (29″/27,5″)
RahmenmaterialAluminium
Gewicht (o. Pedale)15,4 kg
RahmengrößenXS, S, M, L, XL (im Test: M)
Websitecanyon.com
Preisspanne2.299 Euro - 3999 Euro
Im Test: Spectral 6
Preis: 2999 Euro

Canyon hat mit der Aluminium-Variante des Spectral ein neues Trail-Bike geschaffen, das der DNA seines Vorgängers treu bleibt. Maximaler Spaß auf Trails ist das Gebot der Stunde! Im Vergleich mit dem von uns getesteten Canyon Spectral CF9, das bei leichter Ausstattung auf 15,7 kg kommt, muss sich das viel günstigere Spectral 6 mit 15,4 kg nicht verstecken. Es kann natürlich nicht mit einem Handschuhfach, dem K.I.S.-System oder einer elektronischen Schaltung glänzen. Aber mal ehrlich: Braucht man das alles für richtig viel Spaß im Wald? Wir werden sehen.

Unser getestetes Spectral 6 liegt bei 2.999 € und kommt mit einem Fox Performance Elite-Fahrwerk, das 140 mm Federweg am Heck und 150 mm an der Front liefert. Es hat somit – wie die Carbon-Variante auch – einen Zentimeter Federweg vorne und hinten zu seinem Vorgänger eingebüßt. Wer das Alu-Spectral gerne etwas günstiger oder teurer und dafür besser ausgestattet sein Eigen nennen will, kann das mit 2.299 € für das Spectral 5 oder für 3.999 € für das CLLCTV-Modell verwirklichen. Die Variantenvielfalt des Spectral CF lassen wir hier außen vor. Wer mehr zum Spectral CF wissen möchte, schaut am besten hier.

# Das Canyon Spectral 6 ist trotz Facelift immer noch eindeutig als Spectral zu erkennen. – Der eine Zentimeter weniger Federweg vorne wie hinten ist die wohl größte Veränderung.
Diashow: Canyon Spectral 6 Test: Günstige Trailrakete für Raser
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Im Detail

Die Grundform des Spectral bleibt im Wesentlichen wie sie ist, wirkt aber im direkten Vergleich zur Carbon-Version weder edel noch detailverliebt, sondern einfach und funktional. Das Rad sieht mit seiner langen und flachen Erscheinungsform sowie dem tief nach unten gezogenen Oberrohr super aggressiv aus und lädt insbesondere mit Erinnerung an all die anderen Spectrals, die wir bereits gefahren sind, einfach zum kompromisslosen Bolzen ein.

# Das Oberrohr des Spectral ist maximal tief heruntergezogen – das sorgt für eine schöne aggressive Optik und schafft Platz für kleinere Fahrer.
# Die Eingänge der Leitungen und Züge sind keine ästhetischen Glanzleistungen – An der Funktion gibt es allerdings nichts auszusetzen.

Das Bike ist so simpel gehalten, wie es nur geht. Kofferraum? Gibt’s nicht. Geometrie-Verstellung? Fehlanzeige. Wunderschöne oder innovative Rahmendetails? Forget it. Das Spectral kommt mit einem robusten und zum Teil etwas rustikal wirkenden Alu-Rahmen daher, der am Unterrohr, der Kettenstrebe und der Sitzstrebe über einen dicken Gummi-Rahmenschutz verfügt. Die Züge und Leitungen werden durch den Hauptrahmen geführt. Die Langlöcher, durch die die Züge und Leitungen in den Rahmen geführt werden, sind mit Gummistopfen am Leitungseingang versiegelt. So wird der Rahmen wirksam vor eindringendem Dreck geschützt und die Züge und Leitungen werden wirksam und klapperfrei gehalten. Leute, die wie ich beim Bremsen-Setup „Moto“ unterwegs sind, können beim Spectral in Aluminium eine ästhetische Bremsleitungsverlegung realisieren, weil sich die Bremsleitung fürs Hinterrad auch rechts in den Rahmen legen lässt.

