Brauchtum: Anton Günther soll mit Mega-Konzert geehrt werden
In den Weiten des sächsischen Erzgebirges ist Mundartdichter Anton Günther Kult. Bei Heimatabenden, Bergparaden oder beim "Hutznobdn" sind seine Werke präsent. Nun ist eine große Show geplant.
Sein Lied vom "Feierobnd" ("Feierabend") gilt als inoffizielle Hymne des Erzgebirges und begleitet hierzulande bis heute so manches Begräbnis. Der Sänger und Mundartdichter Anton Günther (1876-1937) soll zum 150. Geburtstag in diesem Jahr gebührend gefeiert werden. Dafür haben die Imagekampagne "So geht sächsisch" und der Kunst- und Kulturverein Erzgebirge einen Aufruf gestartet.
150 Musikerinnen und Musiker sollen Günther-Hits intonieren
Am 17. Mai sollen 150 Musikanten auf dem Marktplatz in Annaberg-Buchholz gemeinsam auf der Bühne stehen und Günther-Hits wie "Vergass dei Hamit net!" ("Vergiss' deine Heimat nicht"), "Wu de Wälder hamlich rausch‘n" ("Wo die Wälder heimlich rauschen") und das "Feieromd"-Lied intonieren. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) lud am Freitag persönlich zum Mitmachen ein.
Kretschmer: Wer Mundart spricht, gibt Heimat weiter
Es gehe darum, das "Erbe Anton Günthers zu feiern und lebendig zu halten", so Kretschmer. "Seine Gedichte und Lieder erzählen von Natur, Arbeit und Gemeinschaft – Themen, die die Menschen bis heute berühren und verbinden. Beim gemeinsamen Musizieren werden die Werte lebendig, für die Anton Günther stand: Heimatliebe, Zusammenhalt und Dialekt als Ausdruck kultureller Identität. Wer Mundart spricht – oder singt – gibt ein Stück Heimat weiter."
"Anton Günther hat dem Erzgebirge eine klingende Stimme gegeben. Seine Lieder verbinden Musik, Mundart und Heimatliebe zu einem Erbe, das bis heute Identität stiftet und Generationen verbindet", betonte Georg-Stefan Seidl vom Kunst- und Kulturverein Erzgebirge. Mit der Aktion "150 für Anton Günther" wolle man ein sichtbares Zeichen für die Lebendigkeit und Zukunft der erzgebirgischen Kultur setzen.
Bart-Träger herzlich willkommen
Bart-Träger sind bei dem Spektakel besonders willkommen. Zu Jahresbeginn hatte der Kunst- und Kulturverein "Bart-Challenge" ausgerufen, die seitdem in sozialen Netzwerken Fahrt aufnahm. Bis zum 5. Juni – dem 150. Geburtstag Günthers – sind die Herren aufgerufen, sich einen charakteristischen "Anton-Günther-Gedächtnisbart" stehenzulassen und die Resultate unter Hashtags wie "#AntonGünther150" einzureichen.
Anton Günther gilt als bedeutendster Mundartdichter, Sänger und Komponist des Erzgebirges. "Manche nennen ihn auch den "Bob Dylan des Erzgebirges"", stellte die Staatskanzlei einen kühnen Vergleich an. Günther kam im nordböhmischen Bozi Dar (Gottesgab) zur Welt. Die Gabe zur Volkskunst wurde dem Bergmannssohn nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Er wollte zunächst als Förster arbeiten, lernte dann aber Lithograph.
Ikone erzgebirgischer Folklore
Nach vorzeitigem Lehrabschluss nahm er in Prag eine Stelle an. Vom Heimweh geplagt, schrieb er dort Lieder. "Derhaam is derhaam" avancierte zum ersten Hit. Mit Joppe, Hut, Pfeife und Gitarre wurde zur Ikone erzgebirgischer Folklore. Fast 200 Lieder umfasst sein Gesamtwerk. Er trat in Gaststätten, Vereinen und selbst vor König Friedrich August III. auf, sang in Oberwiesenthal und Dresden genauso wie Berlin und Wien. Schellackplatten und Postkarten verbreiteten seine Werke deutschlandweit. Zudem erfand er die "Liedpostkarte" – illustrierte Karten mit Text, Noten und Zeichnung.