Hightech-Ski: Entwickler verrät: Diese Ski tragen Abfahrer wie Marco Odermatt an den Füßen
Bei der Abfahrt müssen sich die Fahrer auf ihre Ski verlassen können. Ein Entwickler verrät, worauf es ankommt – und wie gut Normalfahrer auf diesen rasanten Brettern zurechtkämen.
Die Olympischen Winterspiele beginnen auch dieses Mal direkt mit einem Höhepunkt. Am Samstag, den 7.2., geht es mit der Herrenabfahrt in Bormio los, auf der Stelvio, einer Piste, die als eine der gefährlichsten der Welt gilt. Favorit auf Gold ist der Schweizer Marco Odermatt. Der Mann, der für ihn die Ski baut, heißt Mathieu Fauve, 51, und ist Chefentwickler der Marke Stöckli. Wie muss ein Ski gebaut sein, der einen Rennfahrer mit Tempo 150 über spiegelglattes Eis mit bis zu 63 Prozent Gefälle trägt?
Der Bau eines Hightech-Ski
"Die Abfahrtski der Männer messen etwa 2,20 Meter. Bretter in dieser Länge sind laufruhig bei Tempo 150, gerade auf unebener Piste. Da hat man viel Vibration, und wir versuchen, sie möglichst gut zu dämpfen, damit der Fahrer die richtige Linie finden kann. Durch Vibration kann der Ski die Richtung verlieren. Dann gehen hundertstel oder gar zehntel Sekunden verloren. Manchmal bringt ein Zentimeter mehr Laufruhe und damit eine bessere Zeit.
Ein Fahrer hat sich im Kopf eine Ideallinie eingeprägt. Sollte er durch Unebenheiten diese Linie verpassen, verliert er das Rennen. Als Zuschauer erkennen Sie das daran, dass er plötzlich zur Seite rutscht, dann stäubt etwas Schnee auf. Da lässt er Zeit liegen. Also tun wir alles dafür, dass er die Linie halten kann.
Der Ski, den ein Abfahrer wie Marco Odermatt an den Füßen hat, besitzt einen Radius von etwa 50 Metern. Im Vergleich: Der Ski, den man auf normalen Hängen fährt, hat im Schnitt einen Radius von 15 Metern. Wenn Sie als geübter Skifahrer damit unterwegs sind, macht das Spaß auf einer breiten, präparierten und menschenleeren Piste, auf der Sie das Tempo ausfahren können. Wenn Sie den nötigen Platz haben, ist es spannend, das mal zu versuchen. Sie fahren halt sehr lange Kurven damit. Und müssen arbeiten.
Der Ski, den Sie im Laden kaufen können, hat etwa noch 60 bis 70 Prozent der Eigenschaften eines Skis, der nur bei Topathleten eingesetzt wird. Einige dieser Eigenschaften, etwa bestimmte Technologien, verbauen wir ein paar Jahre später in den Serienskis."
Woraus genau ein Ski dieser Klasse zusammengebaut ist, behält Fauve lieber für sich – Betriebsgeheimnis. Jeder Ausrüster scheint seine eigene Formel zu besitzen. In einem Hightech-Ski stecken immer noch bis zu 90 Prozent Holz, meistens Pappel, Buche oder Esche.