# Die Bremsleitung wird durch den Hauptrahmen geführt und verlässt im Tretlagerbereich schnörkellos den Hauptrahmen – Die Leitung wird ab dann außen verlegt. Eine saubere Lösung.
# Eine 650-ml-Flasche passt ohne Weiteres in den Rahmen – Auch meine OneUp-Pumpe habe ich hier noch unterbekommen, ohne dass die Flasche den Dämpfer knutscht.

Der Rahmen ist mit Gewinden für einen Getränkehalter am Unterrohr und einem Toolmount am Oberrohr ausgestattet. Ich habe das Spectral mit meinen Standard 650-ml-Flaschen genutzt und hatte selbst mit zusätzlichem Pumpenhalter unter dem Flaschenhalter keinerlei Platzprobleme.

# Der Kettenstrebenschutz des Spectral Al. – Wie ihr weiter unten lesen könnt, fällt der leider ein wenig zu kurz aus.
# Der Unterrohrschutz – rettet dein Spectral Al vor der Dellenpest.

Bei den verbauten Standards gibt es keinerlei Überraschungen: Boost, UDH, BSA-Innenlagergehäuse, 34,9er Sattelstütze, Dämpfereinbaulänge 230×57,5 mm, Post Mount 180 mm Bremsenbefestigung. Was will man mehr?

Geometrie

Die Geometrie-Veränderungen zum Vorgänger fallen wirklich geringfügig aus. Das ist in unseren Augen auch gut so, die Spectrals waren bisher immer absolute Raketen mit Hang zur Verspieltheit. Der Lenkwinkel ist 0,5° flacher geworden und liegt jetzt bei 64°. Die Kettenstreben bleiben alt wie neu bei 437 mm über alle Rahmengrößen und befinden sich damit eher auf der kurzen Seite des Spektrums. Der Stack ist ein paar Millimeter angewachsen und liegt jetzt in Rahmengröße M bei 630 mm. Bis hierhin riecht nichts nach Revolution oder Extremen. Einzig die Werte beim Reach haben sich ordentlich vergrößert. Die Vorgängerversion hatte in Größe L einen Reach von 485 mm. Jetzt landet man in Größe L bei einem Reach von 500 mm, sodass wir ohne zu überlegen mit 1,84 m Körpergröße zur Rahmengröße M mit 475 mm Reach gegriffen haben.

Der Größenrechner hat hier übrigens gute Arbeit geleistet. Für mich mit 184 cm hat Canyon die beiden Größen M und L empfohlen und gleich die Information mitgeliefert, was die jeweilige Rahmengröße für mich und mein Fahrerlebnis bedeutet. Für die Größe M, die wir gewählt haben, passt die Beschreibung „wending“ von Canyon ziemlich gut, dazu weiter unten aber mehr. Zusammenfassend ist das Spectral als langes und flaches Trailbike zu bezeichnen, bei dem die Kettenstreben eher auf der kurzen Seite sind – zumindest bei der Rahmengröße M bei unserer Körpergröße. Insbesondere bei den großen Größen wie L und XL könnte die Balance zwischen Vorder- und Hinterrad etwas flöten gehen. In der Größe XL trifft ein Reach von 525 mm auf Kettenstreben von 437 mm. Bei diesen Werten könnte die Radlastverteilung sehr hecklastig ausfallen.

