Zwei Drittel der Frauen rechnen im Alter mit finanziellen Einschränkungen. Neue Umfragen zeigen, wie groß die Unterschiede bei der Altersvorsorge sind. Frauen verdienen im Schnitt noch immer 16 Prozent weniger als Männer . Auf dieses geschlechtsspezifische Lohngefälle macht der Equal Pay Day Jahr für Jahr aufmerksam, der dieses Jahr am 27. Februar stattfindet. Zwei aktuelle Umfragen zeigen: Die Lohnlücke wirkt weit über das Berufsleben hinaus. Besonders mit Blick auf die finanzielle Absicherung im Alter sind Frauen deutlich pessimistischer als Männer. Fast jede zweite Frau in Deutschland (47 Prozent) schätzt ihre finanzielle Lage im Rentenalter als schlecht oder sehr schlecht ein. Weitere zehn Prozent wissen nicht, wie gut sie abgesichert sind. Unter Männern sorgt sich dagegen "nur" gut jeder Dritte (35 Prozent) um eine unzureichende Altersvorsorge. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Innofact im Auftrag des Vergleichsportals Verivox hervor. Während 57 Prozent der Männer optimistisch auf ihre finanzielle Zukunft blicken, ist die Skepsis unter Frauen deutlich ausgeprägter. Insgesamt fürchten 66 Prozent der Frauen, sich im Alter finanziell einschränken zu müssen – bei den Männern sind es 55 Prozent. Sorge wächst mit dem Alter Auffällig: Die Unsicherheit steigt mit zunehmendem Lebensalter. Unter jungen Frauen zwischen 18 und 29 Jahren befürchtet knapp jede Dritte (39 Prozent), im Alter nicht ausreichend abgesichert zu sein. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es bereits 47 Prozent. In der Altersgruppe von 50 bis 79 Jahren bewertet sogar jede zweite Frau ihre Altersvorsorge als schlecht. Auch bei Männern nehmen die Sorgen mit den Lebensjahren zu – allerdings auf niedrigerem Niveau. Armut vorbeugen: Zehn Tipps, wie Frauen finanziell unabhängig werden ETF-Sparplan: So sorgen Sie unkompliziert fürs Alter vor Die strukturellen Unterschiede zeigen sich auch bei der privaten Altersvorsorge . Zwar geben 67 Prozent der Deutschen an, finanziell vorzusorgen, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern. Bei Frauen beschränkt sich diese Vorsorge jedoch häufig auf kleinere monatliche Beträge. Jeweils 21 Prozent sparen zwischen 1 und 50 Euro beziehungsweise zwischen 51 und 100 Euro im Monat. Höhere Sparbeträge sind deutlich seltener: Nur 9 Prozent der Frauen legen monatlich mehr als 200 Euro für ihre Altersvorsorge beiseite. Männer verfügen dagegen häufiger über entsprechende finanzielle Spielräume. Mit 18 Prozent ist bei den männlichen Befragten der Anteil derer, die über 200 Euro monatlich in die private Altersvorsorge stecken, mehr als doppelt so groß. Teilzeit und Arbeitspausen spielen große Rolle Die Ursachen für die Lücke liegen laut der Umfrage weniger in mangelnder Sparbereitschaft als in strukturellen Rahmenbedingungen. 48 Prozent der Frauen nennen ihr geringes Einkommen als Hauptgrund für eine unzureichende Altersabsicherung. Unter Männern sehen das 37 Prozent so. Auch Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitarbeit spielen eine zentrale Rolle: 43 Prozent der Frauen führen diese als Ursache an – bei den Männern sind es 29 Prozent. "Weil Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten und im Durchschnitt weniger verdienen, entsteht eine finanzielle Ungleichheit, die bis ins Rentenalter bestehen bleibt", sagt Melanie Ulbrich, Finanzexpertin bei Verivox. Führt in die Altersarmut: "Teilzeit ist Gift für die Rente der Frauen" Einbußen im Alter: So schnell verlieren Sie fast 40.000 Euro Rente Besonders ausgeprägt sind die Sorgen bei Alleinlebenden sowie bei Menschen mit niedrigem Einkommen. In Haushalten mit weniger als 1.500 Euro Nettoeinkommen rechnen 59 Prozent mit finanziellen Engpässen im Alter. Männer fühlen sich deutlich besser vorbereitet Eine repräsentative Umfrage der Preisvergleichsplattform Idealo zeichnet ein ähnliches Bild. Demnach fühlen sich 64 Prozent der Männer eher gut oder sehr gut auf die Zeit nach dem Erwerbsleben vorbereitet. Bei den Frauen sind es nur 49 Prozent. Umgekehrt sagen 41 Prozent der Frauen, sie seien schlecht auf das Alter vorbereitet – bei Männern sind es 31 Prozent. Zudem verfügen Frauen im Schnitt über geringere finanzielle Rücklagen. Elf Prozent der befragten Frauen haben nach eigenen Angaben gar kein Erspartes – doppelt so viel wie unter den Männern. Fast jede fünfte Frau (17 Prozent) besitzt weniger als 1.000 Euro Rücklagen. Bei Männern trifft das auf zehn Prozent zu. Lesen Sie hier, wie viel Geld den Deutschen pro Monat im Ruhestand fehlt. Trotz der Unterschiede gibt es beim Ziel breite Einigkeit: 84 Prozent aller Befragten halten die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen für wichtig oder sehr wichtig. 86 Prozent sprechen sich für gleichen Lohn bei gleicher Arbeit aus.