Der Preis der Leipziger Buchmesse zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Diese fünf Romane auf der Shortlist der Kategorie "Belletristik" erhalten aktuell besonders viel Aufmerksamkeit. Fünf Romane sind in der Kategorie Belletristik 2026 nominiert. Eine Autorin gewann am 19. März 2026 den Preis. Die Bücher bestechen vor allem durch einen besonderen Umgang mit Sprache. Inhaltlich finden die Geschichten einen gemeinsamen Nenner in der europäischen Geschichte, die von Kriegen, Verfolgung und Minderheiten geprägt ist, aber dennoch Raum für die Entwicklung persönlicher Beziehungen bietet. Die Gewinnerin des Preises der LBM 2026 in der Kategorie "Belletristik" Die diesjährige Gewinnerin Katerina Poladjan, 1971 in Moskau geboren, wuchs in Rom und Wien auf und lebt heute in Deutschland. Für " Hier sind Löwen " erhielt sie mehrere Stipendien. Ausgezeichnet wurde sie unter anderem mit dem Nelly‑Sachs‑Preis (2021) und dem Großen Preis des Deutschen Literaturfonds (2025). Mit " Zukunftsmusik " stand sie 2022 auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse. Katerina Poladjans "Goldstrand" Im Gewinnerroman geht es um Eli, der Protagonist des Romans, welcher ein gealterter Filmregisseur ist. Er erzählt im Rahmen einer Therapie seine Lebensgeschichte. Darum bemüht, die schmerzhaften Punkte seiner Vergangenheit zu umschiffen, sind seine Erzählungen unzuverlässig. Dabei breitet sich nicht nur sein Leben vor dem Leser aus, sondern auch die Geschichte Osteuropas im 20. Jahrhundert. Zwischen Flucht, Schicksalsschlägen, Krieg und Liebe ergibt sich das Bild eines Mannes, der die Abwesenheit des Vaters nicht überwindet, in persönlichen Beziehungen versagt und sich in seinen Erzählungen eine erträglichere Version der Realität erschafft. Neben der spannenden Handlung ist bei " Goldstrand " vor allem die Sprache bemerkenswert, die die Kunst des Weglassens beherrscht. Während der Protagonist sich gerne im Fabulieren verliert, ist im Roman kein Satz zu viel und wirkt so auf Kritiker leicht und einnehmend zugleich. Laut Jury zeigt Katerina Poladjan, wie Biografie aus Selbstbefragung, Erfindung und dem behutsamen Umgehen von Schmerz entsteht. Mit einer zugleich leichten und tiefgründigen Sprache zeichnet sie das Porträt einer Figur, die sich auf den Abschied vorbereitet – ohne zu wissen, wohin der Weg führt. Weitere Nomierte des Preises der LBM in der Kategorie "Bellestrik" Neben der Preisträgerin waren vier weitere Autorinnen und Autoren für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie "Belletristik" nominiert. Von Helene Bukowski, Norbert Gstreins über Anja Kampmanns bis hin zu Elli Unruhs. Hier ein Überblick. Helene Bukowskis "Wer möchte nicht im Leben bleiben" In diesem Roman rekonstruiert die Autorin das Leben der Pianistin Christina, die sich 1985 das Leben nahm. So wird aus dem Nachlass und den Spuren der Vergangenheit eine neue Geschichte, in der die Leser Christinas Werdegang erleben. Zwischen einem Elternhaus, das sich den Künsten verschrieben hat und die Zukunft der Tochter bereits festgelegt hat und der fordernden Ausbildung zur Pianistin, ist für Christina selbst wenig Platz. Das Buch verfolgt die Schicksalsschläge und jene Momente, die zum späteren Tod geführt haben könnten. Gleichzeitig ist es eine (belletristische) Reise in die Vergangenheit und in die deutsche Geschichte. Kritiken von " Wer möchte nicht im Leben bleiben " loben besonders die Feinfühligkeit, mit der Christinas Geschichte erzählt wird. Der Roman wird als eindringlich und tiefgehend beschrieben. Eine Lektüre, die schwer fällt, aber umso wichtiger ist. Norbert Gstreins "Im ersten Licht" Das Buch erzählt die Geschichte Adrians, dessen Jugend vom Ersten Weltkrieg überschattet wird und dessen Lebenszeit auch den zweiten Weltkrieg mit einschließt. Dabei ist seine Kriegserfahrung eine gänzlich andere, als die der meisten Männer der Zeit. Sein Vater macht ihn durch einen Axthieb kriegsuntauglich und verdammt