Rahmengröße S M L XL
Laufradgröße 29″ 29″ 29″ 29″
Reach 450 mm 475 mm 500 mm 525 mm
Lenkwinkel 64° 64° 64° 64°
Sitzwinkel, effektiv 76,5° 76,5° 76,5° 76,5°
Sitzwinkel, real 74,3° 69° 62,6° 58,1°
Steuerrohr 110 mm 120 mm 130 mm 140 mm
Sitzrohr 400 mm 415 mm 445 mm 455 mm
Überstandshöhe 749 mm 757 mm 761 mm 762 mm
Kettenstreben 437 mm 437 mm 437 mm 437 mm
Tretlagerabsenkung 36 mm 36 mm 36 mm 36 mm
Einbauhöhe Gabel 561 mm 561 mm 561 mm 561 mm
Gabel-Offset 44 mm 44 mm 44 mm 44 mm

Ausstattung

Unser Canyon Spectral 6 kommt mit einem kompletten Shimano SLX 12-fach-Antrieb und einer SLX-Bremsanlage mit 200er-Scheiben vorne wie hinten. Die SLX-Gruppe von Shimano ist absolut sorgenfrei, macht, was sie soll, und kann als echtes Arbeitstier bezeichnet werden.

Das Spectral rollt auf einem DT Swiss M1900 29er-Laufradsatz, der mit tubeless montierten Maxxis Minion DHR2 bestückt ist. Die Reifen kommen in der nicht ganz weichen 3C Maxxterra-Mischung und einer eher leichten EXO+ Karkasse. Die Dropper-Post aus dem Hause Canyon hat einen Drop von 200 mm und ist so auch für größere Fahrer trotz der kleineren Rahmengröße M kein Dealbreaker. Auf der Stütze sitzt ein Ergon SM10 Enduro Comp Sattel. Außer der Dropper-Post stammen auch der Lenker (780 mm breit, 30 mm Rise), der Vorbau (40 mm lang) und Griffe aus dem Hause Canyon. Sie alle hören auf den Namen G5.

Das Herz eines jeden Bikes ist das Fahrwerk. Hier wird man bei günstigen Bikes oft mit schlechten Parts versorgt. Canyon zeigt hier aber preis-leistungs-mäßig, dass aus einem günstigen Bike richtig viel Performance herauszukitzeln ist. Die verbaute Fox 36 Performance Elite mit Grip2-Dämpfer konnte nämlich schon immer eine top Performance zeigen, das ändert sich auch mit den neuen Technologien aus dem Hause Fox nicht. Der Dämpfer ist ein Fox Float X Performance, der über einen Lockout und eine Zugstufe verfügt. Die Lowspeed-Compression wurde weggespart.

  • Federgabel Fox 36 Performance Elite
  • Dämpfer Fox Float X Performance
  • Antrieb Shimano SLX
  • Bremsen Shimano SLX mit 200 mm Bremsscheiben
  • Laufräder DT Swiss M1900
  • Reifen Maxxis Minion DHR2 Maxxterra EXO+
  • Cockpit Canyon G5 (Vorbau 40 mm / Lenker 30 mm Rise 780 mm breit)
  • Sattelstütze Canyon SP0081 200 mm Drop
# Die SLX-Bremse lief bei uns sorgenfrei. – Die Bremse war ordentlich entlüftet und der Druckpunkt ist nicht gewandert.
# Vier Kolben und eine 203er Scheibe. – So würde ich das auch machen. Langen Abfahrten mit Bremsorgien kann man so recht gelassen begegnen.
# Die SLX-Schaltung funktioniert einwandfrei. – Mehr Geld muss man wirklich nicht ausgeben, um einen soliden Antrieb zu konfigurieren.
# Der DT Swiss M1900 Laufradsatz – Ist leider etwas dellenanfällig. Ansonsten aber sorgenfrei.
# Reifen und Felgen passen prima zusammen. – Auch wenn ich hier und da eine Kurve etwas spitz genommen habe, gab es keinen Dichtmilchaustritt. So soll es sein.
# Am Hinterrad ist der Minion DHR II ein gern gesehener Sparringpartner – am Vorderrad aber nicht zu gebrauchen. Vor allem nicht in der Maxxterra-Mischung.
# Die Fox 36 Performance Elite mit 150 mm Federweg – liefert klasse Performance.
# Eine vernünftige Dämpfung ist verbaut. – Der Unterschied zu den Factory-Modellen bei Fox ist somit nur marginal.
# Canyon liefert. – Das trifft allgemein zu, ist hier aber eher auf das Cockpit zu beziehen. Das stammt nämlich von Canyon und hört auf den Namen G5.
# Der Fox Float X Performance macht, was er soll. – Wem die Progression etwas zu hoch ist, kann durch die Entnahme eines Spacers das Volumen der Hauptkammer vergrößern.
# Externe Einstellungen sind am Fox Float X Performance Mangelware. – Wenn ich behaupten würde, ich hätte die Einstellungen vermisst, wäre das gelogen.
# Canyons Dropperpost – kommt serienmäßig mit 200 mm Drop. Da bleiben keine Wünsche offen.

