SRAM XX DH Transmission-Schaltung im ersten Test: 5 Hundertstel für den Sieg
SRAM XX DH Transmission im Test: An allen anderen Mountainbikes ist die SRAM Transmission nicht mehr wegzudenken, nun kommt sie auch ans Downhill-Bike. Mit der XX DH Transmission stellen die US-Amerikaner eine High-End-Schaltung mit 7 Gängen, Direktmontage und elektrischer Ansteuerung vor, die nicht nur gut aussehen, sondern pro Schaltvorgang 5 Hundertstelsekunden Zeit sparen soll.
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Video: SRAM XX DH Transmission im Test
SRAM XX DH Transmission – Infos und Preise
Im Downhill World Cup wurde sie schon getestet, nun liegt sie in den Auslagen: Die SRAM XX DH Transmission-Schaltung bringt die bekannten Transmission-Technologien wie das elektrische AXS-Netzwerk oder die Direktmontage mittels UDH-Standard ans Downhill-Bike. Dazu gibt’s eine Alu-Kurbel in besonders kurzen Längen, eine überarbeitete 7-fach-Kassette und den neuen XD Slim-Freilaufkörper, der breitere Nabenflansche bei 148 mm-Ausfallenden erlaubt. Über die Preise sollte man lieber nicht nachdenken – 765 € werden allein fürs Schaltwerk fällig. Dafür soll die neue Schaltgruppe aber auch besonders präzise und zuverlässig sein … und World Cup-Racern wertvolle Hundertstel sparen! Interessanterweise werden die bisherigen Schaltungen SRAM X01 DH und GX DH als günstigere Alternativen im Portfolio bleiben.
- Einsatzbereich Downhill, Bikepark
- Montageart Direct Mount (benötigt UDH-Interface)
- Freilauf XD, XD Slim
- Gänge 7 (10–24 Zähne)
- Kurbellänge 150, 155, 160, 165 mm
- Schalthebel SRAM Pod
- Netzwerk SRAM AXS
- Verfügbarkeit ab sofort
- Gewichte (gewogen) Schaltwerk 429 g, Kassette (Slim) 144 g, Kurbel (inkl. Ochain R + 34T Kettenblatt) 855 g
- www.sram.com
Preis 2.271 € (Gruppe, UVP) | Bikemarkt: SRAM XX DH Transmission kaufen
Technische Daten und Preise
| Gewicht (Herstellerangabe) | Preis (UVP) | Technologien | Material | Optionen, Farbe, Sonstiges | |
|---|---|---|---|---|---|
| Kurbel | 701 g (150 mm) | 460 € | DUB | Aluminium | 150, 155, 160, 165 mm (Schwarz-Silber) |
| Schaltwerk | 426 g | 765 € | Full Mount, AXS, Type 4 Dämpfer | Aluminium | Schwarz |
| Trigger | 50 g | 240 € | AXS | Schwarz | |
| Kassette | 150 g (XD) / 144 g (XD Slim) | 545 € | T-Type | Stahl | Schwarz |
| Kette | 247 g (126 Glieder) | 150 € | T-Type, Flattop | Stahl | Silber |
| Kettenblatt | 43 g | 112 € | T-Type, X-SYNC II | Aluminium | Schwarz |
| 1.617 g | 2.272 € |
Im Detail
Wer mit der Transmission-Produktpalette von SRAM vertraut ist, wird auch an der XX DH Transmission viel Bekanntes sehen. Zuerst wäre da natürlich die Direktmontage an der Hinterrad-Achse. Dafür benötigt der Rahmen zwangsweise ein UDH-Ausfallende, was zumindest auf alle in den letzten 2–3 Jahren vorgestellten Räder zutreffen dürfte. Mit an Bord sind schon bekannte Bikes wie das Canyon Sender, Trek Session, Raaw Yalla, Commencal Supreme V5 und viele weitere. Einige Rahmenhersteller dürften ihre DH-Boliden in den nächsten Monaten wohl um diesen Standard updaten.
Das Schaltwerk selbst erinnert stark an das reguläre XX oder X0 Transmission-Schaltwerk, verfügt allerdings über etwas andere Links im Parallelogramm. Es soll insgesamt gut versteckt unter dem Hinterbau sitzen und so besser geschützt sein. Die Reibungskupplung ist das einzige Bauteil, das sich die DH-Schaltung mit der MTB‑Transmission teilt. Durch den viel kürzeren Käfig wirkt diese allerdings deutlich straffer – soll sich jedoch nicht negativ auf die Fahrwerksperformance auswirken. Das will man sowohl im Labor als auch bei Blindtests mit Profis überprüft haben. Das Schaltwerk lässt sich komplett zerlegen und es sind bei Schäden Austauschparts und -käfige erhältlich.