ihn so zum lebenslangen Humpeln, schenkt ihm aber auch ein Leben abseits des Krieges. Während viele Gleichaltrige sterben oder versehrt vom Schlachtfeld zurückkehren, erlebt Adrian das 20. Jahrhundert und bleibt inmitten des Weltgeschehens trotzdem ein Mensch mit persönlichen Wünschen und Sehnsüchten. Der Roman wird sowohl für den Erzählstil und die starken Dialoge gelobt als auch für seine Aktualität angesichts der weltpolitischen Lage gefeiert. " Im ersten Licht " ist ebenso Lebensgeschichte wie Welt- und Kriegsgeschichte. Anja Kampmanns "Die Wut ist ein heller Stern" Auch in diesem nominierten Roman spielt die deutsche Kriegsvergangenheit eine Rolle. Es geht um Hedda, die als Artistin auf der Reeperbahn arbeitet und die Freiheit liebt, die ihr das Varieté bietet. Aber in den Dreißigerjahren wird eben diese Freiheit zusehends weniger und an ihre Stelle treten Uniformen und eine neue Weltordnung. Hedda beginnt, nach Auswegen zu suchen. Für sich, aber auch für ihren kleinen Bruder, für den sie verantwortlich ist. " Die Wut ist ein heller Stern " wird besonders für die atmosphärische und bildgewaltige Erzählweise gelobt. Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs geht es um Freiheit, Weiblichkeit und den eigenen Weg in einer kriegsgezeichneten Welt. Elli Unruhs "Fische im Trüben" In diesem Roman wird die Geschichte der Wolgadeutschen Mennoniten erzählt. Es ist eine Gemeinschaft, die einst von Katharina der Großen nach Russland geholt wurde und sich dort ein Leben aufbaute. Aber ihr Weg ist vor allem geprägt von Verfolgung, wechselnden Herrschern, Deportation und dem ständigen Neuanfang an einem anderen Ort. Als Nachfahren der Mennoniten hat die Protagonisten-Familie eine ebenso ungewöhnliche wie interessante Lebensweise und dennoch sind es vor allem die persönlichen Beziehungen, Familie, Freundschaft, Verliebtheit, die die Handlung ausmachen. " Fische im Trüben " nimmt die Thematik des Romans auch sprachlich auf und verwendet immer wieder jenes Deutsch, das die Mennoniten noch aus Preußen mitnahmen. Der Roman wird als für seine klare und poetische Sprache gelobt und von Lesern als eine gelungene Mischung von leicht und beklemmend wahrgenommen. Für wen sich die nominierten Romane besonders eignen Die fünf nominierten Titel für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik zeigen, wie vielfältig die deutschsprachige Gegenwartsliteratur ist. " Wer möchte nicht im Leben bleiben " eignet sich besonders für Leser, die intensive Figurenporträts und psychologisch dichte Geschichten schätzen. " Im ersten Licht " spricht vor allem Menschen an, die literarische Romane mit gesellschaftlichem Blick und feiner Sprache mögen. " Die Wut ist ein heller Stern " dürfte Leser begeistern, die sich für atmosphärische Literatur interessieren, in der Gefühle und Lebenswege eindringlich erzählt werden. " Goldstrand " empfiehlt sich für alle, die Romane über Herkunft, Erinnerung und europäische Geschichte lesen möchten. Und " Fische im Trüben " passt besonders zu Lesern, die aktuelle Themen, Spannung und gesellschaftliche Beobachtungen in moderner Literatur suchen. Die nominierten Romane begeistern mit ungewöhnlichem Sprachstil und überraschenden Erzählweisen. Obwohl sie in der Vergangenheit angesiedelt sind, sind sie durch ihre Thematiken hochaktuell. Was ist der Preis der Leipziger Buchmesse? Der Preis der Leipziger Buchmesse gehört zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Jedes Jahr werden herausragende Neuerscheinungen ausgezeichnet, die in deutscher Sprache geschrieben oder übersetzt wurden. Der Preis wird traditionell in drei Kategorien vergeben: Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Ziel der Auszeichnung ist es, literarische Qualität sichtbar zu machen und besondere Bücher einem größeren Publikum bekannt zu machen. Die nominierten Titel werden kurz vor Beginn der Leipziger Buchmesse vorgestellt, während der Gewinner während der Messe bekannt gegeben wird.