US-Präsident Donald Trump hat wiederholt betont, keine Kenntnis von Jeffrey Epsteins Sexualverbrechen gehabt zu haben. Jetzt zeigt sich: Ganz richtig ist das nicht. Im Juli 2006, als Epsteins Anklage wegen Sexualdelikten öffentlich wurde, rief Trump den damaligen Polizeichef von Palm Beach, Michael Reiter, an. Wie aus den kürzlich veröffentlichten Epstein-Akten hervorgeht, sagte Trump in diesem Gespräch, dass Epsteins Aktivitäten mit minderjährigen Mädchen sowohl in New York als auch in Palm Beach allgemein bekannt gewesen seien. "Gott sei Dank stoppen Sie ihn, jeder wusste, dass er das macht", soll Trump laut einem FBI-Interview mit Reiter im Jahr 2019 gesagt haben. Diese Befragung, die bisher nicht veröffentlicht wurde, wirft ein neues Licht auf Trumps Rolle in den frühen Phasen der Epstein-Ermittlungen. Auch wirft sie Fragen auf, wie viel Trump über die Verbrechen von Epstein und Ghislaine Maxwell wusste. Meinungsfreiheit: US-Gericht stoppt Verfahren gegen türkische Doktorandin Botschaft an Trump: Epstein-Komplizin Maxwell verweigert Aussage vor Kongress Reiter sagte den FBI-Ermittlern, Trump habe offengelegt, dass Maxwells Rolle die einer "Agentin" Epsteins gewesen sei. Trump habe gesagt: "Sie ist böse, konzentrieren Sie sich auf sie". Außerdem heißt es in dem Bericht, Trump habe erzählt, er sei einmal in Epsteins Nähe gewesen, als Jugendliche anwesend waren, und habe sich "so schnell wie möglich aus dem Staub gemacht". Neue Dokumente widersprechen Trumps Epstein-Darstellung Trump sagte Reiter zudem, er habe Epstein aus seinem Mar-a-Lago-Club geworfen. Das steht in starkem Kontrast zu dem, was Trump im Juli 2019 zu Reportern sagte, als er gefragt wurde, ob er gewusst habe, dass Epstein Mädchen missbraucht habe. Damals sagte er: "Nein, ich hatte keine Ahnung. Ich hatte keine Ahnung." Reiter, der 2009 als Polizeichef in den Ruhestand ging, bestätigte der US-Zeitung "Miami Herald", dass Trump 2019 vom FBI befragt wurde. Das Gespräch mit ihm habe im Juli 2006 stattgefunden. Ein FBI-Beamter bestritt jedoch, dass Trump Reiter angerufen habe. "Uns ist kein bestätigender Beweis bekannt, dass der Präsident vor 20 Jahren Kontakt mit den Strafverfolgungsbehörden aufgenommen hat", sagte der Beamte. Am Montag sollte Maxwell per Video vor dem Ausschuss für Aufsicht und Reformen des Repräsentantenhauses aussagen. Sie berief sich auf ihr Aussageverweigerungsrecht, wobei ihr Anwalt erklärte, sie sei "bereit, vollständig und ehrlich auszusagen, wenn Präsident Trump ihr eine Begnadigung gewährt". Sie könne den Präsidenten entlasten, so Maxwell. Trump äußerte sich bislang nicht dazu. Maxwell will Trump entlasten Als Maxwell 2020 verhaftet wurde, sagte Trump: "Ich wünsche ihr ehrlich gesagt nur alles Gute." Die 64-Jährige verbüßt derzeit eine 20-jährige Haftstrafe unter anderem wegen Menschenhandels im Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch von Minderjährigen. Epstein lebte weniger als eine Meile von Mar-a-Lago entfernt. Um das Jahr 2000 rekrutierte Maxwell die 16-jährige Virginia Giuffre, die im Spa von Mar-a-Lago arbeitete. Giuffre sagte später, Maxwell habe ihr einen Job als Masseurin für einen reichen Mann angeboten und sie Epstein vorgestellt. Trump sagte später, er habe Epstein aus Mar-a-Lago verbannt, weil dieser versucht habe, seine Angestellten abzuwerben. Dennoch bestritt er stets, von Epsteins Verbrechen gewusst zu haben. 2002 hatte Trump Epstein in einem Interview mit dem "New York Magazine" als "großartigen Typen" bezeichnet und gesagt, Epstein möge "schöne Frauen genauso sehr wie ich – und viele von ihnen sind eher auf der jüngeren Sorte". 2019 schrieb Epstein in einer E-Mail über Trump: "Natürlich wusste er von den Mädchen, da er Ghislaine bat, damit aufzuhören."