Auch das Schaltverhalten fällt ähnlich aus – das Schaltwerk wartet auf die Steighilfe, wodurch man unter voller Last schalten können soll. SRAM hat Startgate-Sprints mit Profis simuliert und will dabei herausgefunden haben, dass man pro Schaltsituation – gemeint ist der Moment, in dem man einen oder mehrere Gänge durchknallt – 0,05 s Zeit einspart. Da man mindestens dreimal pro Rennlauf schalten muss, ergeben sich 0,15 s – Rennen wurden schon knapper entschieden. Während das Experiment ganz interessant ist, weiß auch SRAM, dass das allein wohl kaum ein Kaufgrund ist, und hat ein paar mehr coole Features untergebracht. Würde man allein aufgrund der Zeitersparnis investieren, würde 1 Sekunde pro Lauf übrigens über 15.000 € kosten. Rechnet man zusammen, was ein Profi in Technik-Trainer, Physios, Mental-Coaches und Athletik-Trainer samt Gerät investiert, ist das am Ende vermutlich fast günstig. Das sind natürlich alles Milchmädchenrechnungen.
Die Kassette wurde überarbeitet, bietet aber exakt dieselbe 10–24 Zähne Gang-Abstufung wie die bisherige X01 DH-Kassette. Sie ist in einer XD und XD Slim-Version verfügbar, dazu benötigt man den passenden Freilaufkörper. XD Slim ist einfach etwas kürzer, wodurch man den Nabenflansch breiter machen kann. Grund ist, dass 148 mm-Hinterbauten sich im DH-Bereich immer mehr durchsetzen und man mit XD Slim identische Speichenspannungen auf Antriebs- und Bremsseite erreichen können soll. Ähnliches hat übrigens etwa schon e*thirteen mit der integrierten 7-fach-Kassette unternommen (ethirteen Grappler Flux-Test).
Auch die Kurbeln sind neu, bestehen jetzt aus Alu und erinnern mit ihrem mittigen Loch stark an die Xo Transmission-Kurbel. Sie sind jedoch speziell für den DH-Einsatz entwickelt, entsprechend robust und in 150–165 mm Länge (5 mm Schritte) erhältlich. Es wird wohl auch eine Enduro-Version davon geben, die ein Kettenblatt mit passendem Offset hat. Das DH-Kettenblatt ist auch neu, soll besonders stabil gegen Schläge und Umknicken sein und weist das bekannte Zahnprofil auf. Ein nettes Detail ist, dass die Kurbeln an gefährdeten Stellen einfach blank sind, um nicht so schnell völlig zerkratzt auszusehen. Zudem gibt’s ein passendes 4-Loch-Kettenblatt für die Verwendung mit einem Ochain.
Bei der Kette wiederum handelt es sich um die bekannte Flattop-12-fach-Kette, als Schalthebel kann man alle AXS-fähigen Controller und Pods nehmen. Der Controller wird übrigens leider nicht mehr hergestellt. Die Montage erfolgt analog zur bekannten Transmission – es gibt Dokumentationen zur Kettenlänge je Bikemodell. Allerdings sind DH-Bikes häufig viel einstellbarer, und verschiedene Settings können die Einstellung des Schaltwerks beeinflussen. Daher gibt’s beim Kauf ein Kunststofftool dazu, mit dem man mithilfe einer zweiten Person die perfekte Position des Schaltwerks im Sag messen kann.
Auf dem Trail
Für den Test auf einigen der bekanntesten Downhill-Strecken der Welt in Queenstown, Neuseeland, hat SRAM mir ein Canyon Sender zur Verfügung gestellt. Dieses war zudem mit der neuen SRAM Maven B1-Bremse (Test) und dem neuen DH-Fahrwerk (RockShox Boxxer Ultimate & RockShox Vivid Coil Ultimate im Test) ausgerüstet.
Ich habe in den vergangenen Jahren viel Zeit auf der alten SRAM X01 DH-Schaltung sowie allen möglichen Transmission-Schaltungen verbracht. Daher hat sich für mich alles merkwürdig vertraut angefühlt. Das System lässt sich mit der bekannten SRAM-App verbinden, was ich genutzt habe, um die Orientierung des Shifters umzudrehen – ansonsten habe ich in 3 Tagen auf dem DH-Bike absolut nichts am Schaltwerk anfassen müssen.