Auf dem Trail

Die Messlatte für Erwartungen an ein Canyon Spectral hängt hoch, richtig hoch. Die alten Spectrals waren immer wie gemacht für die Art Mountainbiken, die ich betreibe. Aus eigener Kraft hoch und über Singletrails runter. Dabei kann es gerne verblockt, flowig, steil oder flach sein, meine Lieblingsbikes müssen am besten alles können. Insbesondere, wenn die Beziehung zum Spectral startet wie bei mir. Ich befinde mich nämlich in Spa in Belgien und will mit einem Freund die Ardennen abchecken. Spa und Remouchamps stehen auf dem Programm und ich weiß aus Videos, was in etwa auf uns zukommt. Und da kommt von allem etwas.

# Klettern mit dem Spectral? – Sehr gerne, hier bietet das Bike keinen Angriffspunkt für negative Kritik.

Beim ersten Aufsitzen fühlt sich schon mal alles richtig gut an: Sitzwinkel, Lenkerhöhe, eine eher aufrechte, aber minimal gestreckte Haltung in der mittleren Position des Sattels. Alles top, nur dass ich mit 184 cm auf einem Fahrrad der Rahmengröße M sitze, die bei anderen Herstellern schnell als Rahmengröße L durchgehen würde. Wer den Abschnitt Geometrie nicht gelesen hat, kann an der Stelle noch mal hochscrollen, falls es mehr Infos zum Sizing bedarf.

# Ein bisschen rumflowen – Macht das Spectral sehr gerne mit.

Sizing hin oder her, es geht ums Radfahren. Das Spectral geht wunderbar bergauf, es ist kaum ein Wippen zu spüren, sodass ich den Dämpfer des Spectral beinahe immer im offenen Setting gefahren bin. Nur wenn es so richtig steil bergauf ging, wollte ich weiter vorne im Rad sitzen und habe die Plattform des Fox Float X Performance zugeschaltet. Wenn es im Uphill mal technisch wird, steht das Spectral einem nicht im Weg. Dank der Möglichkeit, den Dämpfer im offenen Setting zu belassen, klettert man mit ordentlicher Traktion und gutem Komfort den Berg empor. Die Geometrie des Spectral lässt im Sitzen keine Wünsche offen. Man sitzt nicht ganz so aufrecht wie auf einem Raaw Madonna beispielsweise, sondern ganz leicht gestreckt, sodass auch Transfers in der Ebene kein Thema sind. Ergonomisch gibt’s hier für mich nichts zu beanstanden.

# Locker durch Anlieger rollen – ist sicherlich eine Paradedisziplin des Spectral.

Am Gipfel angekommen, krame ich aus meinen überfüllten Hosentaschen einen Riegel raus, von denen ich zwei dabei habe. Lieber würde ich hier schreiben, dass ich die Riegel aus dem super integrierten Staufach im Rahmen hole, aber das gibt’s ja leider nicht. Nicht so dramatisch, in den letzten Jahren kamen ja viele Transportlösungen in Form von Rahmentaschen oder Lösungen für die Anschraubpunkte für Tools auf den Markt, sodass ich hier definitiv nach einer Lösung suchen würde, wenn das mein Bike wäre.

# Richtig grobes Gerumpel kann man dem Spectral durchaus zumuten. – Allerdings muss man den Speed im Vergleich zu großhubigeren Bikes etwas runterschrauben.

