Die Golfstaaten geraten im Nahost-Krieg zunehmend unter Druck. Nun mehren sich Zeichen, dass ihre militärische Zurückhaltung ein Ende haben könnte. Saudi-Arabiens faktischer Herrscher Mohammed bin Salman soll Präsident Donald Trump in den vergangenen Tagen dazu gedrängt haben, den Krieg gegen den Iran fortzusetzen. Das berichten die "New York Times" und das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider. Demnach habe der Kronprinz den Konflikt als "historische Chance" bezeichnet, den Nahen Osten neu zu gestalten und die Macht des Iran in der Region dauerhaft zu brechen. Der Vorstoß kommt in einer Phase, in der die Golfstaaten selbst zunehmend unter Druck geraten. Seit Beginn der Angriffe durch die USA und Israel vor einem Monat sehen sie sich iranischen Raketen- und Drohnenattacken auf ihre Energieanlagen, Städte und Infrastruktur ausgesetzt. Newsblog : Alle aktuellen Nachrichten zum Krieg in Nahost Militärexperte Neitzel : "Sie werden nicht mit Bodentruppen in den Iran gehen" Gleichzeitig ist die für den Öltransport zentrale Straße von Hormus massiv gestört. Trotz dieser direkten Betroffenheit hatten sich die Golfstaaten bislang militärisch zurückgehalten und betont, nicht in den Krieg hineingezogen werden zu wollen. Öffentlich hält Riad weiter an dieser Linie fest. In einer Stellungnahme erklärte die saudische Regierung, sie habe sich "stets für eine friedliche Lösung dieses Konflikts eingesetzt". Es sei ihr Hauptanliegen, sich gegen die "täglichen Angriffe auf unser Volk und unsere zivile Infrastruktur zu verteidigen." Doch gleichzeitig erklärte der Außenminister Faisal bin Farhan: "Saudi-Arabiens Geduld mit iranischen Angriffen ist begrenzt." Nach Darstellung der "New York Times" argumentierte Mohammed bin Salman in den Gesprächen mit Trump nun, dass ein vorzeitiges Ende des Krieges riskant sei. Ein unvollständiger militärischer Schlag könnte den Iran zwar schwächen, ihn aber nicht daran hindern, weiterhin Angriffe auf die Golfstaaten zu führen. Deshalb habe der Kronprinz darauf gedrängt, den Druck zu erhöhen, auch durch Angriffe auf zentrale Energieanlagen des Iran. Golfstaaten rücken näher an die Front Gleichzeitig weitet Saudi-Arabien die Unterstützung für die USA aus. Die Monarchie hat laut "Wall Street Journal" die Nutzung des König-Fahd-Luftwaffenstützpunkts für Angriffe gegen den Iran erlaubt. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate gehen nach Angaben des Blatts schärfer gegen iranische Strukturen im eigenen Land vor. Demnach wurden in Dubai ein iranisches Krankenhaus und ein iranischer Club geschlossen. Die Regierung in Abu Dhabi erklärte, gezielt Einrichtungen mit direkten Verbindungen zum iranischen Regime und zu den Revolutionsgarden zu verbieten. Zudem steht im Raum, iranische Vermögenswerte in Milliardenhöhe einzufrieren. Das könnte Teheran wirtschaftlich empfindlich treffen, weil die Emirate seit Jahren ein wichtiger Finanz- und Handelsplatz für iranische Unternehmen und Privatpersonen sind. Derweil geht der Irak einen anderen Weg. Das Land ist längst von beiden Seiten in die Auseinandersetzung hineingezogen worden. So wurden bei Luftangriffen auf Stellungen der regulären Streitkräfte, die auch vom Iran unterstützte Milizen umfassen, zuletzt 15 Kämpfer getötet. Die Milizen machen die USA dafür verantwortlich. Zugleich wurde im Nordirak ein Stützpunkt der kurdischen Peschmerga mit iranischen Raketen angegriffen; dabei wurden sechs Kämpfer getötet und 30 weitere verletzt. Der Irak ist damit nicht nur Transit- und Aufmarschraum, sondern selbst zum Angriffsziel geworden. Raketen und Drohnen fliegen seit Kriegsbeginn regelmäßig über irakisches Gebiet oder schlagen dort ein. Politisch versucht sich die Regierung in Bagdad jetzt von Washington zu lösen. Ministerpräsident Mohammed Shiaa al-Sudani kündigte laut "Arab Weekly" an, das Ende der von den USA geführten Anti-IS-Koalition im eigenen Land vorzuziehen. Ausländische Truppen sollen den Irak so bald es geht verlassen.