Das Schaltverhalten fällt ähnlich aus wie am Enduro – zu Beginn fällt die minimale Verzögerung auf, während der das Schaltwerk auf die Steighilfe aufs nächste Ritzel wartet. Die Pausen sind allerdings weniger auffällig als am Enduro-Bike – schließlich bewegt man sich auf viel kleineren Ritzeln, bei schneller rotierender Kassette, da man sich keine steilen Anstiege raufquält. Dafür kann man die Gänge wie versprochen auch unter voller Last ziemlich kompromisslos reinknallen. Dabei hilft auch, dass das haptische Feedback am Trigger fehlt – man drückt den Knopf und die Elektronik macht den Rest. Erst wenn man am Berg beim Anfahren mit Gewalt vom schwersten in den leichtesten Gang wechselt, kann die Kette mal etwas verspringen – aber das sollte man auch lieber nicht machen.
Ansonsten fällt auf, dass nichts auffällt – der Antrieb ist wirklich sehr leise! Leider konnte ich das ab dem zweiten Test-Tag nicht mehr so gut verifizieren, da der Steuersatz am Sender unerträglich zum Knarzen neigt und alles andere übertönt, wogegen auch mehrere Service-Versuche nicht geholfen haben. Aber ich bin mir recht sicher, nie etwas vom Antrieb gehört zu haben. In meinem Fall konnte ich beim vorsichtigen Einfedern auf dem Parkplatz leicht den Widerstand der Reibungskupplung im Schaltwerk spüren, was bei anderen Testbikes nicht der Fall war. Auf der DH-Strecke war davon allerdings absolut nichts zu bemerken.
Die neue Schaltgruppe ist insgesamt etwas schwerer – sowohl das Schaltwerk als auch die Kurbeln. Das Übergewicht bleibt auch, wenn man das UDH-Schaltauge und Kabel abzieht. Allerdings sind die Unterschiede nicht groß und vor allem an der Kurbel relativ irrelevant. Drei Tage sind zu wenig, um etwas über die Haltbarkeit auszusagen, meine bisherigen Erfahrungen mit Transmission-Schaltungen sind diesbezüglich allerdings sehr positiv. Dasselbe lässt sich aber auch über das X01 DH-Schaltwerk sagen, das bei mir auch nach mehreren Saisons und diversen Steinkontakten noch knackig schaltet.
Fazit – SRAM XX DH Transmission
Über 2.000 € für einen DH-Antrieb sind eine riesige Stange Geld – auch wenn die Straßenpreise in Kürze wohl deutlich darunter liegen dürften. Mit der XX DH Transmission bringt SRAM allerdings viele der Verbesserungen aus dem XC- bis Enduro-Bereich ans DH-Bike: knackiges Schalten unter Last, ein stabiles und servicebares Schaltwerk und ein insgesamt sehr leiser Antrieb. Auch die restlichen Komponenten wie die optional sehr kurzen Alu-Kurbeln oder die XD Slim-Kassetten sind sinnvolle Neuerungen. Für die meisten DH-Fans bedeuten die hohen Preise allerdings wohl, dass man entweder aufs erste Transmission-Komplettrad wartet oder eine günstigere Version in der Zukunft. Zum Glück ist die bisherige SRAM X01 DH auch nach 11 Jahren eine verdammt gute DH-Schaltung – weshalb sie auch im Portfolio bleiben wird.
Ebenfalls neu – SRAM Maven B1 im Test
Ebenfalls neu – MY27 RockShox Boxxer & Vivid Coil im Test
Was sagst du zur edlen XX DH-Schaltung – überteuert oder sinnvolle Weiterentwicklung?
Testablauf
Für den Test der neuen SRAM XX DH Transmission hat SRAM mich nach Queenstown, Neuseeland, eingeladen und mir ein Canyon Sender-Downhill-Bike zur Verfügung gestellt. Die Kosten für die Reise hat SRAM getragen.
Hier haben wir die SRAM XX DH Transmission getestet
- Coronet Peak, Neuseeland: Extrem schnelle, ruppige Strecke, auf der man allerdings fast gar nicht schalten muss.
- Skyline Bikepark, Neuseeland: Abwechslungsreicher Bikepark mit teils engen und steilen Singletrails, sehr wecheshalftes Terrain.
| Körpergröße | 183 cm |
| Schrittlänge | 85,5 cm |
| Oberkörperlänge | 60 cm |
| Armlänge | 61 cm |
| Gewicht | 80 kg |
- Fahrstil
- verspielt
- Ich fahre hauptsächlich
- Downhill, Trail Bikes
- Vorlieben beim Fahrwerk
- ausbalanciert, Gegenhalt über die Feder, Druckstufe eher offen, mittelschneller Rebound
- Vorlieben bei der Geometrie
- eher kurz, hoher Stack, ausgewogener Sitz- und Lenkwinkel