Ab ins Unbekannte. In meiner Vorstellung sind Bikes wie das Canyon Spectral genau für dieses Unbekannte gemacht. Nicht wissen, was kommt, aber immer das halbwegs richtige Bike am Start haben, ist die Devise. Wir starten locker auf einer flowigen Strecke und das Spectral fühlt sich an wie ein alter Freund. Volles Vertrauen, ein super intuitives Handling, man fliegt von einem Anlieger in den nächsten, poppt über Wurzeln, zieht hier ab, landet da, wo man hinmöchte. Das Spectral läuft auf diesem ersten harmlosen Flowtrail einfach traumhaft. Die Strecken wandern vom Niveau Richtung Rot und schließlich zu Schwarz. Das Tempo steigt und die Stöße werden härter. Das Spectral schluckt beinahe alles souverän weg. Wenn die Trails allerdings grob und schnell werden, wird der Bulle nervös.

Klaro, das Spectral verfügt nur über 140 mm Federweg am Heck und 150 mm Federweg an der Front. Allerdings ist doch spürbar, dass der progressive Hinterbau der Gabel nicht ganz folgen kann und das Spectral dann an seine Grenzen gerät und das Hinterrad im Vergleich zur Front etwas tänzelt. Der Minion DHR in der EXO+ Karkasse und der Maxxterra-Gumimischung an der Front war mir schon auf dem Papier ein Dorn im Auge, in der Praxis bestätigte sich das. Sobald die Kurven offen sind und keine Rut und kein Anlieger mich retten, fehlt es dem DHR einfach an Grip. Glücklicherweise hatte ich noch mein eigenes Bike mit einem Maxxis Highroller III mit Maxxgrip-Mischung am Start und habe kurzerhand das vordere Laufrad getauscht. Das hat den insgesamt super Gesamteindruck, der durch den Vorderreifen etwas geschmälert wurde, abgerundet.

# Dem Spectral kann man durchaus richtig die Sporen geben – die Geometrie lässt alles zu, es knallt halt ganz gut. Aber das Spectral steckt das ohne Murren weg.

Am nächsten Tag dann Remouchamps. Die Rampen, die zu den Trails führen, sind teilweise widerlich steil, sodass ich hier zum Stabilisieren der Geometrie die Plattform des Dämpfers zugeschaltet habe. Der erste Trail, den wir genommen haben, war steil, technisch und in Teilen schmierig. Wir lassen es locker angehen und hangeln uns den schmalen Trail hinunter. Hier warten super enge Kurven, die von Wurzeln und Steinen gespickt sind. Es gibt ein paar kleinere Mutproben und der Speed ist gering. Hier kommt die Geometrie des Spectral zum Glänzen. Der flache Lenkwinkel verdrängt jedes Gefühl, gleich über den Lenker zu gehen, ohne dass die Front kippelig wirkt. Die recht kurzen Kettenstreben in Kombination mit dem nicht so gigantisch großen Bike führen dazu, dass man auf dem Trail verpatzte Kurveneinfahrten noch schnell korrigieren kann, leicht über Hindernisse poppt und das Bike in dem unbekannten Terrain einfach klasse führen kann. Anders als es vermutlich mit manchem Enduro-Dampfer oder eben dem Spectral in Größe L mit 500er Reach gelaufen wäre.

