Der Dispokredit ist eine verlässliche finanzielle Notfallreserve. Doch eine neue Analyse zeigt: Diese Sicherheit kann überraschend teuer werden. Für die meisten Bankkunden gehört der Dispokredit zum Alltag. Er hilft, kurzfristige Engpässe zu überbrücken oder größere Ausgaben zu stemmen. Doch dieser Komfort hat seinen Preis: Im Schnitt verlangen Banken aktuell 11,28 Prozent Zinsen, in der Spitze sogar bis zu 15,31 Prozent. Und wer seinen Disporahmen überschreitet, zahlt oft noch einmal drauf. Das zeigt eine aktuelle Auswertung von mehr als 6.600 Girokonten auf Basis von BaFin-Daten. Doch wie teuer wird es wirklich – und welche Alternativen haben Sie? Dispozinsen: Banken greifen tief in die Tasche Die Unterschiede zwischen den Banken sind groß, teuer ist der Dispo aber fast überall. Laut einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox verlangt aktuell die VR-Bank Landsberg-Ammersee mit 15,31 Prozent den höchsten Dispozins. Dahinter folgen die Volksbank Nordharz mit 14,77 Prozent und die Sydbank mit 14,55 Prozent. Auffällig: Unter den Kreditinstituten mit einem besonders teuren Dispo ist die vor allem in Dänemark und Norddeutschland aktive Sydbank die einzige Privatbank. Unter den 20 teuersten Anbietern dominieren Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Privatbanken spielen in dem Ranking nur eine Nebenrolle. "Die Überziehung des Girokontos ist zwar praktisch, um kurzfristige finanzielle Engpässe zu überbrücken", erklärt Finanzexperte und Verivox-Chef Oliver Maier. Doch diesen Service müssen Kunden "teuer bezahlen". Geduldete Überziehung: Viele Banken verlangen extra Ein Disporahmen wird in der Regel individuell zwischen Bank und Kunde vereinbart und richtet sich nach Ihrer Bonität. Doch wer diesen Rahmen überschreitet, rutscht in die sogenannte geduldete Überziehung. Bei verschiedenen Banken: So viele Konten dürfen Sie haben Ärger mit Zahlungsdienstleistern: Inkassoschreiben, obwohl Sie bezahlt haben? Und die wird oft noch teurer: Laut Verivox zahlen Kunden bei 45 Prozent aller Konten einen zusätzlichen Zinsaufschlag. Dieser liegt meist zwischen 2 und 6 Prozentpunkten, im Schnitt bei 4,25 Prozentpunkten. Das bedeutet: Aus ohnehin hohen Dispozinsen wird schnell eine noch größere Belastung. Fast 20 Prozent Zinsen: Wenn das Konto überzogen wird Wie teuer es werden kann, zeigt ein Extrembeispiel: Bei der Raiffeisenbank Pfaffenhofen an der Glonn fallen für die geduldete Überziehung bis zu 19,75 Prozent Zinsen an. Schon der reguläre Dispozins liegt dort mit 13,75 Prozent deutlich über dem Durchschnitt. Auch hier zeigt sich laut Verivox ein klares Muster wie beim Dispozins: Unter den teuersten Anbietern für die geduldete Überziehung dominieren Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Wichtig für Sie: Auf eine Überziehung über den Dispo hinaus haben Sie keinen Anspruch. Die Bank entscheidet im Einzelfall, ob sie eine Zahlung trotzdem ausführt. Zudem sollten Sie den überzogenen Betrag schnell zurückzahlen – am besten innerhalb von zwei Wochen. Eine dauerhafte Überziehung kann sich zudem negativ auf Ihren Schufa-Score auswirken. Raus aus dem Dauerdispo: Diese Alternativen sparen Geld Kurzzeitig genutzt, bleibt der Dispo trotz hoher Zinsen überschaubar. Wer etwa 500 Euro für zehn Tage überzieht, zahlt bei durchschnittlich 11,28 Prozent rund 1,57 Euro Zinsen. Problematisch wird es, wenn Ihr Konto dauerhaft im Minus steht. Dann lohnt sich ein Blick auf Alternativen. Eine Umschuldung per Ratenkredit kann deutlich günstiger sein. Die Zinsen liegen oft nur etwa halb so hoch wie beim Dispo. Auch ein Kontowechsel kann sich lohnen. Mithilfe des BaFin-Kontenvergleichs können Verbraucherinnen und Verbraucher rund 6.900 Kontomodelle von über 1.100 Anbietern vergleichen und das für sie beste Angebot finden. Verivox-Chef Maier rät, dabei nicht nur auf die Dispozinsen zu achten: Ein gutes Girokonto zeichnet sich auch durch niedrige Kontoführungsgebühren, günstige Karten und geringe Kosten fürs Bargeldabhebungen aus. Unterm Strich gilt: Der Dispo ist praktisch – aber nur für kurze Zeit. Wer ihn dauerhaft nutzt, zahlt drauf.