Zuerst muss Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter zugeben, gelogen zu haben. Doch es kommt noch dicker: In einer Ratssitzung benutzt er ein rassistisches Wort. Am Wochenende stehen in Bayern Kommunalwahlen an. Für Dieter Reiter ein ganz besonderer Moment: Er möchte gerne erneut im Amt des Münchener Oberbürgermeisters bestätigt werden. Der 67-jährige SPD-Politiker würde im Falle seiner Wiederwahl in seine dritte Amtszeit gehen. Seit 2014 regiert er bereits im Münchener Rathaus. Doch nun, kurz vor den Wahlen, kommt es für Reiter knüppeldick. Zunächst sah sich das Stadtoberhaupt in dieser Woche mit Vorwürfen konfrontiert, Geld vom FC Bayern München angenommen zu haben – ohne dies jedoch vom Stadtrat genehmigen zu lassen. Reiter sitzt im Verwaltungsbeirat des deutschen Rekordmeisters. Für diese Tätigkeit erhält er nach eigenen Angaben vom Klub eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 20.000 Euro pro Jahr. Das Problem dabei: Nebenbeschäftigungen, die mit mehr als 10.000 Euro vergütet werden, bedürfen in der Regel einer Genehmigung durch das Parlament. Der Münchener OB verteidigte sich in einer Stellungnahme, das Amt beim FC Bayern sei zu Beginn unvergütet gewesen. Ende 2021 jedoch sei eine Aufwandsentschädigung von 10.000 Euro pro Halbjahr eingeführt worden. "Dass dadurch eine Genehmigung des Stadtrats notwendig gewesen wäre, war mir nicht bewusst", so Reiter. "Die Aufwandsentschädigung wurde zu keinem Zeitpunkt von mir verheimlicht und selbstverständlich immer ordnungsgemäß versteuert. Insofern ist der Stadt oder dem Steuerzahler keinerlei Schaden entstanden", sagte Reiter weiter. Reiter nutzt rassistischen Begriff Das sieht die Opposition jedoch anders. Grüne und Linke setzen den Kommunalpolitiker seit Tagen unter Druck; sie vermuten eine Verletzung des Beamtenrechtes. "Jeder Müllmann, der 50 Euro zu Weihnachten bekommt, muss das angeben, sonst ist es ein Antikorruptionsfall", sagt Stefan Jagel, Fraktionsvorsitzender der Linken im Münchener Stadtrat, t-online. "Der Oberbürgermeister aber denkt, er steht über dem Gesetz." Heftige Kritik an Bürgermeister wegen Bayern-München-Job Reiter kündigte nun an, den Sachverhalt noch vor der nächsten Sitzung des FCB-Aufsichtsrates durch die Rechtsabteilung prüfen zu lassen, und versprach, den Stadtrat im Detail mit den Ergebnissen zu befassen. Doch das war nicht die einzige Unbill, die der 67-Jährige in dieser Woche bewältigen musste. Den nächsten Fauxpas gab es in einer Stadtratssitzung am Mittwoch. Da trauten einige der Anwesenden ihren Ohren nicht, als Reiter zum nächsten Tagesordnungspunkt überleiten wollte. "So, wo samma, sagen die Neger", sagte er laut einer Aufzeichnung der Sitzung. Mit dem N-Wort wird heute eine früher gebräuchliche, rassistische Fremdbezeichnung für Schwarze umschrieben, die aufgrund ihrer kolonialen Entstehungsgeschichte als zutiefst diskriminierend gilt. Reiter bat später in einer schriftlichen Erklärung um Entschuldigung: "Bei der Äußerung handelt es sich um ein Zitat aus einem Stück des Künstlers Fredl Fesl, das mir spontan über die Lippen kam bei der Frage, wo wir uns in der Tagesordnung befinden." Weiter schrieb Reiter: "Es lag mir in keiner Weise daran, Menschen zu verletzen oder abzuwerten. Wenn sich durch meine Worte jemand verletzt oder herabgesetzt gefühlt hat, bedaure ich das ausdrücklich und bitte dafür um Entschuldigung." Reiter zeigt sich zerknirscht Alfred Raimund "Fredl" Fesl (1947-2024) war ein niederbayerischer Musiker, Sänger und Kabarettist. Reiters Parteifreund, der Münchener Stadtrat Roland Hefter, nahm den OB gegen Vorwürfe des Rassismus in Schutz. "Wenn hier jemand dem OB aufgrund dieser Situation Rassismus unterstellt, dann ist er getrieben von Dummheit und Bösartigkeit, sagte Hefter dem Portal "Hallo München". Dennoch zeigte sich Reiter im Anschluss zerknirscht ob seiner Äußerung. Ihm sei bewusst, dass der Münchener Stadtrat im Jahr 2022 mit dem Beschluss "N-Wort ächten" deutlich gemacht habe, dass die Verwendung dieses Begriffs als rassistisch einzuordnen und abzulehnen ist, so der Oberbürgermeister. "Dieser Haltung schließe ich mich selbstverständlich an. Gerade als Oberbürgermeister habe ich eine besondere Verantwortung für einen respektvollen, sensiblen und diskriminierungsfreien Umgang miteinander". Trotz der turbulenten Woche stehen Reiters Aussichten auf eine dritte Amtszeit gut. Bei einer Umfrage von Ende Januar lag der SPD-Politiker mit 45 Prozent Zustimmungswerten unter den Wählern weit vor seinen beiden Konkurrenten. Diese kamen vor rund einem Monat nur auf 20 Prozent Zustimmung. Auch die Zufriedenheit mit der Rathauspolitik insgesamt lag laut letzten Umfragen des Marktforschungsinstituts RMI zuverlässig zwischen 60 und 70 Prozent.