# Irgendwo abziehen und überspringen, was einem nicht passt – das Spectral AL hindert mich daran nicht.

Der erste Eindruck auf unbekanntem Terrain muss jetzt noch durch das Fahren mir bekannter Trails abgerundet werden. Im schönen Taunus habe ich das Bike dann noch einige Wochen geknebelt. Das Gefühl, dass der Hinterbau insbesondere auf schnellen Tracks mit harten Schlägen nicht besonders gut mit der Front harmoniert, bestätigt sich hier ein weiteres Mal. Ich beobachte immer wieder nach einzelnen Wurzelpassagen, wie viel Federweg der Dämpfer nutzt, und stellte irgendwann fest, dass dem ganzen System weniger Progression guttun könnte. Ich habe also kurzerhand einen Volumenspacer aus dem Dämpfer entfernt und empfand das Federverhalten zwischen Front und Heck jetzt viel harmonischer, ohne dass mir der Hinterbau spürbar durchgeschlagen wäre. Das Spectral ist jetzt definitiv besser mit den harten Schlägen zurechtgekommen, hat mehr Traktion aufgebaut und mich nicht so sehr geschunden. Was die Geräuschkulisse anbelangt, ist das Spectral ein ruhiger Begleiter, außer man kassiert wirklich schnelle Schläge, die viel Federweg nutzen. Dann hört man die Kette schlagen und sieht leider auch Spuren der Kettenschläge. Hier sollte man vor der ersten Fahrt gleich mal den Kettenstrebenschutz nach hinten verlängern, um sich den Lack auf der Kettenstrebe nicht zu ruinieren und für Ruhe zu sorgen.

# Mehr Bike für den Traileinsatz brauchts nicht. – Mountainbiken ist ein super teures Hobby? Nicht kostenlos, aber machbar. Mit dem Spectral macht man praktisch keine Einschnitte beim Fahrspaß im Vergleich zu Bikes, die drei Mal so teuer sind.

Das Spectral hat unseren Test abgesehen von kleineren Bugs ohne größere Zwischenfälle gemeistert. Die kleineren Bugs wären das genannte Kettenschlagen und der etwas zu kurze Kettenstrebenschutz, ein gelegentlich knarzender Hinterbau und die weichen, dellenanfälligen Felgen. Ich habe nicht zweifelsfrei herausfinden können, was am Hinterbau genau geknarzt hat. Das Tretlager und den Sattel kann ich ausschließen. Es ist vermutlich ein Bolzen oder ein Lager. Das Knarzen war nicht durchgehend zu hören, und wenn ich zu Hause war und auf die Suche gehen wollte, knarzte das Bike plötzlich nicht mehr. Zum Verrücktwerden. Der zweite zu nennende Bug sind die Laufräder. Der M1900-Laufradsatz von DT Swiss scheint recht weiche Felgen zu nutzen. Ich habe mir eine fette Delle in die Felge gefahren, ohne mir mit der EXO+ Karkasse von Maxxis einen Platten zu kassieren. Das spricht für eine weiche Legierung der Felge. Wäre das mein Bike, würde ich hinten ein Insert fahren, damit ich mir nicht gleich die Felge zerstöre oder mit 2,2 bar am Hinterrad Trail-Pingpong spielen muss.

Das ist uns aufgefallen

  • Simplicity Am Spectral ist genau das, was man an einem Fahrrad benötigt. Nicht mehr und nur minimal weniger, das konkretisiert sich in den nächsten Punkten.
  • Reifen Ich bin überzeugter Maxxis-Fahrer, bei aller Liebe hat aber ein Minion DHR in Maxxterra in meinen Augen nichts an einem Vorderrad verloren.
  • Staufach Wer es einmal hatte und ins Herz geschlossen hat, will nicht mehr ohne. Ich finde Handschuhfächer richtig geil und hätte am Spectral 6 zu gerne eines gesehen.
  • Shimano SLX Gruppe Unsere Tests sind immer subjektiv und so ist jeder Test auch immer etwas geprägt von den Präferenzen. Meine Präferenz ist, wenig Geld für gutes Material auszugeben. Die Shimano SLX Gruppe ist so ein wenig mein persönlicher Liebling. Günstig, relativ leicht, haltbar, funktional – was will man mehr?
  • Geometrieverstellung Offen gesagt brauche ich sowas in der Regel nicht. Lasst gerne mal einen Kommentar da, wenn ihr das anders seht.
  • Back to the roots Wer einfach Mountainbiken will, ohne Schnickschnack, sein Bike nicht behandeln will wie den auf Kante geleasten 5er BMW aus Angst vor der Abschlussrechnung, der ist hier goldrichtig. Ein Trail-Bike, dem man gerne kompromisslos die Sporen gibt, ohne dass einem beim ersten Kratzer die Tränen kommen. Mehr braucht man nicht, weniger will man nicht!

Fazit – Canyon Spectral

Was soll man da sagen? Canyon bringt mal wieder ein richtig gutes Bike zu einem richtig guten Preis. Wen Statussymbole einfach nicht jucken, sollte sich das Canyon Spectral 6 mal genauer anschauen. Das Verhältnis von Preis zu Performance ist unglaublich gut, allerdings würde ich vor der ersten Fahrt einen griffigeren Vorderreifen montieren und mir ein Insert ins Hinterrad setzen. Das ist aber wirklich meine persönliche Präferenz und kein Zwang. Das Spectral kann man auch getrost so fahren, wie es kommt – und einfach Spaß auf dem Trail haben.

Canyon Spectral – Pro / Contra

Stärken

  • super ausgewogenes Handling mit Hang zum Verspielten
  • klasse bergauf
  • super solide Ausstattung
  • erstklassiger Preis

Schwächen

  • dellenanfällige Felgen
  • Reifen am Vorderrad nicht griffig genug
  • Knarzen am Hinterbau
#

Macht das Spectral euch auch so an oder braucht ihr mehr Features?


Testablauf

Wir hatten die Möglichkeit, das Canyon Spectral ein halbes Jahr lang gründlich zu testen. Dabei musste sich das Trail-Bike sowohl auf unseren Hometrails im Taunus als auch auf den Trails in Spa und Remouchamps in Belgien beweisen.

Hier haben wir das Canyon Spectral 6 getestet

  • Taunus, Hessen Naturbelassene Trails mit zahlreichen Wurzeln und Steinen von flach bis steil.
  • Spa, Belgien Trailcenter mit Flowlines und kleinen technischen Features
  • Remouchamps, Belgien Naturbelassene, zum Teil technische Trails
Tester-Profil: Christian Franke
Körpergröße 184 cm
Schrittlänge 88 cm
Oberkörperlänge 65,5 cm
Armlänge 72 cm
Gewicht 83 kg
Christian ist Jahrgang 1986 und verdient seine Brötchen als Berufsschullehrer für Zweiradmechatroniker und Fahrradmonteure. Auch in seiner Freizeit spielen Zweiräder bei ihm eine große Rolle. Dementsprechend trifft man den MTB-Narr, wenn er nicht gerade dabei ist, seine Vespa zu zerlegen, mit dem Enduro-Bike im heimischen Taunus an.
Fahrstil
verspielt, immer auf der Suche nach der nächsten Shralp-Kurve
Ich fahre hauptsächlich
Enduro
Vorlieben beim Fahrwerk
flotter Rebound, wenig Compression, hinten etwas softer als vorne
Vorlieben bei der Geometrie
Lenkwinkel flach, aber nicht zu flach, mittellange Kettenstreben, Reach lieber etwas kürzer als zu lang
Tester-Profil: Arne Koop
Körpergröße 184 cm
Schrittlänge 87 cm
Oberkörperlänge 67 cm
Armlänge 63 cm
Gewicht 74 kg
Arne ist seit 2010 auf dem Mountainbike unterwegs. Am liebsten scheucht er Enduro- oder Trailbikes auf ruppigen, natürlichen Trails bergab. Wenn sich die Gelegenheit bietet, springt er jedoch liebend gern aufs Downhill-Bike oder dreht eine Runde mit dem Rennrad.
Fahrstil
sauber, hohes Grundtempo
Ich fahre hauptsächlich
Enduro, Trail, Downhill
Vorlieben beim Fahrwerk
vorne straffer als hinten, schneller Rebound, nicht zu viel Dämpfung
Vorlieben bei der Geometrie
moderater Reach, keine zu kurzen Kettenstreben, flacher Lenkwinkel

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